[Healthcare, Pharma, Chemicals-Information vom 7. Mai 2020]

Der Mangel an Masken und Beatmungsgeräten hat eine Diskussion ausgelöst, wie Deutschland als Produktions- und Forschungsstandort von Medizintechnik zu sichern und zu stärken ist. Ziel ist es, eine größere Unabhängigkeit zu erreichen, um in Zukunft Lieferengpässe zu vermeiden. Eine ähnliche Diskussion findet derzeit in der Pharmaindustrie statt.

Kommt nach stetigem Wachstum nun eine Delle?

Seit Jahren kennt die Medizintechnikbranche in Deutschland nur Wachstum: Auch im Jahr 2019 erwirtschafteten die 1.375 deutschen Medizintechnikhersteller ein Plus von über 10 % und erzielten damit einen Gesamtumsatz von 33,4 Mrd. €. Das Inlandsgeschäft lag mit 11,5 Mrd. € um mehr als 9 % über dem Vorjahresniveau. Die Exporte konnten sogar um rund 11 % auf fast 22 Mrd. € gesteigert werden. Die Branche ist mittelständisch geprägt, die FuE-Quote liegt bei etwa 9 %.

In diesem Jahr hingegen ist die Entwicklung bisher sehr heterogen: Laut Branchenfachverband SPECTARIS, dem deutschen Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik, haben alle medizintechnischen Unternehmen ihre Produktionskapazitäten ausgeweitet, deren Produkte in unmittelbarem Zusammenhang mit der Behandlung von COVID-19-Erkrankten stehen. So profitieren insbesondere Hersteller von Beatmungsgeräten, anderen intensivmedizinischen Geräten und Krankenhaus- und Pflegebetten. Ganz anders sieht es hingegen bei Produzenten aus, deren Produkte mit der Ausstattung von OP-Räumen zu tun haben. Diese traf der Rückgang des normalen Krankenhausbetriebs deutlich, der mit einer Absage bzw. Verschiebung vieler auch elektiver Operationen einher ging. Laut aktueller Umfrage von MedicalMountains und SPECTARIS bewerten zwei Drittel der befragten Medizintechnikunternehmen die aktuelle Geschäftslage als verschlechtert; 61 % verzeichnen eine deutlich geringere Nachfrage nach medizintechnischen Produkten. Auch in den Lieferketten macht sich die Pandemie bemerkbar: Über logistische Engpässe klagen 47 %, 42 % berichten über fehlende Zuliefererprodukte. Eine längere, durch Corona bedingte Abschwächung der Auftragslage könnte trotz eines überwiegend positiven Jahresbeginns zu deutlichen Umsatzeinbrüchen im Gesamtjahr führen. Bei einem Hochfahren der Wirtschaft ab Juni rechnen die Unternehmen im Jahresvergleich 2020/2019 mit einem Einbruch des Umsatzes von durchschnittlich 18 % (s. Grafik). In einem Downside Case – einem Lockdown bis August – halten die befragten Unternehmen sogar ein Minus von etwa 28 % für möglich.

Neue Medizinprodukte-Verordnungen wurden verschoben

Ursprünglich sollten die neuen Medizinprodukte-Verordnungen Medical Device Regulation und In-Vitro-Diagnostika Regulation (MDR) die alten Medizinprodukte-Richtlinien bis Mai 2020 ablösen. Die EU-Kommission hat am 3. April 2020 den Vorschlag gemacht, den Geltungsbeginn der MDR angesichts der COVID-19-Pandemie um ein Jahr auf den 26. Mai 2021 zu verschieben, Beginn und Ende der Übergangsfristen allerdings beibehalten. Der Vorschlag sieht vor, Re-Zertifizierungen bis Mai 2021 weiterhin unter den bisherigen Medizinprodukte-Richtlinien zuzulassen. Die Branche wünscht sich allerdings eine Verschiebung des gesamten Prozesses inklusive Übergangsfristen um vier Jahre und begründet das insbesondere mit einer zu geringen Zahl an Zulassungsstellen.  

Stärkung des Gesundheits- und MedTech-Standorts Deutschland erwartet

Sicherlich wird im Zusammenhang mit der Coronakrise ein gesamtgesellschaftlicher Dialog intensiviert werden, der den Gesundheits- und MedTech-Standort Deutschland und seine Infrastruktur analysiert und stärkt. Denn Fakt ist: Die Medizintechnik lebt auch in Zukunft von ihren Innovationen und ihrer schnellen Verfügbarkeit für die Patienten.

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