Rohstoffpreise: Geopolitische Störfeuer

Von |2018-10-18T16:56:28+00:003. Mai 2018|Kategorien: Branchen & Rohstoffe|Tags: |

[Rohstoffpreis-Information – Ausgabe 05/18] Die Weltrohstoffpreise erhöhten sich im April 2018 in US-$ gerechnet um 5,2 %, in Inlandswährung waren es infolge eines schwächeren Euro 5,8 %. Insbesondere wurde die Entwicklung im laufenden Monat sehr stark von geopolitischen Einflüssen bestimmt. Der Militärschlag der USA in Syrien, der unveränderte Krieg im Jemen und vor allem die Androhung der USA, das Atomabkommen mit dem Iran zum 12. Mai 2018 aufzukündigen, ließen den Rohölpreis deutlich kräftiger als von uns erwartet ansteigen. Sollten die USA im Verlauf des Mai 2018 erneut Sanktionen gegen den Iran verhängen, ist mit einem Rohölpreis zwischen 75 und 80 US-$ je Barrel Brent zu rechnen. Der Grund ist, dass in diesem Fall der Iran wohl deutlich weniger Rohöl liefern kann. Allerdings sehen wir z. B. Indien und China durchaus als weitere große Abnehmer.

Weltrohstoffpreisindex von 2012 bis 2018Im Gesamtjahr 2018 erwarten wir einen OPEC-Bedarf von 39,1 mbd (Million Barrel per Day), der gemessen am Fördervolumen des ersten Quartals 2018 noch einer Aufstockung bedarf. Ohne erneute Iran-Sanktionen erwarten wir in den nächsten drei Monaten eine Bewegung um 70 US-Dollar je Barrel Brent. Nicht nur Rohöl war unter politischem Einfluss, sondern auch Aluminium. Die am 6. April 2018 verkündeten US-Sanktionen gegen russische Oligarchen und Firmen trafen auch Rusal, einen der führenden Aluminium- und Alumina-Produzenten, und hatten eine im Vergleich zu den angekündigten Strafzöllen sehr viel stärkere Wirkung. Dies führte zu einem Zwischenboom der Aluminiumpreise. Nachdem die US-Regierung Rusal nach gut zwei Wochen eine Karenzzeit bis Oktober 2018 für einen Eigentümerwechsel einräumte, entspannte sich die Situation wieder. Aktuell sind die Strafzölle auf Stahl und Aluminium nochmals für einen Monat aufgeschoben. Derzeit scheint eine kurzfristige Lösung nicht sehr wahrscheinlich. Vor diesem Hintergrund kann es in den nächsten zwei Monaten zu erheblichen Störungen auf den globalen Metallmärkten kommen.

Wir erwarten für den Wechselkurs des US-Dollar zum Euro bis Jahresmitte 2018 eine Bewegung zwischen 1,21 und 1,24 US-$/€. In der zweiten Jahreshälfte könnte sich nach weiteren Zinsanhebungen der Fed der Wechselkurs unter 1,20 US-$/€ einpendeln.

Stahlpreise

(Voraussichtliche) Weltrohstahlerzeugung von 2012 bis 2021 Schrittpreise zwischen 2012 und 2018

Im ersten Quartal 2018 expandierte die globale Stahlindustrie um gut 4 %. China und das übrige Asien sowie Lateinamerika wuchsen etwas stärker. Für Deutschland gehen wir weiter von einer Rohstahlproduktion von 44 Mio. t aus. Die Schrottpreise gaben im Monatsmittel um 5 € nach, dürften diesen Rückgang jedoch im Mai wieder kompensieren. Die Eisenerzpreise sanken im Monatsdurchschnitt um gut 4 US-$/t. Die europäischen Stahlpreise gingen im April weitgehend seitwärts. Während Warmbreitband und verzinkte Bleche geringfügig zulegten, gab Walzdraht um 2 € nach. Tendenz: Schrottpreise ziehen sortenabhängig um ca. 5 bis 10 € an, die Stahlpreise legen im Mai um 2 % zu, Walzdraht sinkt um rund 1 %.

