Rohstoffpreise: Furcht vor Handelskrieg drückt Kurse

[Rohstoffpreis-Information – Ausgabe 07/18] Im Juni 2018 gaben die Weltrohstoffpreise um knapp 1,2 % gegenüber dem Vormonat nach. Infolge der weiteren Abwertung des Euro zum US-Dollar fiel der Rückgang in Inlandswährung gerechnet mit 0,4 % geringer aus. Ursache war, dass im Verlauf des Juni 2018 die Sorgen über eine weitere Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und wichtigen Partnern (Kanada, China, EU, Japan) zunahmen. Die Preise vieler börsennotierter Industrierohstoffe gerieten dadurch unter Druck. Zunehmend wird von Marktteilnehmern als Folge des Konflikts eine konjunkturelle Abschwächung der Weltwirtschaft befürchtet. Dies galt besonders pointiert nachdem Präsident Trump Einfuhrzölle von 20 % auf europäische Pkw prüfen lässt, und zwar unter dem Aspekt der nationalen Sicherheit der USA. Etwas anders stellte sich die Situation auf dem Rohölmarkt dar. Der kräftige Nachfrageanstieg auf knapp 99 mbd (Million Barrel per Day) und die derzeit eher knappe Versorgung hielten den Rohölpreis hoch. Vor allem die US-Sanktionen gegen den Iran bewirkten einen Aufwärtstrend. Sollte es zu kräftigen Absatzrückgängen des Iran kommen, würde dies den Preis weiter nach oben treiben. Allerdings haben sich große Teile der OPEC unter der Füh-rung von Saudi-Arabien zusammen mit Russland und anderen Fördernationen auf eine eventuell notwendige Ausweitung der Fördermenge um bis zu 1 mbd verständigt, was den Preis kurzfristig stabilisierte. Die hohe Ölnachfrage lässt uns jedoch für die nächsten drei Monate eine Bewegung um 76 US-$ je Barrel Brent erwarten. Da die Erdgasversorgung in Europa weiter auf sehr zufriedenstellendem Niveau ist, könnte sich in den Sommermonaten eine leichte Entspannung bei dem Grenzübergangspreis ergeben, obwohl dieser immer noch teilweise am Rohölpreis orientiert ist.

Weltrohstoffpreis und Wechselkurs

Wir erwarten für den Wechselkurs des US-Dollar zum Euro im Verlauf des dritten Quartals 2018 eine Bewegung um 1,15 US-$/€. Somit dürften die Rohstoffpreise in Inlandswährung im Vergleich zum Weltmarkt etwas höher ausfallen. Gegen Jahresende könnte der Euro wieder fester notieren, was dann auch die Inlandspreise der Rohstoffe etwas entlastet.

Stahlpreise

WeltrohstahlerzeugungSchrottpreise

Bis Ende Mai 2018 verbuchte die globale Stahlindustrie einen Zuwachs von 4,3 %. China, Indien und der Iran expandierten stärker. Für Deutschland gehen wir weiter von einer Rohstahlproduktion von 44 Mio. t aus. Jahreszeitunüblich stagnierten die Schrottpreise im Juni. Die Eisenerzpreise sanken im Monatsdurchschnitt um gut 2 US-$/t, während Kokskohle fester notierte. Die europäischen Stahlpreise gaben im Verlauf des Juni 2018 etwas nach. Die Preisrückgänge bewegten sich zwischen 0,5 % (verzinkte Bleche) und gut 1 % (Warmbreitband).

StahlpreiseTendenz: Schrottpreise geben geringfügig nach, die Stahlpreise haben in den Sommermonaten noch leichtes Abwärtspotenzial (bis 1,5 %).

Preise für Öl und Gas

ÖlpreisLagerbestände Rohöl USA

Ende Juni 2018 lagen die Rohöl-Lagerbestände in den USA bei knapp 417 Mio. Barrel. Somit unterschreiten sie den Vorjahresstand um 18 %. Die Bestände der übrigen Destillate fallen um 23 % niedriger aus. Die Benzin- und Propanvorräte sind auf Vorjahresniveau. Der Abbau der amerikanischen Lagerbestände geht kräftig weiter. Die erneuten Iran-Sanktionen lassen den Markt eng werden. Bei Erdgas ist die Versorgung in Europa weiter gut. Dies könnte den deutschen Grenzübergangspreis für Erdgas absinken lassen.

Tendenz: Wir sehen den Rohölpreis infolge der Iran-Sanktionen in den nächsten drei Monaten in einer Bewegung um 76 US-$ je Barrel Brent, die amerikanische Sorte WTI liegt rund 5 US-$ darunter. Der Grenzübergangspreis für Erdgas dürfte in Sommermonaten sinken.

Aluminiumpreise

Bis Ende Mai 2018 lag die globale Primäraluminiumproduktion um 0,6 % unter dem Vorjahresniveau. China hat seine Produktion leicht zurückgenommen, das übrige Asien aber kräftig ausgeweitet. Für 2018 insgesamt erwarten wir ein Volumen von 64 Mio. t. Die Lagerbestände an den Börsen wurden weiter abgebaut. Die investive Nachfrage sank etwas (Anzahl der Handelskontrakte: -7 %). Noch belastender als die eingeführten Strafzölle drückt die Furcht vor einer Ausweitung des Handelskriegs auf die Preise. Positiv wirkt vorerst die Aufschiebung der Sanktionen gegen Rusal bis Oktober 2018.

