[Consumer & Retail-Information vom 4. September 2020]

Der Verpackungsbedarf wird in den nächsten Jahren weiter stark steigen. Veränderte Konsumgewohnheiten wie boomender Online-Handel, steigende Nachfrage nach Convenience-Produkten und zunehmender Außer-Haus-Konsum treiben diese Entwicklung. Gleichzeitig wird erwartet, dass auch das Müllaufkommen weiter steigt; laut Umweltbundesamt ist dieses in den letzten Jahren konstant gestiegen. Im Jahr 2010 wurden noch durchschnittlich 195,7 kg Müll pro Person erzeugt, während es Jahr 2017 bereits 226,5 kg Müll pro Person waren.  

2018 wurden in Deutschland rund 20 Mio. t Packmittel hergestellt, ein Plus von 4,9 % gegenüber 2017. Der Produktionswert lag 2018 bei rund 32 Mrd. € und legte um 4,3 % zu. Die beiden wichtigsten Verpackungsmaterialien sind Papier, Pappe und Karton einerseits sowie Kunststoffe andererseits. Zwar ist der Mengenanteil der Kunststoffe relativ klein, beim Umsatz sind die Kunststoffe jedoch mit rund 44 % führend. Hauptabnehmer von Verpackungen ist die Konsumgüterindustrie – insbesondere Nahrungsmittel- und Getränkehersteller sowie Hersteller kosmetischer, Wasch- und Reinigungsprodukte. Wie die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) berichtet, sind rund 2/3 der Verpackungen aus Kunststoff Haushaltsverpackungen.

Druck auf die Hersteller von Kunststoffverpackungen  

Für Hersteller kunststoffbasierter Verpackungen steigt aufgrund der hohen Abhängigkeit von der Konsumgüterindustrie der Druck, umweltfreundlichere Verpackungslösungen zu finden, da sich das Image von Kunststoffverpackungen in den vergangenen Jahren enorm verschlechtert hat. Bilder von Plastik in den Weltmeeren oder Mülldeponien mit deutschem Verpackungsmüll in ärmeren Ländern treffen auf umweltbewusstere Verbraucher, die Themen wie Recycling- und Mehrwegfähigkeit sowie Entsorgung zunehmend mehr Beachtung schenken. So fordern 93 % der Verbraucher, dass Plastikverpackungen zunehmend durch Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen ersetzt werden, wie eine Studie des VDW in Zusammenarbeit mit dem IFH Köln zeigt.

Regulatorischen Druck entfaltet das seit dem 1. Januar 2019 geltende neue VerpackG. Der Gesetzgeber setzt damit den Rahmen, wie zukünftig Verpackungsabfälle zu vermeiden sind und das Recycling zu fördern ist. Das Gesetz sieht vor, bis zum Jahr 2022 die Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen auf 63 % zu steigern, die derzeit bei rund 36 % liegt. Bereits seit letztem Jahr muss der Lebensmittelhandel kennzeichnen, ob es sich bei Getränkeverpackungen um Einweg- oder Mehrwegflaschen handelt. Um die Maßnahmen besser zu kontrollieren, wurde das Verpackungsregister LUCID eingerichtet, in dem sich Unternehmen registrieren müssen, die verpackte Waren für den privaten Endverbraucher in Deutschland erstmalig in Verkehr bringen. So soll die Transparenz steigen, da die Unternehmen für deren Rücknahme und Verwertung verantwortlich sind.

Auch der Handel reagiert und formuliert eigene Ziele. Alle großen Lebensmitteleinzelhändler haben Umweltoffensiven für Verpackungen gestartet. Sie wollen da, wo es möglich ist, Verpackungen vermeiden, reduzieren und recyceln. Aldi Süd kündigte bereits an, dass bis 2025 alle Verpackungen der Eigenmarken recyclingfähig sein sollen, bei einem gleichzeitig um 30 % reduzierten Materialeinsatz. Ähnliches verkündet REWE: Auch hier sollen bis 2025 alle Kunststoffverpackungen der Eigenmarken recycelfähig sein und mit 20 % weniger Material auskommen.

Die Verpackungsinitiativen der Lebensmitteleinzelhändler und die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten bei den Listungsgesprächen beeinflussen auch die Strategien der Markenhersteller. Wissend um die Konkurrenz und den Willen der Verbraucher, haben diese vergleichbare Initiativen ins Leben gerufen.   

Papierbasierte Verpackungen rücken in den Fokus

Aufgrund der Diskussion über umweltfreundlichere Verpackungen rückt Papier in den Fokus. Der Vorteil dieses Verpackungsmaterials ist die ausgebaute Infrastruktur für die Sammlung und das im Vergleich einfachere Recycling. Zusätzlich nehmen Konsumenten Verpackungen aus Pappe als natürlich und nachhaltig wahr. Dass eine Reduzierung der Verpackungsabfälle aus Kunststoff möglich ist, zeigt eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung GVM. Jährlich könnten in der DACH-Region 21 % der derzeit eingesetzten Kunststoffverpackungsmenge durch Wellpappenlösungen ersetzt werden – das wären 825 Tsd. t. pro Jahr. Hohe Einsparpotenziale ergeben sich im Versandhandel, bei Obst und Gemüse, Möbeln, Spiel- und Werkzeugen. Im Lebensmitteleinzelhandel insgesamt beträgt das Substitutionspotenzial 14 %.  

Kunststoffverpackungen werden weiterhin gebraucht

Trotz der in der Öffentlichkeit negativen Wahrnehmung von Kunststoffverpackungen erfüllen diese wichtige Aufgaben. Insbesondere im Lebensmittelsektor oder in der Pharmabranche können diese nicht ohne Weiteres durch alternative Verpackungsmaterialien ersetzt werden. Hohe Barriereeigenschaften von Kunststoffen stellen sicher, dass die Qualität des Produktes erhalten bleibt und vor Verschmutzung von außen geschützt ist. Zudem ist das Material vielseitig einsetzbar. Gründe, warum das Substitutionspotenzial teilweise überschaubar ist.    

Um mehr Akzeptanz in der Bevölkerung zu erlangen, müssen die Kunststoffverpackungen umweltfreundlicher werden. Dies kann durch kleinere Verpackungen und Reduktion des Materials sowie eine möglichst hohe Recyclingquote oder mehrmalige Nutzung gelingen, was Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfordert. Das beginnt beim Verpackungsdesign, das nicht nur möglichst materialschonend sein sollte, sondern auch so gestaltet, dass eine möglichst einfache und qualitativ hochwertige Recycelbarkeit gegeben ist. Problematisch ist, dass es auch aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise aktuell günstiger ist neue Kunststoffverpackungen herzustellen als Verpackungen zu recyclen. Dennoch sollten die Hersteller auf Markttrends und -nachfragen reagieren und umweltbewusstere Produkte anbieten, sonst werden sie mittelfristig im Wettbewerb ins Hintertreffen geraten. Grundsätzliche Trends sprechen für eine weiter positive Entwicklung der Verpackungsbranche insgesamt, in dem auch solche Kunststoffverpackungen einen festen Platz haben, die den gestiegenen Umweltanforderungen entsprechen.

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