[Rohstoffpreis-Information – Ausgabe 03/20209]

Aktuelle Tendenzen: Coronavirus drückt die Preise

Die Weltrohstoffpreise sanken im Februar auf Dollarbasis gerechnet um 12 %. In Inlandswährung gerechnet war der Preisrückgang mit 10,7 % etwas geringer. Für den Wechselkurs des US-Dollar zum Euro sehen wir weiter eine Bewegung um die Marke von 1,12 US-$/€. Gegen Jahresende erwarten wir festere Notierungen.

Die folgenden Seiten beschreiben die Entwicklungen für einzelne Rohstoffe. Wir weisen explizit darauf hin, dass es bei metallischen Rohstoffen, abweichenden Legierungen sowie sonstigen Kunststoffsorten zu anderen Preisbewegungen kommen kann. Zudem beobachten wir bei einigen Rohstoffarten größere regionale Preisabweichungen.

Stahlpreise

Nachdem die Weltrohstahlproduktion 2019 um 3,2 % zugelegt hatte, expandierte diese im Januar 2020 um 2,1 %. Grund war primär ein Anstieg in China von 7,2 %. Für das Gesamtjahr sehen wir weltweit jedoch maximal einen Zuwachs von 0,5 %. China wird infolge der aktuellen Produktionsunterbrechungen voraussichtlich unter dem Vorjahreswert landen. Entscheidend sind die weiteren Auswirkungen der Konjunktureintrübungen durch das Coronavirus. In China sind nur rund 65 % der Stahlproduktionskapazitäten komplett verfügbar. Die Lieferketten sind sowohl auf der Vormaterial- wie auch der Outputseite infolge von Logistikproblemen gestört. Das Produktionsniveau in Europa sank, während es in Nordamerika leicht zurück ging. In der Türkei wurde eine kräftige Ausweitung von über einem Sechstel beobachtet. In Deutschland erwarten wir im Gesamtjahr eine Tonnage von rund 41 Mio. t.

 

Im Durchschnitt des Februar 2020 gaben die Schrottpreise um 20 €/t nach. Da die türkischen Abnehmer zuletzt jedoch einen höheren Bedarf signalisierten, dürften die europäischen Exportpreise wieder anziehen und letztendlich auch zu höheren Inlandspreisen führen. Insgesamt zog der Schrottbedarf an, allerdings ist das Aufkommen bei Neuschrotten aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau knapp, Altschrotte fielen jahreszeitüblich im Februar ebenfalls in geringerem Umfang an. Die Eisenerz-Spotpreise verbilligten sich im Februar um rund 7 US-$/t. Grund war u. a. die Befürchtung einer deutlich niedrigeren Nachfrage aus China. Bis Ende April sollte ein Anstieg der Schrottpreise möglich sein, das Januarniveau dürfte im März erreicht werden.

 

 

Der Rückgang der Spotmarktpreise für Eisenerz frei China von 7 US-$ je t dürfte solange Bestand haben, wie die Unsicherheit über Coronavirus-bedingte Produktionsausfälle anhält. Die europäischen Rohstahlpreise entwickelten sich sehr unterschiedlich: Die Preise für Warmbreitband zogen im Durchschnitt um 30 €/t an. Auch die Verzinkten Bleche erhöhten sich trotz des deutlich gesunkenen Zinkpreises im gleichen Umfang. Diejenigen für Walzdraht verteuerten sich dagegen nur um 6 €/t. Allerdings hatte es auch hier 2019 keine großen Einbrüche gegeben. Bei den europäischen Stahlpreisen erwarten wir ein weiteres leichtes Anziehen im zweiten Quartal 2020 (rund 5 %). Da China aktuell seine Ausfuhren nach Asien und in die Golfregion verringert, kommt hier die Türkei stärker zum Zuge. Dies vermindert etwas den türkischen Exportdruck auf den kontinentaleuropäischen Markt.

