[Kapitalmarkt-News vom 26. August 2019]

Wo steht die deutsche Wirtschaft?

Die deutsche Industrie befindet weiterhin in einer Rezession: Auftragseingänge und jüngste Einkaufsmanager-Indizes deuten auf keine kurzfristige Trendwende hin. Auch hat die deutsche Produktion im Vergleich zur globalen Produktion klar enttäuscht. Doch gerade hier könnten sich erste Hoffnungsschimmer ergeben. Denn historisch folgt die deutsche Industrieproduktion relativ eng dem globalen Industriezyklus. Aktuell hat sich allerdings eine deutliche Kluft geöffnet. Auf Grundlage des globalen Industriezyklus mag deshalb mit einer gewissen Korrektur der deutschen Industrieproduktion zu rechnen sein. Allerdings bleibt auch der globale Verlauf alles andere als überzeugend.

Rückgang ifo Geschäftsklima im August 2019 nicht gestoppt

Die Unternehmensstimmung in Deutschland befindet sich weiter im Sinkflug. Seit Herbst 2018 trübte sich das ifo Geschäftsklima mit Ausnahme der leichten Aufhellung Anfang des Jahres 2019 ein. Im August sank der ifo Indikator erneut klar um 1,5 Zähler auf 94,3 Punkte. Auch haben sich wieder beide Teil-Komponenten deutlich eingetrübt: Sowohl die aktuelle Lage wurde schlechter beurteilt als auch die Geschäftsperspektiven. Der Indikator für die Erwartungen sank um 0,9 Zähler auf 91,3 Punkte, und der für die aktuelle Einschätzung fiel sogar um 1,5 Zähler auf 97,3 Punkte. Ein Wert der sich zuletzt im Herbst 2013 ergab.

Bezogen auf die Wirtschaftssektoren blieb das Verarbeitende Gewerbe wie erwartet klar im Rückwärtsgang. Auch im Handel gab der Indikator nach; Treiber des Rückgangs war vor allem der Großhandel. Im Bauhauptgewerbe hat das Geschäftsklima dagegen nur leicht nachgelassen. Beunruhigend ist die merkliche Stimmungseintrübung im Dienstleistungssektor. Die Probleme der deutschen Industrie infolge des schwächeren weltwirtschaftlichen Umfelds scheinen sich mehr und mehr auf den Binnenmarkt in Deutschland zu übertragen.

Ausblick: Wende erst 2020?

Das deutsche BIP ist wie erwartet im zweiten Quartal 2019 leicht geschrumpft. Inzwischen gibt es aber mehr und mehr Einschätzungen, die auch für das dritte Quartal einen Rückgang erwarten, was eine technische Rezession bedeuten würde. Aktuelle ifo Werte lassen Aussagen für das vierte Quartal zu: Denn der ifo Stimmungsindikator ist ein Frühindikator mit einer Vorlaufzeit von rund einem Quartal. Die Werte für August liefern neben den Juli-Werten somit eine weitere Indikation über die BIP-Wachstumsentwicklung im vierten Quartal. Deshalb sind die ifo Werte von besonderer Bedeutung: Eine Wende der deutschen Konjunktur zeigt sich zuerst und vorrangig im Verlauf des ifo Index. Wird von einer Stabilisierung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2019 ausgegangen, muss sich der Index kurzfristig erholen. Ansonsten müssen diese Erwartungen über einer Stabilisierung in die erste Hälfte 2020 verschoben werden. Da das ifo Geschäftsklima im August erneut gesunken ist, wird dies mehr und mehr wahrscheinlich. Der Verlauf der deutschen Industrieproduktion stützt dies ebenfalls.

Die Abbildung 3 spiegelt die auf dem ifo basierte Wachstumsprognose der IKB. Das Risiko eines weiteren BIP-Rückgangs vor allem im vierten Quartal hat sich durch die jüngsten Zahlen merklich erhöht. Die Möglichkeit einer BIP-Schrumpfung bereits im dritten Vierteljahr bleibt allerdings überschaubar – zumindest auf Grundlage des ifo Geschäftsklimas. Mit den vorliegenden ifo Werten und der daraus folgenden BIP-Prognose ist mit keiner grundsätzlichen Stabilisierung geschweige denn Erholung des deutschen BIP-Wachstums 2019 zu rechnen. Die BIP-Jahreswachstumsprognosen für 2019 und 2020 bleiben unverändert, da bereits die schwachen ifo Werte der Vormonate den Ausblick eingetrübt hatten. Die IKB erwartet ein BIP-Wachstum von 0,6 % für 2019 und knapp über 1 % für 2020. Das Prognoserisiko bleibt allerdings nach unten gerichtet – vor allem für 2020. Weiterhin belastet die Brexit-Unsicherheit den Wachstumsausblick der deutschen Wirtschaft für 2020.

Fazit:

Der ifo Index lässt die Hoffnung auf eine Konjunkturwende für das Jahr 2019 schwinden. Die ifo Werte für August deuten sogar auf ein erhöhtes Risiko für einen erneuten BIP-Rückgang hin – allerdings eher für das vierte als für das dritte Quartal. Gründe für die aktuelle Schwäche liegen nicht nur in globalen Themen, sondern auch in einer zunehmenden Eintrübung der Binnenwirtschaft. Auch wenn der aktuelle globale Zyklus etwas Raum für positive Überraschungen für die deutsche Industrie haben könnte, bestehen nicht zuletzt wegen des Brexit klare Abwärtsrisiken für 2020. Damit ist selbst eine moderate Wachstumsprognose von um die 1 % für 2020 mit Unsicherheiten behaftet.

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