Dr. Jens Traupe, Leiter Umweltschutz- und Energiepolitik der Salzgitter AG    ©Jonas Wresch / KfW Bankengruppe

Aus der Idee, niedersächsische Erze zu verhütten, ist ein internationaler Konzern mit rund 25.000 Mitarbeitern entstanden, zu dem Marken wie Salzgitter Flachstahl, Peiner Träger, Mannesmann oder KHS zählen. Die Kernkompetenzen liegen in der Herstellung von Walzstahl- und Röhrenerzeugnissen, deren Weiterverarbeitung und dem globalen Handel mit diesen Produkten sowie dem Spezialanlagenbau.

Was steckt hinter dem Projekt SALCOS®?

Die Abkürzung SALCOS® steht für „Salzgitter Low CO₂ Steelmaking“. Aktuell entstehen bei der Produktion von Stahl aus Eisenerz in integrierten Hüttenwerken etwa zwei Tonnen CO2 pro Tonne Produkt, die mit den heute zur Verfügung stehenden Anlagen unvermeidbar sind. Um diesen CO₂-Ausstoß signifikant mit Blick auf eine Klimaneutralität in 2050 zu vermindern – also um die sogenannte Dekarbonisierung voranzutreiben –, müssen wir neue Wege beschreiten. Unter dem Projektnamen SALCOS® beschäftigen sich unsere Experten gemeinsam mit Fraunhofer-Instituten und weiteren Partnern mit innovativen Technologien und deren schrittweiser Einbindung in ein integriertes Hüttenwerk. Vereinfacht gesagt geht es darum, den gegenwärtig für die Stahlherstellung erforderlichen Kohlenstoff durch erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff zu ersetzen, um dadurch den CO₂-Ausstoß um bis zu 95 Prozent zu reduzieren.

Warum ist Salzgitter das Thema CO₂-Neutralität so wichtig?

Mit einer Tonne Stahl aus Eisenerz entstehen – wie gesagt – heute zwangsläufig knapp zwei Tonnen CO₂. Acht Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert daher das Hüttenwerk in Salzgitter prozessbedingt pro Jahr. Das entspricht etwa einem Prozent der jährlichen CO₂-Emissionen in Deutschland. Wenn wir das ändern wollen, genügt es nicht, an ein paar Schräubchen zu drehen. Wir müssen die ganze Stahlerzeugung auf Wasserstoff umstellen. Wenn die politischen Rahmenbedingungen bleiben wie sie sind, dann gibt es im europäischen Emissionshandel im Jahr 2050 praktisch keine CO₂-Zertifikate mehr – weder umsonst noch zu kaufen. Ohne solche Zertifikate darf aber kein Unternehmen in Europa CO₂ freisetzen. Daher müssen sich die Stahlhersteller in Deutschland und Europa jetzt auf den Transformationspfad begeben, das ist alternativlos.

Wie stellen Sie die Wirtschaftlichkeit Ihrer Investitionen sicher?

Ein mit Wasserstoff betriebenes Auto (Mercedes GLC F-Cell) mit SALCOS Logo. ©Jonas Wresch / KfW Bankengruppe

Grüner Wasserstoff als Reduktionsmittel ist heute teurer als Kohle. Das bedeutet für das Endprodukt: Eine Tonne Stahl à la SALCOS dürfte laut einer Studie des Think Tanks „Agora Energiewende“ bis zu circa zwei Drittel teurer werden als heute. Der Umbau zum klimafreundlichen Stahlwerk kann daher erst Realität werden, wenn die Politik klare und längerfristig verlässliche Rahmenbedingungen setzt, die sicherstellen, dass diese im internationalen Vergleich herrschende Wettbewerbsverzerrung ausgeglichen wird. Wir sehen, dass diese Debatte jetzt an Fahrt aufgenommen hat, weil in Politik und Gesellschaft Klimaschutz einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Und auch wenn eine Preiserhöhung von circa zwei Dritteln erst einmal nach viel klingt: Für einen Mittelklasse-Pkw aus grünem Stahl müsste der Endverbraucher nur rund 1 Prozent mehr zahlen. Das muss es uns wert sein. Zumindest was die Umstellung der Produktion angeht, unterstützt der Staat die Unternehmen ja bereits durch erste Förderprogramme der KfW. Aber für den „großen Wurf“ zur Transformation wird noch viel mehr benötigt.

Aktuelle Finanzierung mit der IKB

Die Salzgitter AG hat die IKB bereits mehrfach beauftragt, KfW-Fördermittel für Investitionen in die energetische Optimierung von Produktionsanlagen zu beantragen und zu koordinieren. Aufgrund der ehrgeizigen Zielsetzung und der hohen Aktualität des Vorhabens „Windwasserstoff Salzgitter“ in Bezug auf die Klimaschutzziele konnten wir jetzt auch hierfür gemeinsam eine Zusage der KfW erreichen. In Verbindung mit der Finanzierung bewilligte diese einen Tilgungszuschuss.

Die Gesellschaften des Salzgitter-Konzerns stehen seit mehr als 150 Jahren für innovative und nachhaltige Erzeugung von Stahl und Technologieprodukten. Heute arbeiten rund 25.000 Menschen daran, Kunden aus unterschiedlichsten Abnehmerbranchen innovative und nachhaltige Produkte in höchster Qualität zur Verfügung zu stellen. Die Kernkompetenzen liegen in der Herstellung von Walzstahl- und Röhrenerzeugnissen sowie deren Weiterverarbeitung und dem globalen Handel mit diesen Produkten. Zudem ist das Unternehmen im Spezialanlagenbau für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie tätig. Weltweit gehören über 150 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften zum Salzgitter-Konzern. Mit seinen internationalen Standorten ist die Salzgitter AG auf der ganzen Welt vertreten und demonstriert damit auch geographisch Kundennähe.