 

Legierungsmetallpreise: Nickel, Chrom, Molybdän

Der Anstieg der Rostfrei-Produktion im Jahr 2019 dürfte einen Nickelverbrauchszuwachs auf 2,45 Mio. t bewirkt haben. Es dürfte zu einem Angebotsdefizit von 50.000 t gekommen sein. Die Nickel-Lagerbestände an der LME haben sich auf 218.000 t Ende Februar 2020 leicht erhöht. Zudem befinden sich noch 35.000 t an der SHFE. Der Exportbann für indonesische Nickelerze dürfte sich negativ auf die chinesische Nickelproduktion und letztlich auch auf die chinesische Rostfrei-Produktion auswirken. Ende Februar 2020 arbeiteten die NPI-Verarbeiter (NPI: Nickel Pig Iron, Erze mit geringen Reinmetallgehalt) in China je nach Provinz mit einer Auslastung zwischen 57 % und 87 %. Wir sehen den Nickelpreis bis Ende Juni 2020 in einem Band von 2.500 US-$ um 13.000 US-$/t.

 

 

Trotz der Ausweitung der globalen Rostfrei-Produktion im Jahr 2019 waren die Ferrochrompreise im vergangenen Jahr unter Druck. Grund war u. a. das Überangebot von 2 Mio. t im Jahr 2018. Auch 2020 könnte es einen kleinen Angebotsüberschuss geben. Für das erste Quartal 2020 wurde der europäische FeCr-Benchmarkpreis nochmals um 1 ct/lb niedriger vereinbart: Er sank auf 1,01 US-$/lb. Wir prognostizieren für den Ferrochrompreis bis Mitte 2020 eine Bewegung um 10,50 US-$/kg Reinchromgehalt. Allerdings sehen wir einen höheren Benchmark-Preis für das zweite Quartal 2020, was auch entsprechend auf die damit verbundenen Preise durchschlagen dürfte. Eine sehr starke Erholung des Preisniveaus sehen wir allerdings nicht.

 

 

Das Jahr 2019 hat nach ersten Erhebungen einen weiteren Anstieg der weltweiten Molybdänproduktion gebracht, für 2020 wird ein weiterer Zuwachs infolge neuer Projekte gesehen. Dies begrenzt mögliche Preisanstiege. Allerdings sind infolge des Coronavirus schon erste Bremsspuren in China in der Produktion zu beobachten. Im vergangenen Jahr legte die globale Molybdännachfrage zu. Insgesamt schloss der Markt 2019 mit einem kleinen Angebotsdefizit ab. Die aktuellen Rohölpreise begrenzen die Nachfrage aus der Öl- und Gasexploration. Entscheidend ist, wie schnell die chinesische Stahlproduktion wieder auf ein Normalmaß zurückkehrt. Die leichte Preisanhebung im Februar dürfte sich nur noch gering fortsetzen. Vorerst sehen wir bis Ende Juni 2020 den Ferromolybdänpreis bei rund 25 US-$/kg mit einer Bandbreite von 5,00 US-$ je kg. 

 

Preise rostfreier Stahl

In den ersten drei Quartalen 2019 expandierte die globale Produktion von rostfreiem Edelstahl um 2,3 % auf 39,8 Mio. t. Während der Ausstoß in Europa und den USA nicht zulegte, erhöhte China seine Erzeugung um 11 %: Das Land produzierte 22.5 Mio. t. Weltweit dürfte 2019 ein Zuwachs der Produktion auf rd. 52 Mio. t erfolgt sein. China wird seine dominierende Position auch 2020 halten. Allerdings fallen für China die Lieferungen von indonesischem Nickel Pig Iron aufgrund des Exportverbots aus. Zudem wird geschätzt, dass aktuell die chinesischen Rostfrei-Produzenten mindestens 15 % unter dem bisherigen Niveau produzieren, da auch gerade bei den kleineren Werken erhebliche Versorgungsprobleme vorliegen. In einigen Provinzen wird die Kapazitätsauslastung mit höchstens 75 % angegeben. Insgesamt erwarten wir eine globale Erzeugung bestenfalls auf Vorjahresniveau. Dies entspricht einer Tonnage von etwa 52 Mio. t.

