[Consumer & Retail-Information vom 25. November 2021] 

Die aktuelle Situation in der Papierindustrie ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette sehr angespannt. Sowohl Papierproduzenten für Verpackungszwecke als auch die weiterverarbeitenden Verpackungshersteller auf der nächsten Wertschöpfungsstufe berichten über schwierige Versorgungssituation, Produktion an der Kapazitätsgrenze, stark gestiegene Inputpreise und schwierige Preisverhandlungen. Obwohl sich der Markt aufgrund des enormen Nachfragebooms in einer grundsätzlich guten Verfassung befindet, führen die verschiedenen Herausforderungen zu erheblichen Ertragsrückgängen bei vielen Marktteilnehmern.

Einzigartiger Anstieg bei Rohstoff- und Energiekosten

Die Altpapierpreise verzeichnen seit Beginn der Pandemie einen starken Anstieg. Auch wenn die Preisrally aktuell zumindest temporär gestoppt werden konnte, liegen die Teuerungen nach Angaben von Fastmarkets FOEX bei gemischtem Altpapier und Kaufhausaltpapier seit Jahresbeginn bei rund 90 € und bei Deinkingware bei rund 110 €. Erheblichen Druck üben zudem die gestiegenen Energiekosten aus. Laut statistischem Bundesamt stiegen beispielsweise die Gaspreise im Jahresvergleich bis Oktober 2021 um 200 %. Weitere Hilfs- und Betriebsstoffe wie Farben, Lacke, Stärke, Paletten und Folien sowie Logistikkosten weisen ähnliche Entwicklungen auf.  

Schwierige Ertragssituation

Für die Unternehmen in der Papierindustrie bedeutet eine solch dynamische Preissteigerung relevanter Inputfaktoren einen gleichzeitig enormen Anstieg der variablen Kosten, die nicht unmittelbar weitergegeben werden können. Innerhalb der Branche findet die Preisüberwälzung allerdings in unterschiedlicher Geschwindigkeit statt. Papierhersteller können aufgrund ihrer Vertragsstrukturen und der aktuellen Marktlage Preise schneller an die weiterverarbeitenden Verpackungshersteller weitergeben und auch überwiegend durchsetzen. Verpackungshersteller arbeiten überwiegend mit Quartals- sowie Halbjahresverträgen und haben oftmals eine Vielzahl an Kunden, wodurch sich eine schnelle Preisweitergabe nicht nur vertraglich schwierig gestaltet, sondern auch administrativ. Eine Kompensation kann daher nur nachlaufend sowie schrittweise erfolgen und wirkt sich negativ auf die Ertragslage aus, wie wir ebenfalls aus Gesprächen mit Marktteilnehmern gespiegelt bekommen. Grundsätzlich gilt für die gesamte Branche: Preiserhöhungen lassen sich zwar mitunter durchsetzen, reichen in vielen Fällen jedoch nicht aus, um den massiven Anstieg der Inputfaktoren auszugleichen.

Es bleibt trotz der hohen Nachfrage herausfordernd

Eine Entspannung der aktuellen Situation erwartet die IKB mittelfristig nicht:

  • Nachfragesituation: Das veränderte Konsumverhalten hin zum Online-Einkauf ist nicht nur nachhaltig, sondern es wächst strukturell ungebrochen weiter, wie das Statistisches Bundesamt aktuell meldet. Demnach sind die Umsätze im Online-Handel auch nach Wiedereröffnung des stationären Einzelhandels von Mai bis September 2021 um knapp 9 % ggü. dem Vorjahreszeitraum gewachsen, im Vergleich zu 2019 sogar um 36 %. Mit Blick auf die derzeitige Corona-Entwicklung ist zu erwarten, dass die Online-Umsätze in den kommenden Monaten wieder deutlich anziehen werden. Entsprechend hoch bleibt der Bedarf an papierbasierten Verpackungen. Die hohen Auftragsbestände bei Papierproduzenten und Verpackungsherstellern deutet einen weiterhin engen Markt an.
  • Altpapier: Trotz aktueller Entspannung aufgrund eines besseren Mengenaufkommens im Inland und steigenden Importen sehen wir im 1. und 2. Quartal 2022 keine starke Preiskorrektur, da die Nachfrage nach Altpapier derzeit schlicht zu hoch ist. Vielmehr dürften die Preise nochmal anziehen, weil es aufgrund möglicher Lockdown-Maßnahmen erneut zu Problemen beim Mengenaufkommen kommen kann. Darüber hinaus sind auch Probleme beim Import von Altpapier nicht auszuschließen.
  • Energiepreise: Das Niveau der Energiepreise wird aus Sicht der IKB mindestens bis Ende 2022 vergleichsweise hoch bleiben, gleiches gilt für die Volatilität. Erst danach erwarten wir eine Stabilisierung bzw. Reduzierung der Preise, jedoch wird das sehr niedrige Niveau der Vorkrisenjahre bis auf weiteres nicht erreicht werden.

Die Ertragssituation bleibt für die Branche zumindest kurzfristig unbefriedigend. Nur wenige Hersteller können sich dem entziehen. Dies wird sich im Jahresverlauf 2022 aus Sicht der IKB jedoch ändern. Wir rechnen mit einer Stabilisierung der Inputpreise, sodass die Unternehmen der Papierindustrie bei der Preissetzung der Entwicklung nicht mehr hinterherlaufen. Die Ertragslage sollte sich bei fortgesetztem Nachfragewachstum sukzessive verbessern.

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