Stahlpreise zwischen 2012 und 2018

Preise für Öl und Gas

Entwicklung des Ölpreises zwischen 2012 und 2021Rohöl-Lagerbestände der USA zwischen 2012 und 2018

Ende April 2018 betrugen die Rohöl-Lagerbestände in den USA 436 Mio. Barrel. Damit liegen sie um 17 % unter dem Vorjahresstand. Die Bestände der übrigen Destillate liegen um 21 %, die Propanvorräte um 8 % niedriger. Benzin ist auf Vorjahresniveau. Der Abbau der amerikanischen Lagerbestände ist gestoppt. Die Erdgasversorgung in Europa ist gut. Obwohl die weltweiten Rohölvorräte langsam sinken, ist ohne erneute Iran-Sanktionen kein Engpass abzusehen. Die festeren Rohölpreise der letzten Monate dürften den deutschen Grenzübergangspreis für Erdgas anziehen lassen. Tendenz: Wir sehen den Rohölpreis ohne Sanktionen in den nächsten drei Monaten in einer Bewegung um 70 US-$ je Barrel Brent, die amerikanische Sorte WTI liegt rund 4 US-$ darunter. Der Grenzübergangspreis für Erdgas hat Aufwärtspotenzial.

Entwicklung des Gaspreises zwischen 2012 und 2018

Aluminiumpreise

(Voraussichtliche) Aluminiumproduktion zwischen 2012 und 2021 Lagerbestände Aluminium zwischen 2012 und 2018

Bis Ende März 2018 stieg die globale Primäraluminiumproduktion um 1 % an. China hat die Einbußen aus den Abschaltungen in den ersten beiden Monaten kompensiert. Im Gesamtjahr erwarten wir eine Produktion von gut 64 Mio. t. Die Lagerbestände an den Börsen haben insgesamt etwas angezogen. Die investive Nachfrage stieg leicht (+5 % mehr Handelskontrakte). Belastend wirkten die angedrohten Strafzölle und die möglichen Rusal-Sanktionen. Tendenz: Im Mai bewegen sich die Preise um 2.250 US-$/t. Sollte es zum 1. Juni 2018 zur Umsetzung der Strafzölle kommen: Ermäßigung auf 2.100 US-$/t; bei Rusal-Sanktionen, die dem Markt rd. 6 % des Angebots entziehen würden, Bewegung zwischen 2.500 und 2.600 US-$/t, die Alloy rund 350 US-$/t niedriger.

(Voraussichtliche) Aluminiumpreise zwischen 2012 und 2019

Kupferpreise

(Voraussichtliche) Kupferproduktion zwischen 2012 und 2021 Kupfer-Lagerbestände zwischen 2012 und 2018

Die Weltkupferminenproduktion dürfte 2018 um 3 % und die globale Raffinadeproduktion sogar um 4 % zulegen. Da der Verbrauch nur um 3 % anzieht, könnte sich ein kleiner Angebotsüberschuss (ca. 25.000 t) ergeben, bevor der Markt 2019 wieder defizitär wird. Die Lagerbestände an den Metallbörsen reduzierten sich bis Ende April 2018 und dürften in den nächsten drei Monaten weiter zurückgehen. Die investive Nachfrage erhöhte sich im April um rund ein Viertel. Insgesamt zog der Kupferpreis im Aprilmittel um gut 50 US-$/t an. Tendenz: Die gute Versorgung ohne aktuelle Produktionsstörungen hält den Kupferpreis um die Marke von 6.800 US-$/t in einem Band von 600 US-$.

(Voraussichtliche) Kupferpreise von 2012 bis 2019

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Dr. Heinz-Jürgen Büchner

Dr. Heinz-Jürgen Büchner ist als Managing Director Industrials & Automotive zuständig für die Metallbranche und verantwortlich für die Rohstoffanalysen der Bank. Der promovierte Volkswirt hat nach seinem Studium Lehr- und Assistententätigkeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ausgeübt und war vor der IKB bei einer anderen Bank tätig. Er schreibt zu aktuellen Metall- und Rohstoffthemen und hält Vorträge auf internationalen Branchenveranstaltungen.

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