 

Rostfreie Edelstähle des Typs 1.4301 bestehen zu rund 10 % aus Nickel und 18 % aus Chrom. Daher bestimmt deren Preisentwicklung die Preise für diese Güten. Die niedrigeren Nickelnotierungen wurden um den nochmals leicht geringeren Ferrochrom-Benchmarkpreis ergänzt und hatten entsprechend niedrigere Legierungsmetallzuschläge zur Folge. Die Basispreise zogen im Verlauf des Februar 2020 um 0,5 % an. Allerdings dürften diese in den nächsten drei Monaten leicht anziehen. Bei einer weiter stabilen Edelstahlnachfrage sehen wir deshalb für die Basispreise von Flachstahl bis Mitte 2020 eine Preisbewegung um 850 € je t. Hinzuzurechnen sind jedoch die Legierungszuschläge, welche im März 2020 im Vergleich zum Februar um bis zu 80 €/t je Sorte niedriger ausfallen. Auf dem nordamerikanischen Markt fielen die prozentualen Rückgänge der Legierungsmetallzuschläge noch etwas stärker aus.

 

Edelstähle des Typs 1.4401 enthalten rund 12 % Nickel, 17 % Chrom sowie etwa 2 % Molybdän. Auch hier folgen die Preise der Entwicklung dieser Legierungsmetalle, ebenfalls ermäßigten sich die Legierungsmetallzuschläge: Neben zuletzt niedrigeren Nickelnotierungen fielen auch die Ferrochrompreise geringer aus, während die Ferromolybdännotierungen um über 10 % anzogen. Für Lieferungen im März 2020 liegen diese durchschnittlich um rund 40 €/t unter dem Niveau des Februarwertes. Die Nachfrage der Güten 1.4401 im Jahr 2020 dürfte von der schwächeren Entwicklung im Maschinen- und Anlagenbau negativ tangiert werden. Für die Basispreise sehen wir bis Mitte 2020 bei Warmbreitband ein Preisniveau um 1.250 € je t zuzüglich der Legierungszuschläge. Die Legierungszuschläge auf dem nordamerikanischen Markt bleiben weitgehend stabil.

 

Aluminiumpreise

Nachdem die weltweite Primäraluminiumproduktion 2019 um rd. 1,5 % gegenüber dem Vorjahr niedriger ausfiel, prognostizieren wir für 2020 eine leicht höhere Erzeugung von rund 65 Mio. t sowie weitere 13 Mio. t Recyclingaluminium. Im Januar 2020 stieg die Produktion um 1,1 %. China hat im Januar 2020 eine Produktion infolge von Abschaltungen um das chinesische Neujahrsfest auf Vorjahresniveau ausgewiesen. Im übrigen Asien erfolgte ein Rückgang, während in der Golfregion ein Zuwachs von gut 10 % erfolgte. In Europa insgesamt war eine geringere Produktion zu beobachten. In Nordamerika hat sich die Erzeugung nach Jahren hoher Einbrüche stabilisiert, während sie in Lateinamerika erstmals seit Jahren wieder stärker ausfiel. Die Aussichten in allen relevanten Abnehmerbereichen sind weiter positiv: Der Trend zum Leichtbau in der Automobilindustrie und der Luftfahrtindustrie sowie die Baubranche in Kontinentaleuropa sichern weiterhin einen Absatzanstieg.

 

Die Lagerbestände von Primäraluminium an der LME reduzierten sich zuletzt wieder leicht: Diese betragen nun 1,08 Mio. t. An der SHFE liegen die Bestände nach dem chinesischen Neujahr bei gut 439.000 t und damit deutlich unter Vorjahresniveau. In den Lagern der Comex dagegen befinden sich knapp 20.000 t. Damit ist eine gute Versorgung gegeben. Die LME-Bestände an Recyclinglegierungen machen lediglich 8.100 t aus. Die Vorräte entsprechen dem Gesamtverbrauch (Primär- und Recyclingaluminium) von gut 7 Tagen. Der Aufbau weiterer Kapazitäten für Recyclingaluminium sichert die langfristige Versorgung. Im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2020 dürfte sich der Lagerabbau bei Primäraluminium vorerst nicht weiter fortsetzen. Primär erwarten wir einen Bestandsaufbau in den asiatischen Lagerhäusern.