Tendenz: Im Juli oszillieren die Preise um 2.200 US-$/t in einem Band von +250 US-$, die Alloy bewegt sich um rund 400 US-$/t niedriger.

Aluminiumpreise

Bis Ende Mai 2018 lag die globale Primäraluminiumproduktion um 0,6 % unter dem Vorjahresniveau. China hat seine Produktion leicht zurückgenommen, das übrige Asien aber kräftig ausgeweitet. Für 2018 insgesamt erwarten wir ein Volumen von 64 Mio. t. Die Lagerbestände an den Börsen wurden weiter abgebaut. Die investive Nachfrage sank etwas (Anzahl der Handelskontrakte: -7 %). Noch belastender als die eingeführten Strafzölle drückt die Furcht vor einer Ausweitung des Handelskriegs auf die Preise. Positiv wirkt vorerst die Aufschiebung der Sanktionen gegen Rusal bis Oktober 2018.

Tendenz: Im Juli oszillieren die Preise um 2.200 US-$/t in einem Band von +250 US-$, die Alloy bewegt sich um rund 400 US-$/t niedriger.

Kupferpreise

Die Weltkupferminenproduktion stieg im ersten Quartal 2018 um 7 %, die Raffinadeproduktion legte um 3 % zu. Da der Verbrauch nur um 2 % anzog, ergab sich ein Angebotsüberschuss. Dies wird auch im Gesamtjahr 2018 erwartet, bevor der Markt 2019 wieder ins Defizit dreht. Die Lagerbestände an den Metallbörsen reduzierten sich bis Ende Juni 2018 und dürften in den Sommermonaten weiter absinken. Die investive Nachfrage brach im Juni um über ein Viertel ein. Zu Monatsbeginn führten Sorgen über mögliche Streiks in chilenischen Minen zu höheren Preisen, ab der Monatsmitte kam der Kupferpreis unter Druck.

Tendenz: Die derzeit gute Versorgung ohne Produktionsstörungen und die Furcht vor einer konjunkturellen Abschwächung infolge eines Handelskriegs halten den Kupferpreis um die Marke von 6.700 US-$/t in einem Band von 600 US-$.

Mögliche Auswirkungen der Iran-Sanktionen

Iranische Erdölfördermenge 2010 bis 2017Iranische Erdölexporte 2017

Der Iran förderte im bisherigen Jahresverlauf 2018 regelmäßig über 3,8 mbd (Million Barrel per Day) Rohöl. Die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA ließ den Rohölpreis kräftig anziehen. Die aktuelle knappe Versorgung des Marktes gab einen zusätzlichen Preisschub. Nachdem es 2011 schon einmal zu einer kräftigen Verschärfung der Iran-Sanktionen gekommen war, brach die Förderung um ein Fünftel ein. Die Fördermenge stieg an, nachdem es 2016 zu einer Lockerung der Sanktionen kam. Aktuell gehen 70 % der iranischen Ölförderung in den Export. Dies entspricht einem Volumen von rund 2,7 mbd. Eine Reduktion der Ausfuhrmenge um 0,5 mbd – oder wie von den USA gewünscht sogar um deutlich mehr – würde den Weltölmarkt ins Ungleichgewicht bringen.

Hauptabnehmer der iranischen Ölausfuhren im Jahr 2017 war China, welches ein Viertel der Exporte abnahm. Daneben entfallen auf Indien, Südkorea und die Türkei größere Anteile. Indien hat in der ersten Jahreshälfte 2018 angekündigt, seinen Rohölbezug aus dem Iran deutlich aufstocken zu wollen. Wir gehen davon aus, dass China sich durch die Sanktionsdrohungen der USA nicht sehr beeindrucken lassen wird. China dürfte eher die Chance nutzen, auch seine Position als Lieferant von Konsum- und Industriegütern im Iran auszubauen. Eher erwarten wir, dass Südkorea seinen Bezug reduziert. Südkorea hat auch auf Strafzölle auf Stahleinfuhren schnell mit Zugeständnissen reagiert.

Iranische Erdölexporte in die EUDie EU-Länder importierten zuletzt rd. 550 Tsd. Barrel pro Tag aus dem Iran. Hiervon entfielen auf Italien und Frankreich jeweils gut ein Viertel aller Importe, während Spanien gut ein Sechstel abnahm. Griechenland war das erste EU-Land, welches nach Lockerung der Sanktionen seinen Bezug aus dem Iran erhöhte. Bezogen auf die Gesamtimporte Griechenlands von Rohöl sind dies allerdings gut 13 % der Einfuhren. Demgegenüber liegt in der gesamten EU der Anteil der iranischen Einfuhren nur bei 4,7 %. Durch einen Verzicht auf Einfuhren aus dem Iran wären also primär vier Nationen getroffen: Hiervon sind Griechenland, Frankreich und Italien am stärksten negativ tangiert. Für Deutschland spielen Einfuhren aus dem Iran keine Rolle.

PDF Download
Druckversion
Dr. Heinz-Jürgen Büchner

Dr. Heinz-Jürgen Büchner ist als Managing Director Industrials & Automotive zuständig für die Metallbranche und verantwortlich für die Rohstoffanalysen der Bank. Der promovierte Volkswirt hat nach seinem Studium Lehr- und Assistententätigkeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ausgeübt und war vor der IKB bei einer anderen Bank tätig. Er schreibt zu aktuellen Metall- und Rohstoffthemen und hält Vorträge auf internationalen Branchenveranstaltungen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar