[Kapitalmarkt-News vom 26. Oktober 2020]

Fazit: Die zweite Infektionswelle wird für viele Länder der Euro-Zone zu einem erneuten BIP-Rückgang im vierten Quartal führen. Die deutsche Wirtschaft hingegen ist aufgrund ihres hohen Industrieanteils und der globalen Exportaussichten weniger stark betroffen.

Auch wenn enorme Unsicherheit über den Konjunkturverlauf in den kommenden Quartalen besteht, eines scheint relativ sicher: Die konjunkturelle Erholung in Deutschland und Europa sollte um einiges flacher verlaufen als bis vor wenigen Wochen erwartet wurde. Damit steigt das Insolvenzrisiko für Unternehmen deutlich. Die IKB erwartet für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2020 aktuell einen Rückgang des BIP um 5,6 % und für das Jahr 2021 ein Plus von 4,8 %.

Allgemeine Gedanken zur zweiten Welle

Die zweite Infektionswelle bereitet schon länger Sorgen. Seit Oktober ist die Zahl der nachgewiesenen täglichen Neuinfektionen sogar höher als im Frühjahr. Und trotz ständig neuer Gegenmaßnahmen sind Dauer und Ausmaß dieser Welle immer noch nicht abzuschätzen. Dies gilt für die gesamte Weltwirtschaft und besonders für Europa. Auch ergreifen Länder wie Italien, Frankreich und Spanien zunehmend Lockdown-Maßnahmen wie während der ersten Welle. Steht nun der europäischen und deutschen Wirtschaft ein erneuter BIP-Einbruch im vierten Quartal bevor, und könnte dieser ein ähnliches Ausmaß annehmen wie im zweiten Quartal?

Zweifelslos wird der Erholungspfad der Volkswirtschaften aufgrund der zweiten Infektionswelle flacher verlaufen; ein erneuter BIP-Rückgang ist für viele Länder nicht auszuschließen. Fast alle Regierungen versuchen zwar, eine gewisse Normalität aufrecht zu halten und durch verschiedene Maßnahmen einen allgemeinen Lockdown zu verhindern. Doch die Risikoaversion der Verbraucher wird sich unabhängig von den die Pandemie begrenzenden Maßnahmen negativ auf Dienstleistungssektoren wie Gastronomie und Tourismus auswirken. Da diese Branchen bereits weit von ihrem Vorkrisenumsatz entfernt sind, sollte der weitere Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung geringer ausfallen und das BIP weniger stark belasten. Allerdings wird sich die verzögerte Erholung dieser Branchen besonders negativ auf die Zahl der Insolvenzen auswirken. Denn es ist weniger die Tiefe als die Dauer einer Rezession, die für eskalierende Insolvenzzahlen sorgt. Auch ohne weitreichende Lockdown-Maßnahmen ist somit von einem nennenswerten Anstieg von Unternehmensausfällen gerade in den angesprochenen Branchen auszugehen. Für viele Unternehmen wird die Erholung zu flach verlaufen, um die Konsequenzen des Einbruchs erfolgreich abzuarbeiten. Eine Verlängerung der staatlichen Stützungsmaßnahmen ist demnach zu erwarten. Auch wird die Verschuldung von Unternehmen sowie Staaten noch höher steigen als vor der zweiten Coronawelle erwartet worden war.

 

Fokus Deutschland

 Anders als während der ersten Infektionswelle verläuft die globale Konjunkturentwicklung aktuell deutlich weniger synchron. So zeigen sich vor allem asiatische Volkswirtschaften weiterhin ziemlich robust und befinden sich auf einem Erholungspfad, angetrieben vor allem von China, dessen Konjunktur- und Stimmungsindikatoren relativ stabil sind. Dies sollte die globale Industrieproduktion stützen – und damit auch den deutschen Export. So sieht es zwar für einige Dienstleistungsbranchen nach wie vor problematisch aus, das Produzierende Gewerbe hingegen erfährt zumindest in der außereuropäischen Nachfrage eine Stütze.

Die Erholung des privaten Konsums sollte hingegen flacher verlaufen als noch vor wenigen Wochen erwartet wurde. Zum einen wird die zunehmende Risikoaversion das Konsumverhalten im vierten Quartal prägen. So trübte sich bereits im Oktober das Gfk-Konsumklima nach Monaten der Aufhellung wieder ein. Zum anderen nimmt auch in Deutschland das Risiko einer ansteigenden strukturellen Arbeitslosigkeit zu. Zwar wird die Kurzarbeiterregelung eine drastische Erhöhung kurzfristig verhindern; steigende Unternehmensinsolvenzen und eine relativ schwache Binnennachfrage werden jedoch die Arbeitslosenquote mittelfristig anwachsen lassen. Zudem belastet die verbreitete Kurzarbeit das Konsumentenvertrauen. Somit ist im vierten Quartal durchaus von einem erneuten Anstieg der privaten Sparquote auszugehen.

Das ifo Geschäftsklima von heute bestätigt die zunehmende Verunsicherung der Unternehmen. So hat sich die Stimmung der Unternehmen im Oktober erstmals nach fünf Monaten wieder verschlechtert. Der Index fiel um 0,7 Zähler auf 92,7 Punkte. Dabei haben sich insbesondere die Geschäftsperspektiven klar eingetrübt. Der Teil-Index sank um 2,7 Zähler auf 92,7 Punkte. Die Bewertung der aktuellen Lage fiel hingegen etwas besser aus. Hier gab es ein Plus von 1,1 Zähler auf 90,3 Punkte. So scheint die Erholung aktuell noch anzuhalten, auch wenn eine erneute Verunsicherung erkennbar ist. In den kommenden Monaten ist von einer weiteren Eintrübung bei den Erwartungen, aber sicherlich auch in der Einschätzung der aktuellen Lage auszugehen.

In Zeiten hoher Unsicherheit werden häufig Szenarien für den Ausblick herangezogen. Auch aktuell könnte von einer anhaltenden, moderateren Erholung oder einem erneuten Rückgang des deutschen BIP im vierten Quartal ausgegangen werden. Doch egal ob das deutsche BIP im vierten Quartal schrumpft oder nicht, an den jährlichen Wachstumsraten für 2020 und 2021 ändert sich dadurch wenig. Dies gilt vor allem dann, wenn von einem weniger drastischen konjunkturellen Einbruch als im zweiten Quartal ausgegangen wird. Entscheidend ist vielmehr, wann beim BIP das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird. Ein erneuter, wenn auch leichter Einbruch im vierten Quartal könnte im Vergleich zu einer anhaltenden moderaten Erholung das Erreichen des Vorkrisen-Niveaus um mindestens vier Quartale und damit bis Anfang des Jahres 2023 verschieben. Die zweite Welle der Pandemie birgt somit weniger ein Risiko für die BIP-Wachstumsrate als vielmehr für Insolenz- und Arbeitslosenquote.

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