 

 

Nach der hohen Volatilität der Primäraluminiumpreise im Jahresverlauf 2019 sehen wir auch für 2020 keine Entspannung. Für 2020 zeichnet sich trotz einer stabilen physischen Nachfrage kein Angebotsdefizit ab. Während in China die Primäraluminiumerzeuger weitgehend auf hohem Niveau produzieren, ist die Recyclingaluminiumproduktion infolge von Engpässen bei der Schrottversorgung deutlich gestört. Die investive Nachfrage reduzierte sich etwas: Die Zahl der Handelskontrakte sank im Verlauf des Februar um knapp 7 %. Bis Mitte 2020 erwarten wir weiter eine Preisbewegung für Primäraluminium um die Marke von 1.850 US-$ je t in einem Band von +300 US-$ je t. Die Notierung von Recyclingaluminium an der LME dürfte sich dagegen um rund 400 US-$ je t unter diesen Werten bewegen. In der zweiten Jahreshälfte 2020 sehen wir höhere Notierungen.

 

Zink- und Bleipreise

Die Zink-Lagerbestände an der LME betrugen Ende Februar 2020 noch gut 75.000 t. Damit entsprachen diese in etwa dem Vorjahresstand. Der Lagerbestand an der SHFE erhöhte sich auf 160.000 t, derjenige an der Comex liegt bei 200 t – somit sind letztere vernachlässigbar. Die Bestände entsprechen dem Verbrauch von unter 6 Tagen. Insgesamt ist die Versorgung noch knapp. Im Jahr 2019 ergab sich ein Angebotsdefizit von rund 190.000 t. Die Bleivorräte an der LME liegen bei knapp 68.000 t, die Bestände an der SHFE machen noch 38.000 t aus. Die Vorräte an der Comex sind mit 750 t weiterhin unbedeutend. Das absolute Niveau der Bleivorräte entspricht dem Verbrauch von gut 3 Tagen. Damit ist die Versorgungssituation bei Blei sehr eng. Der Markt schloss 2019 balanciert ab.

 

 

Im Gesamtjahr 2019 stieg die Zinkminenproduktion um knapp 1 %. Die Hochlaufphase einiger neuer Minenkapazitäten hatte sich länger als erwartet hingezogen. Für 2020 ist jedoch ein deutlich höherer Zuwachs realistisch. Die Raffinadeproduktion zog um 2,8 % an. Der Verbrauch lag knapp über Vorjahresniveau. Derzeit wird in China zwar die Raffinadeproduktion von Zink wieder hochgefahren, es sind jedoch deutliche Produktionsausfälle erfolgt. Zudem wird teilweise die Auslieferung an die Weiterverarbeiter durch Engpässe bei den Transportkapazitäten behindert. Wir prognostizieren für den Zinkpreis bis Mitte 2020 weiter eine Bewegung um eine Marke von 2.100 US-$/t mit einer Schwankungsbreite von 500 US-$.

 

 

 

Die Bleiminenproduktion erhöhte sich im Gesamtjahr 2019 um knapp 1 %. Heute stammen jedoch 60 % der gesamten Bleiproduktion aus Recyclingmaterial. Die Raffinadeproduktion sank 2019 um 0,4 %: Es wurden 11,75 Mio. t erreicht, 2020 werden es gut 11,8 Mio. t sein. Der Verbrauch verminderte sich 2019 ebenfalls um 1,1 % auf 11,74 Mio. t, wobei u. a. die USA, Japan, Europa und China leichte Rückgänge hinnehmen mussten. Für 2020 erwarten wir einen stabilen Verbrauch von 11,8 Mio. t. In China ist die Primärbleiproduktion wieder auf dem Normalniveau, während diejenige von Recyclingblei insbesondere aufgrund von Vormaterialengpässen noch erheblich gestört ist. Diese dürfte noch wenigstens rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau liegen. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Markt 2020 mit einem Überschuss abschließen wird. Daher sehen wir für den Bleipreis bis Mitte 2020 eine Bewegung um 1.950 US-$/t mit einer Bandbreite von 300 US-$ je Tonne.

