[Consumer & Retail-Information vom 15. April 2021]

Die Corona-Pandemie hat der erfolgsverwöhnten Sportartikelindustrie im Jahr 2020 zugesetzt. Die durch Corona bedingten Einschränkungen wie geschlossene Fitnessstudios, das Herunterfahren des Breitensports sowie die Schließung des stationären Handels führten dazu, dass der Gesamtmarkt das erste Mal seit der Finanzkrise ein Minus verzeichnen musste. Bei etwa 30 Mio. Menschen in Deutschland, die mindestens einmal im Monat Sport treiben, gibt es allerdings auch Segmente, die bislang als Gewinner aus der Pandemie hervorgehen. So ist mit Blick auf die Shutdown-Maßnahmen 2020 wenig verwunderlich, dass Individual- sowie Outdoor-Sportarten wie Radfahren, Laufen und Wandern einen deutlichen Zulauf erfahren haben.

Umsatzentwicklung im Handel mit Fahrrädern, Sport- und Campingartikeln

Insgesamt führte dies zu deutlichen Ausschlägen in der Umsatzentwicklung im Handel mit Fahrrädern, Sport- und Campingartikeln. Nach deutlichen Umsatzrückgängen aufgrund des ersten Lockdowns im März und April 2020 kam es hier in den folgenden Monaten zu einem regelrechten Boom, wobei bei Fahrrädern E-Bikes eine besondere Dynamik aufwiesen. Weitere Nachfrageimpulse in den Sommermonaten verzeichneten Lauf- und Wanderschuhe und -ausrüstung sowie Sportgeräte für das Heimtraining. Viele Konsumenten mussten teils mehrere Wochen oder gar Monate auf die Zustellung ihrer Fitnessgeräte warten.

Zu einer erheblichen Eintrübung kam es erneut im Dezember, als die Geschäfte aufgrund des zweiten Lockdowns abermals schließen mussten. Gleichzeitig lag der Wintertourismus größtenteils brach, sodass viele Lifte und Loipen schließen mussten. Händler, aber auch Hersteller von Ski- und Snowboardausrüstung meldeten daraufhin erhebliche Umsatzverluste.

Sehr schwieriges erstes Halbjahr 2021

Der Start ins Jahr 2021 änderte nichts an der schwierigen Situation. Das Wintersportgeschäft ist nahezu ausgefallen und entsprechend stark sind die Umsätze im Januar eingebrochen. Der Fachhandel fiel auf das Umsatzniveau der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 zurück. Vor allem für Wintersport-Fachhändler ist die Lage dramatisch, denn sie gehen teils mit erheblichen Liquiditätsproblemen in die für sie umsatzschwächste Zeit des Jahres.

Seit Jahresbeginn sind die stationären Sportgeschäfte überwiegend geschlossen, Konzepte wie „Click & Collect“ oder „Click & Meet“ können die dramatischen Ertragseinbrüche nicht annährend kompensieren. Die in der finalen Diskussion befindliche bundesweite Verlängerung des Lockdowns mit der konsequenten Verknüpfung von Schließungen des stationären Handels mit den Inzidenzwerten auf Stadt- und Kreisebene werden zu weiteren schwierigen Wochen führen. Viele Händler hatten zu Beginn des Jahres mit Blick auf das Infektionsgeschehen und den politischen Beschlüssen in ihren Planungen einen Lockdown bis spätestens Mitte oder Ende März unterstellt, Downside-Cases sahen geschlossene Läden bis Ende April vor. Schon jetzt ist klar, dass die Downside-Cases nicht einmal mehr ein Real-Case sind. Die Verlängerung des Lockdowns und eine derzeit zu unterstellende mögliche Ausweitung bis in den Mai hinein führen zur weiteren Verschlechterung der bereits schwierigen Liquiditätssituation. Der Ausbau des Online-Geschäfts kompensiert die Umsatzausfälle nicht, die Möglichkeiten von Kosteneinsparungen sind vielfach ausgereizt. Die Unternehmen werden auf weitere staatliche Unterstützungsmaßnahmen angewiesen sein. Zudem bedeuten strengere Maßnahmen, dass neben dem stationären Handel auch Fitnessstudios geschlossen bleiben bzw. wieder schließen müssen und auch Mannschaftssportarten weiterhin nicht ausgeübt werden dürfen. Dies erschwert den Absatz zusätzlich.

Grundsätzlich gute Aussichten für die Branche

Vor der Coronakrise profitierte der Sportartikelmarkt in Deutschland von den grundlegenden Trends Athleisure, sprich das Kombinieren von sportlichen Kleidungsstücken und bequemerer Mode, dem Sneakerboom und einer generellen Zunahme sportlicher Aktivität in der Bevölkerung. Insbesondere fitnessaffine und modebewusste Frauen treiben die Nachfrage und sind in vielen Produktkategorien wichtigste Zielgruppe. Bis der Sportartikelmarkt in Deutschland auf seinen Vorkrisen-Wachstumspfad zurückkehrt, sind zunächst schwierige Monate zu überstehen. Die grundsätzlichen Treiber dürften jedoch weiterhin intakt bleiben und wohlmöglich durch die Corona-Pandemie zusätzlich verstärkt werden. Individualsportarten wie Laufen, Wandern und Radfahren stehen auch 2021 hoch im Kurs. Zusätzliche Impulse können die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spielen geben, sofern sie stattfinden. Die IKB rechnet im zweiten Halbjahr 2021 mit einer spürbaren Verlangsamung des Pandemiegeschehens und einer damit einhergehenden langsamen Normalisierung des öffentlichen Lebens. Im Zuge dessen dürfte es zu einer deutlichen Erholung der Sportartikelbranche und im Folgejahr zu einer Rückkehr auf den ursprünglichen Wachstumspfad kommen. Analog zu anderen Einzelhandelsbereichen werden sich die Verhältnisse von stationären Umsätzen und Online-Geschäft nachhaltig verschieben.

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