Rohstoffpreis: Möglicher Handelskrieg sorgt für Eintrübungen

Von |2018-07-18T11:30:05+00:005. April 2018|Kategorien: Branchen & Rohstoffe|Tags: |

[Rohstoffpreis-Information – Ausgabe 04/18] Die Weltrohstoffpreise gingen im März 2018 weitgehend seitwärts (+0,4 % gegenüber Vormonat). In Inlandswährung gerechnet, betrug der Anstieg aufgrund des geringfügig stärkeren US-Dollar 0,5 %. Insbesondere börsennotierte Metalle gerieten aufgrund von Sorgen über einen durch die USA ausgelösten Handelskrieg in der zweiten Monatshälfte unter Druck. Höhere Lagerbestände an den Börsen und Rückgänge bei etlichen industriellen Einkaufsindikatoren taten ein Übriges. Zwar wurden mittlerweile die EU sowie die wichtigsten Partnerländer der USA in einem ersten Schritt von den Zöllen ausgenommen, die permanenten Drohungen gegen China – aber auch die deutsche Autoindustrie – verunsichern die Märkte. Anfang April hat sich die Situation weiter verschärft. Dagegen erholte sich der Rohölpreis im Monatsverlauf von seinen Rückgängen im Februar.

Weltrohstoffpreisindex zwischen 2012 und 2018Die Nachfrage ist weiter ungebrochen, der Bedarf wird für 2018 im Jahresmittel auf gut 98,6 mbd (million barrel per day) geschätzt. Dem steht eine Produktion außerhalb der OPEC von 59,5 mbd gegenüber. Der gesamte Bedarf für Förderungen der OPEC ergibt somit 39,1 mbd. Auffällig ist der starke Rückgang der Förderung des OPEC-Mitglieds Venezuela, das seit 2016 weitere 0,5 mbd weniger fördert und von seinen früheren Produktionsvolumina weit entfernt ist. Diese Verluste werden jedoch vom Irak und Iran kompensiert. Zudem hat sich die Förderung in Libyen erholt. Trotz langsam sinkender Vorräte ist die Versorgung noch sehr gut. Von daher sehen wir den Rohölpreis bis Ende des zweiten Quartals in einer Bewegung um 67 US-$ je Barrel Brent. Auch die Versorgung mit Erdgas ist auf dem europäischen Markt unverändert zufriedenstellend. Nachdem sich der Grenzübergangspreis nach Deutschland zuletzt stabilisierte, besteht hier noch etwas Anstiegspotenzial, welches jedoch in den Sommermonaten korrigiert werden dürfte.

Der erneute Zinsschritt der Fed und die robuste US-Konjunktur sollten dem Dollar Auftrieb geben. Allerdings können die protektionistische US-Handelspolitik und die Gegenreaktionen zu Verunsicherungen der Devisenmärkte führen. Starke Kursreaktionen und Druck auf den US-Dollar wären die Folgen.

Stahlpreise

Entwicklung der Stahlpreise zwischen 2012 und 2018 Entwicklung der Schrottpreise zwischen 2012 und 2018

Bis Ende Februar 2018 wuchs die globale Rohstahlproduktion um 4 %, wozu vor allem der Anstieg von knapp 6 % in China beitrug. Die Erzeugung in der EU stagnierte, diejenige in Nordamerika war erneut rückläufig. Die angekündigten Strafzölle auf Stahlimporte dürften erst mittelfristig Wirkung zeigen. Die Schrottpreise legten auf breiter Basis zu und kompensierten die Delle vom Jahresanfang. Dagegen gaben die Erznotierungen kräftig nach. Europaweit erhöhten sich die Warmbreitbandpreise um rd. 1 %, verzinkte Bleche stagnierten und Walzdraht reduzierte sich um gut 1,5 %. Tendenz: Schrott geht im April seitwärts, im Mai leichter Anstieg. Walzdraht mit weiterem leichtem Minus, Warmbreitband und verzinkte Bleche mit Anstiegspotenzial (+2 %).