 

Kupferpreise

Die globale Kupferminenproduktion sank bis Ende November 2019 um 0,6 %. Die Kapazitätsauslastung der Kupferminen reduzierte sich um knapp 1 %. Unverändert ist die geringere Erzeugung auf Chile, Indonesien sowie den Kongo zurückzuführen. Die Raffinadeproduktion fiel ebenfalls geringer aus (-0,5 %) bei einer nur um 3 % niedrigeren Kapazitätsauslastung. Der weltweite Verbrauch erhöhte sich um 0,5 %. Das Gesamtjahr dürfte ein Angebotsdefizit von rund 350.000 t aufweisen, bevor 2020 ein balancierter Markt erreicht werden wird. In China hat sich im Februar 2020 die Kapazitätsauslastung der Raffinadeproduktion auf 75 bis 80 % gegenüber 90 % im Januar 2020 reduziert. Dies trifft zunehmend die Abnehmer aus der Automobilindustrie und der Elektronik.

 

 

Die Kupfervorräte an der LME erhöhten sich geringfügig: Insgesamt betrugen diese Ende Februar 2020 rund 218.000 t. Die Lagerbestände an der SHFE stiegen im Umfeld des chinesischen Neujahrsfest auf nun 310.000 t an. Die Bestände der Comex reduzierten sich bis Ende Februar 2020 auf unter 29.000 t. Ein Großteil der Volumina dient der Absicherung von Finanztransaktionen. Die weltweiten Vorräte reichen für den Bedarf von 8 Tagen. Falls es wie angekündigt zur kompletten Produktionsaufnahme zweier Minen in Indonesien kommt, bei welchen derzeit neue Volumina erschlossen werden, sollte sich die Versorgungslage dank der Kapazitätserweiterungen deutlich verbessern. Für europäische Verarbeiter von Kupferschrott ist der Import aus UK nach dem Brexit weiter unklar.

 

 

Der Kupferpreis bewegte sich im Verlauf des Februar 2020 zwischen 5.600 und 5.800 US-$/t. Die physische Nachfrage wird jedoch im Jahresverlauf weiter anziehen. Die angestrebte Energiewende in Europa treibt zusätzlich die Nachfrage an. Der Trend zur E-Mobility und ein vermehrter Elektronikeinsatz im Pkw – etwa für autonomes Fahren und Fahrerassistenzsysteme – induzieren ebenfalls eine höhere Nachfrage. Allerdings erhielt der Markt leichte Impulse von der investiven Nachfrage: Die Zahl der Handelskontrakte nahm im Februar 2020 um gut 8 % zu. Nachdem der Kupfermarkt 2019 ein hohes Angebotsdefizit aufwies, sehen wir 2020 Chancen für einen ausgeglichen Markt. Bis Mitte 2020 erwarten wir ein Preisniveau von 5.900 US-$/t mit einer Bewegung in einem Band von 600 US-$ je t um diese Marke.

 

Edelmetallpreise: Gold, Silber, Platin/Palladium

Trotz eines massiven Anstiegs der investiven Nachfrage nach ETF’s (Exchange Traded Funds) um 426 %, sank die globale Goldnachfrage im Jahr 2019 um 1,0 %. So war sowohl die Nachfrage von der Konsumenten- als auch von der industriellen Seite her rückläufig: Münzen und Barren -20,0 %, Schmuck -6,0 %, Elektronik und andere industrielle Branchen -2,0 %, Dentalbedarf -9,0 %. Gleichzeitig drosselten auch die Zentralbanken ihre Goldkäufe. Angebotsseitig wurde ein Rückgang der Minenproduktion um 1,0 % verzeichnet, der von einer Ausweitung des Goldrecyclings um 11,0 % auf Jahressicht im Zuge der im Juni einsetzenden Preisrallye deutlich überkompensiert wurde, sodass das Goldangebot insgesamt um 2,0 % anzog. Der Markt wurde vor allem von geopolitischen Risiken bestimmt. Gold wurde damit wieder seinem Ruf als sicherer Hafen gerecht. Auch wenn sich einzelne Krisenherde zuletzt aufgelöst haben, bringt vor allem das Coronavirus erhebliche Unsicherheiten mit sich. Wir sehen den Goldpreis bis Mitte 2020 bei der Marke von 1.600 US-$/oz. in einer Bandbreite von 200 US-$.

