[Industrials & Automotive vom 28. Januar 2021]

Nach einem kräftigen Einbruch im ersten Halbjahr 2020 erholte sich die Weltrohstahlproduktion im zweiten Halbjahr. Im Gesamtjahr 2020 reduzierte sich der Weltrohstahlausstoß nur um 0,9 %, wobei Chinas Stahlausstoß um 5,2 % über dem Vorjahreswert lag: Das Land hat 2020 erstmals über 1 Mrd. t Rohstahl erzeugt, die primär im Inland verblieben. Im laufenden Jahr wird die weltweite Rohstahlerzeugung um ca. 4,5 % auf 1,95 Mrd. t anziehen, von denen China 1,09 Mrd. t produzieren dürfte. Auf der Nachfrageseite halten wir für 2021 einen Zuwachs von weltweit gut 4 % für realistisch. Hierbei dürfte in der Europäischen Union ein Anstieg von 10 % bis 11 % erfolgen, zumal die Marktversorgung zu Jahresbeginn sehr knapp ist.

Entscheidend für die Stahlpreise im Jahr 2021 wird die weitere Entwicklung bei den Vormaterialpreisen sein. So haben zuletzt die Eisenerznotierungen am Spotmarkt kräftig zugelegt. Diese zogen allein im Verlauf des Dezember 2020 um 30 US-$ je Tonne an. Der Preissprung setzte sich im Januar 2021 weiter fort und erreicht mit über 160 US-$ je Tonne das höchste Niveau der letzten 10 Jahre. Allerdings erwartet die IKB im Jahresverlauf eine Entspannung, da wir davon ausgehen, dass die Förderung in den brasilianischen Eisenerzbergwerken von Vale sich weiter deutlich erholen dürfte. Die Produktion wurde nach dem schweren Unglück im Jahr 2019 stark zurückgefahren, da für etliche Minen hohe Nachrüstungsinvestitionen angeordnet worden waren. Diese sind jetzt zum größten Teil umgesetzt.

Im Prinzip sehen wir auch eine Entspannung bei den Kokskohlepreisen: Die IKB erwartet  in China 2021 einen etwas stärkeren Anstieg der Stahlproduktion über das Elektrostahlverfahren im Vergleich zur Hochofenschiene. Zudem werden dort derzeit etliche alte Stahlwerke auf moderne Elektrostahlproduktion umgerüstet und in Europa sind Projekte zum Einsatz von Wasserstoff als Reduktionsmittel angeschoben worden. Aufgrund deren langfristiger Umsetzung sinkt dadurch zwar noch nicht der Bedarf an Kokskohle im laufenden Jahr. Allerdings dürften sich diese Vorhaben auf den Abschluss von länger laufenden Kokskohlekontrakten auswirken. Zudem sollte sich die Kohleförderung in Australien wieder normalisieren, deren Lieferung nach China temporär durch Handelskonflikte belastet war. 

Vor dem Hintergrund des Trends bei den Erzpreisen überrascht nicht, dass auch die Schrottpreise kräftig zulegten.

Eine stark anziehende Nachfrage sowohl aus der Stahl- als auch der Gießereibranche traf auf ein immer noch knappes Angebot. Die nachfragenden Industrien hatten die Lagerbestände im letzten Quartal 2020 oft nicht ausreichend aufgefüllt und waren jetzt gezwungen zu ordern. Daneben war vor allem auch der Export in die Türkei ein wichtiger Treiber der Schrottpreise. Jahreszeitlich bedingt ließ auch das Schrottaufkommen aus Abbruchtätigkeiten von Altbauten nach. Das Aufkommen von Neuschrotten aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau ist ebenfalls immer noch nicht auf dem langfristigen Normalniveau. Dies alles bewirkte die zuletzt erheblichen Preisausschläge. Zumindest im ersten Quartal 2021 dürften die Preise weiter auf hohem Niveau tendieren.

Dadurch ist insgesamt ein starker Preisdruck in der Wertschöpfungskette entstanden, der bei einer weiteren Belebung der Stahlindustrie auch letztlich zu höheren Endabnehmerpreisen führen wird. Die höheren Energiekosten und vor allem auch die deutlich anziehenden Preise für Emissionszertifikate stützen die Stahlpreise zusätzlich.

Fazit

Insgesamt erwartet die IKB eine Belebung der Stahlnachfrage in diesem Jahr – vorausgesetzt es kommt nicht zu längeren Pandemie bedingten Produktionsunterbrechungen. Die wachsende Nachfrage dürfte mit anziehenden Stahlpreisen einhergehen.

Diese Unterlage und die darin enthaltenen Informationen begründen weder einen Vertrag noch irgendeine Verpflichtung und sind von der IKB Deutsche Industriebank AG ausschließlich für (potenzielle) Kunden mit Sitz und Aufenthaltsort in Deutschland bestimmt. Außerhalb Deutschlands ist eine Verbreitung untersagt und kann gesetzlich eingeschränkt oder verboten sein. Die Inhalte dieser Unterlage stellen weder eine (i) Anlageberatung (ii) noch eine individuelle Anlageempfehlung oder (iii) eine Einladung zur Zeichnung oder (iv) ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar.

Die auf dieser Seite/in dieser Unterlage enthaltene Information wurde nicht mit der Absicht erarbeitet, einen rechtlichen, steuerlichen oder bilanziellen Rat zu geben. Die Information ist mit größter Sorgfalt erstellt worden. Die IKB Deutsche Industriebank AG übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben, deren Vollständigkeit und Genauigkeit. Stellungnahmen und Prognosen stellen unverbindliche Werturteile zum Zeitpunkt der Erstellung der Unterlage dar. Die Angaben beziehen sich ausschließlich auf den Zeitpunkt der Erstellung der Unterlage. Eine Änderung der Meinung des Verfassers ist daher jederzeit möglich, ohne dass dies notwendigerweise publiziert wird. Die in der Unterlage zum Ausdruck gebrachten Meinungen spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der IKB Deutsche Industriebank AG wider. Prognosen zur zukünftigen Entwicklung geben Annahmen wieder, die sich in Zukunft als nicht richtig erweisen können; für Schäden, die durch die Verwendung der Unterlage oder von Teilen davon entstehen, wird nicht gehaftet. Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Bei der Unterlage handelt es sich nicht um eine Finanzanalyse i.S.d. Art. 36 der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565 oder Empfehlung i.S.d. Art. 3 Abs. 1 Nr. 35 Verordnung (EU) 596/2014. Die vorliegende Unterlage ist urheberrechtlich geschützt. Das Bearbeiten oder Umarbeiten dieser Unterlage ist untersagt. Die Verwendung oder Weitergabe der Unterlage in jeglicher Art und Weise an Dritte (z.B. Geschäftspartner oder Kunden) für gewerbliche Zwecke, auch auszugsweise, ist nur mit vorheriger schriftlicher Zustimmung der IKB Deutsche Industriebank AG zulässig.

40474 Düsseldorf
Wilhelm-Bötzkes-Straße 1
Telefon +49 211 8221-0