(Voraussichtliche) Weltrohstalerzeugung zwischen 2012 und 2021

Preise für Öl und Gas

Entwicklung der Gaspreise zwischen 2012 und 2018 Entwicklung der Rohöl-Lagerbestände der USA zwischen 2012 und 2018

Ende März 2018 betrugen die Rohöl-Lagerbestände in den USA 425 Mio. Barrel. Damit unterschreiten sie den Vorjahresstand um 20 %. Die Bestände der übrigen Destillate liegen um 15 %, die Propanvorräte um 13 % niedriger. Benzin ist auf Vorjahresniveau. Die weltweite Versorgung mit Rohöl profitiert auch von der erhöhten Förderung in den USA. Der Abbau der amerikanischen Lagerbestände scheint aber gestoppt. Die Erdgasversorgung in Europa ist gut. Die festeren Rohölpreise der letzten Monate dürften jedoch den deutschen Grenzübergangspreis für Erdgas erhöhen. Tendenz: Wir sehen den Rohölpreis bis Ende Juni 2018 in einer Bewegung um 67 US-$ je Barrel Brent, die amerikanische Sorte WTI liegt rund 4 US-$ darunter. Der Grenzübergangspreis für Erdgas hat leichtes Aufwärtspotenzial.

Entwicklung des Ölpreises zwischen 2012 und 2018

Aluminiumpreise

(Voraussichtliche) Aluminiumproduktion zwischen 2012 und 2021 Aluminiumlagerbestände zwischen 2012 und 2018

In den ersten beiden Monaten 2018 lag die globale Aluminiumproduktion unter Vorjahresniveau. In China ist es im Umfeld des chinesischen Neujahresfestes und des Volkskongresses (aus Umweltaspekten) zu erheblichen Abschaltungen gekommen. Die investive Nachfrage stagnierte weitgehend. Es kam zu einer beträchtlichen Aufstockung der Lagerbestände an den globalen Börsen, die jedoch immer noch weit von früheren Höchstständen entfernt sind. Dies bewirkte mit eine Reduktion des Preisniveaus im Verlauf des März 2018. Tendenz: Für Primäraluminium erwarten wir in den nächsten zwei Monaten eine Bewegung um 2.050 US-$/t in einer Bandbreite von 200 US-$. Die Preise für die Recyclinglegierung bewegen sich 250 US-$ darunter.

(Voraussichtliche) Aluminiumpreise zwischen 2012 und 2019

Kupferpreise

(Voraussichtliche) Kupferproduktion zwischen 2012 und 2021 Kupfer-Lagerbestände zwischen 2012 und 2018

Die Weltkupferminenproduktion sank 2017 um 2 %, dürfte jedoch 2018 deutlich zulegen. Dagegen erhöhten sich die Raffinadeproduktion (infolge höherer Recyclingproduktion) und der Verbrauch um jeweils gut 0,6 %. Das Jahr schloss mit einem Angebotsdefizit von 163.000 t ab. Dieses dürfte sich 2018 deutlich verringern, der Markt könnte balanciert sein. Die Lagerbestände an den Metallbörsen zogen Ende März 2018 an, dürften jedoch im Verlauf des zweiten Quartals 2018 zurückgehen. Die investive Nachfrage reduzierte sich um rd. 10 %. Insgesamt gab der Kupferpreis im März deutlich nach. Tendenz: Die aktuell gute Versorgung und das Fehlen von Produktionsstörungen halten den Kupferpreis um die Marke von 6.700 US-$/t in einem Band von 500 US-$.

(Voraussichtliche) Kupferpreise zwischen 2012 und 2019

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Dr. Heinz-Jürgen Büchner

Dr. Heinz-Jürgen Büchner ist als Managing Director Industrials & Automotive zuständig für die Metallbranche und verantwortlich für die Rohstoffanalysen der Bank. Der promovierte Volkswirt hat nach seinem Studium Lehr- und Assistententätigkeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ausgeübt und war vor der IKB bei einer anderen Bank tätig. Er schreibt zu aktuellen Metall- und Rohstoffthemen und hält Vorträge auf internationalen Branchenveranstaltungen.

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