 

Sowohl nachfrage- als auch angebotsseitig wird für Silber für das Jahr 2020 mit einer leichten Ausweitung gerechnet. Die Nachfrage wird vor allem durch die Industrie getrieben. Hier sind insbesondere die Elektroindustrie sowie die Automobilbranche zu nennen. Allerdings steigt auch die Nachfrage nach Schmuck, hauptsächlich in Indien. Die investive Nachfrage nahm im vergangenen Jahr zu. Sie war und wird auch mittelfristig 2020 weiterhin von geopolitischen Spannungen und damit verbundenen Unsicherheiten beeinflusst. Das Angebot wird von der Minenproduktion und dem Silberrecycling bestimmt, die 2020 ersten Schätzungen zufolge anziehen, sodass der Markt insgesamt ausgeglichen ist. Wir sehen den Silberpreis bis Mitte 2020 bei rund 16,00 US-$/oz. innerhalb eines Bandes von 2,50 US-$. 

 

 

 Der Platinmarkt endete 2019 in einem Defizit. Die stark angestiegene investive Nachfrage trieb die Gesamtnachfrage an und überkompensierte Nachfragerückgange aus der Industrie, insbesondere der Automobilbranche und der Schmuckindustrie. Wir sehen den Platinpreis daher bis Mitte 2020 bei 850 US-$/oz. in einem Band von +200 US-$. Auch bei Palladium kam es 2019 erneut zu einem kräftigen Angebotsdefizit und in der Folge zu einem massiven Preisanstieg. Auch für 2020 wird eine nochmals anziehende physische Nachfrage – getrieben von der Automobilindustrie – gesehen. Nettoinvestitionen in ETF’s zogen gegen Ende 2019 wieder an. Daher erwarten wir bei Palladium bis Mitte 2020 eine Bewegung um 2.700 US-$/oz. in einem Band von +500 US-$.

 

Preistrends Öl/Gas

2019 erfolgte ein Anstieg der Weltrohölnachfrage um knapp 1 mbd (Million Barrel per Day) auf 99,7 mbd. Im Jahr 2020 wird mit einem Anstieg in der gleichen Größenordnung gerechnet und erstmals die Schwelle von 100 mbd überschritten werden. Neben der Förderausweitung außerhalb der OPEC um 2,2 mbd ergibt sich 2020 ein Bedarf für eine OPEC-Produktion von 33,1 mbd (davon 4,8 mbd s.g. NGL-Sorten). Es wird erwartet, dass die OPEC im März 2020 eine geringere Förderquote beschließt, um die Preise zu stabilisieren. Im Januar 2020 lag die Produktion noch bei 28,85 mbd. Vorerst sehen wir den Rohölpreis bis Mitte 2020 um 55 US-$ je Barrel Brent schwanken (+12 US-$). Die amerikanische Referenzsorte WTI liegt um rund 6 US-Dollar je Barrel darunter.

 

 

Die Rohölvorräte in den USA lagen Ende Februar 2020 um rund 2 % unter dem Vorjahreswert und betrugen insgesamt 444 Mio. Barrel. Die übrigen Destillate liegen mit 134,5 Mio. Barrel und Benzin mit 252 Mio. Barrel jeweils um das Vorjahresniveau. Mitten in der Heizsaison übersteigen die Propanbestände im Vergleich zu 2019 den Wert um 20 %. Somit hat sich der Lagerabbau in den USA nicht weiter fortgesetzt. Zudem erhöhte sich die US-amerikanische Tagesproduktion von Rohöl auf einen neuen Rekord von 13,1 mbd, ein Zuwachs von 11 %. Die Anzahl der aktiven Bohrlöcher hat sich in den USA leicht erhöht und beträgt nun 670. Insgesamt reichen die amerikanischen Bestände für den Verbrauch von 21 Tagen, was eine gute Versorgung darstellt. Zudem wächst auch die amerikanische Wirtschaft geringer.

