[Consumer & Retail-Information vom 9. August 2019] Die deutschen milchverarbeitenden Unternehmen (Betriebe ≥ 50 Beschäftigte) repräsentierten im Jahr 2018 mit einem Jahresumsatz von rund 26,2 Mrd. € eines der bedeutendsten Segmente der Ernährungswirtschaft. Trotz der Dürre im Sommer 2018 und der damit verbundenen Reduktion der Milchanlieferungen konnten die deutschen Molkereien eine Rekordanlieferung von schätzungsweise 32,4 Mio. Tonnen Rohmilch verzeichnen. Seit der Reform der EU-Milchmarktordnung und dem Ende der Milchquotenregelung zum 1. April 2015 sind die Milchanlieferungen an deutsche Molkereien damit kontinuierlich gestiegen.

Diese Entwicklung geht einher mit erheblichen Schwankungen der Milchauszahlungspreise. Im Juni 2016 erhielten deutsche Milcherzeuger im bundesdeutschen Durchschnitt für konventionelle Milch 22,8 ct/kg, hingegen 39,1 ct/kg als vorläufigen Höchstwert im Oktober 2017. Dies entspricht einer Abweichung vom langjährigen Durchschnitt um -9,5 ct bzw. +6,8 ct. Für das laufende Jahr sehen wir ein Preisniveau leicht unter Vorjahr, die Lieferungen bewegen sich Mitte 2019 ebenfalls leicht unter den Werten für 2018.

Die zunehmende Internationalisierung des Geschäfts – die Exportquote am Milchindustrieumsatz stieg seit 2010 von 23,2 % auf 29,1 % im vergangenen Jahr – und die Abhängigkeit der Vermarktungsmöglichkeiten von globalen Preis-, Mengen- und Nachfragebewegungen schlagen sich in volatilen Auszahlungspreisen nieder. Die Herausforderungen sowohl für genossenschaftliche als auch private Molkereien steigen, die Wertschöpfung der Produktion, u. a. über Produktportfolio und geografischen Absatzsplit, zu optimieren und Ertragsvolatilität (zumindest die negative) zu managen.

Chancen im Inland und auf internationalen Märkten

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Molkereierzeugnissen zeigt sich in Summe über die letzten Jahre relativ konstant, wobei es in der Breite der Produktpalette zum Teil signifikante Verschiebungen gibt. Der Verzehr von Konsummilch (2018: 50,6 kg/Kopf) geht im Trend zurück, während der Käsekonsum (2018: 24,2 kg/Kopf) steigt. Der Verbraucher sucht Produktinnovationen und gleichzeitig gewinnen Herkunft, Regionalität und andere qualitative Faktoren eine zunehmende Bedeutung für seine Kaufentscheidungen.
Global wächst die Nachfrage nach Protein und Milcherzeugnissen. Am aktuellen Rand gibt es einige Risiken und Unwägbarkeiten, wie Brexit und Handelskonflikte, aber die fundamentalen Daten sprechen mittelfristig für eine positive Entwicklung des Milchmarktes. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung, insgesamt steigender Kaufkraft sowie Urbanisierung vor allem in Asien, sehen aktuelle Prognosen den globalen Markt für Milch und Milcherzeugnisse 2024 bei einem Volumen von 704 Mrd. US-$, was einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs 2019 bis 2024 von +5 % entspricht (Mardor Intelligence).

Welche Nachfragetrends sind abzusehen?

Einige bestimmende Trends – national und international – aus IKB-Sicht:

  • Protein: Der Proteinbedarf wächst global, insbesondere bedingt durch das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Daneben steigt in den Industrienationen die Nachfrage nach „High-Protein“ als Komponente einer gesunden Ernährung in verarbeiteten Lebensmitteln, und damit auch in Molkereiprodukten.
  • „Healthy und Wellness“: Neben Eiweiß spielen die Komponenten Fett und vor allem Kohlenhydrate die entscheidende Rolle bei der Anpassung der Ernährung an das wachsende Bedürfnis nach Gesundheit und Wohlfühlen. Zuckerreduzierung ist hier die zentrale Herausforderung, vor allem bei Dessert- und Kinderprodukten. Die Kombination mit Pflanzenfasern zur Erhöhung des Ballaststoffanteils ist ein weiterer Baustein, die Wertigkeit von Produkten zu erhöhen, z. B. bei Getränken.
  • Convenience: Parallel zum steigenden Gesundheitsbedürfnis wächst die Nachfrage nach Convenience-Produkten. Beide Trends schließen sich dabei nicht aus (IKB Blog-Beitrag Convenience).
  • Snacking: Oftmals nur mit Süßwaren in Verbindung gebracht, sind die „kleinen Mahlzeiten“ längst im Alltag angekommen und tragen der Entwicklung Rechnung, dass alte Mahlzeitenmuster aufgebrochen werden. Snacking-Formate ergänzen das Portfolio vieler Hersteller unterschiedlicher Segmente und bieten hervorragende Absatzchancen für Molkereien in Kombination mit den genannten Trends.
  • Bio: Der Anteil von biologisch erzeugter Milch in Deutschland liegt bei 4 % und steigt kontinuierlich. Die wachsende Nachfrage nach Bioprodukten ist Ausdruck der Nachhaltigkeitsorientierung der europäischen Konsumenten und ein perspektivisch eventuell sogar zentraler Erfolgsfaktor für die Unternehmens- und Markenpositionierung (IKB Blog-Beitrag Nachhaltigkeit). Das sich daraus ergebende Wertschöpfungspotenzial für Molkereien liegt auf der Hand; dies gilt ebenso für die Erzeuger bei einem entsprechenden Plus beim Auszahlungspreis gegenüber konventionell erzeugter Milch (im Mai 2019 beispielsweise 46,9 ct/kg vs. 33,0 ct).
  • Herkunft und Regionalität: Der deutsche Konsument orientiert sich bei Marken und auch den Private Lables zunehmend am Merkmal Regionalität. Gerade für mittelständische Molkereien liegt hier die Chance einer klaren Positionierung. Das Thema „Herkunft Deutschland“ kann zudem ein Parameter bei ausgewählten Produkten beim Absatz in Auslandsmärkten (beispielsweise in der Zulieferung für Babyfood) sein.
  • Verpackung: Eine weitere Herausforderung für die gesamte Ernährungsindustrie im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussion ist die Suche nach ressourcenschonenden Verpackungslösungen.
  • Milchalternativen: Die Fleischwirtschaft erlebt gerade einen Boom bei Fleischersatzprodukten alternativer Hersteller. Sie öffnet sich in Teilen dem Veggie-Trend und reagiert mit eigenen Angeboten. Die Molkereiwirtschaft sollte sich daraus abgeleitet verstärkt mit Milchalternativen beschäftigen, da hier eine nachhaltig wachsende Nachfrage zu erwarten ist.

Chancen sehen – Chancen ergreifen

Der Markt bietet Absatzchancen für deutsche Molkereien im In- und Ausland. Viele maßgebliche Entwicklungen im Verbraucherverhalten spielen der Branche in die Karten. Ausschlaggebend ist die konsequente Ausrichtung der Geschäftsmodelle an bestimmenden Nachfragetrends sowie eine gesicherte Rohwarenbasis im Abgleich mit möglichst effizienten Produktionsstrukturen im regionalen, nationalen oder internationalen Maßstab.

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