 

Die US-Gasvorräte bewegen sich derzeit um den langjährigen Durchschnittswert. Die Inlandsproduktion liegt um rund 5 % über dem vergleichbaren Vorjahreswert. Ende Februar 2020 bewegten sich die Notierungen im amerikanischen Spotmarkt um den Wert von 2 US-$ je mm btu. Damit ist ein sehr niedriges Preisniveau gegeben. Das deutsche Inlandspreisniveau wird damit weiter unterschritten. In Deutschland reduzierte sich bis Ende November 2019 die Inlandsgewinnung von Erdgas um gut ein Sechstel. Die Importe stiegen dagegen um rund 23 % an. Im November 2019 zogen die Grenzübergangspreise zwar wieder an, unterschritten jedoch das Vorjahresniveau deutlich. Bei schwächeren Rohölpreisen dürfte der Grenzübergangspreis bis Ende Juni 2020 um bis zu 10 % zurückgehen. Bei einer geopolitischen Eskalation könnte ein höherer Preisanstieg erfolgen.

 

Preise von Polymer-Vorprodukten und Kunststoffen

Im Zuge der zuletzt schwächeren Rohölpreise gerieten im Februar 2020 auch die Notierungen für Naphtha unter Druck. Derzeit bewegen sich die Weltmarktpreise um 420 US-$/t, was gegenüber dem Jahresbeginn ein Rückgang von 100 US-$ bedeutet. Die asiatische Nachfrage hat kräftig nachgelassen. Sollten sich infolge der erwarteten Produktionskürzungen der OPEC höhere Rohölnotierungen ergeben, dürfte sich der Naphthapreis in Europa im zweiten Quartal 2020 der 420 €/t-Marke nähern. Der Kontraktpreis für das Folgeprodukt Ethylen (C2) sollte dann auch anziehen. Für März 2020 werden jedoch im Vergleich zum Vormonat 50 €/t weniger verlangt. Dies gilt auch für Propylen. Für die Kontraktpreise (C3) wurden Preissenkungen von 20 €/t verhandelt. Das Angebot in Asien ist infolge von Abriegelungen von Standorten knapper geworden.

 

 

Bei Benzol gibt die Nachfrage vor allem in Asien kräftig nach, Abschwächungen in Europa dürften folgen. Die US-amerikanischen Kontraktpreise fielen im März 2020 gegenüber dem Vormonat jedoch leicht höher aus. Dieser hat jedoch Abwärtspotenzial im zweiten Quartal 2020. Die Styrolpreise auf dem Spotmarkt kamen zuletzt unter Druck. China hat Ende 2019 angekündigt, seine Styrolproduktionskapazität um rund 2 Mio. t bis Ende 2020 auszuweiten. Damit sinkt der Importbedarf (2019: 3,2 Mio. t) deutlich ab. Insgesamt haben die Spotmarktpreise für Styrol im Verlauf des zweiten Quartals nochmals Potenzial nach unten. Die durch das Coronavirus bedingte Konjunkturabschwächung könnte allerdings die Fertigstellung der Fabriken in China etwas verzögern.

 

Bei HDPE sehen wir deutliche Preisermäßigungen auf dem asiatischen Markt. Eine Force majeure bei Ineos in Frankreich könnte die europäischen Preise aber etwas stabiler halten. Bis Ende des zweiten Quartals 2020 erwarten wir eine Bewegung um das Niveau von 900 €/t. Bei Polypropylen ist der Markt gut versorgt, der niedrigere Propylen-Kontraktpreis (C3) dürfte durchgereicht werden. Daher gehen wir von Preisen um 1.000 US-$/t aus. Bei Polystyrol zeichnen sich auf einigen Teilmärkten Rückgänge ab. Es sind Preisreduktionen von bis zu 50 US-$/t möglich. Bei PVC blieben die Preise – u. a. wegen Force majeure – bisher relativ stabil. Die Preise dürften um 900 €/t verharren. Der Markt für PET ist zwar gut versorgt. Die Preise haben aber nur geringes Potenzial nach unten.

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