[Industrials & Automotive-Information vom 11. Dezember 2019]

Die derzeitige Auseinandersetzung über das Thema „Umweltschutz und Klimawandel“ ist aufgeheizt und tendiert oftmals dazu in negative Konnotation abzugleiten. Von Verzicht und Wohlstandverlust ist häufig die Rede. Doch dort wo es Herausforderungen gibt, warten auch Chancen.

So bedeutet Umweltschutz eben nicht, dass die davon betroffenen Branchen von der Bildfläche verschwinden werden. Vielmehr müssen sie sich einem Strukturwandel unterziehen, der mitunter herausfordernd ist, an dessen Ende jedoch neues Wachstum, Innovationen und auf lange Sicht Kosteneinsparungen warten.

Neue Wachstumsmärkte

Ein gutes Beispiel für neue Wachstumsmärkte ist der globale Green Tech-Markt. Ihm werden Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung, Energieeffizienz, Rohstoff- und Materialeffizienz, nachhaltige Mobilität, Kreislaufwirtschaft sowie nachhaltige Wasserwirtschaft zugeschrieben. Das Marktvolumen von Green Tech belief sich im Jahr 2016 nach Angaben des Bundesumweltministeriums auf 3,2 Bio.  € und soll bis zum Jahr 2025 weiter auf 5,9 Bio. € wachsen. Dies entspräche einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rd. 6,3 %. In einigen Märkten nehmen Global Player und Hidden Champions aus dem deutschen Mittelstand bereits eine marktführende Position ein. Diese Unternehmen sind bestens aufgestellt auch in Zukunft eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Schon im Jahr 2016 lag der Anteil deutscher Unternehmen am gesamten Marktvolumen bei 14,0 %, bei einem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung von 4,6 %.

Deutschland als Pionier der Kreislaufwirtschaft

Vor dem Hintergrund nur begrenzt verfügbarer globaler Ressourcen wird das herrschende Leitbild der Wachstumsökonomik in seiner jetzigen Form in Frage gestellt. In der Vergangenheit war dies häufig auf die begrenzte Verfügbarkeit von Rohstoffen gemünzt. Aktuell ist wird die Diskussion jedoch weitreichender geführt und stellt insbesondere auf den Klimawandel ab. Dieser macht es erforderlich, bisher linear verlaufende Wertschöpfungsketten und Lebenszyklen von Produkten zirkulär zu denken, indem negative externe Effekte auf die Umwelt durch Schließung von Materialkreisläufen vermindert und knappe Ressourcen geschont werden sollen.

Ein Beispiel stellt die Entsorgungsbranche dar, in der Deutschland ein Pionier ist. So befindet sich das Metall-, Papier-, Glas- und Kunststoffrecycling aufgrund innovativer Technologien und Systeme auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Im Jahr 2017 wurden hierzulande zum Beispiel nur 0,6 % der angefallenen Kunststoffabfälle einer Deponierung zugeführt, während der Rest stofflich oder energetisch verwertet werden konnte (siehe Grafik). Zum Vergleich: in ganz Europa machte die Deponierung von Kunststoffabfällen noch immer fast 25,0 % aus.

Verwertungswege von Kunststoffabfällen in Deutschland im Jahr 2017

Quelle: Conversio

 

Unabhängigkeit von Rohstoffmärkten

Die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft hat allerdings nicht nur positive ökologische, sondern auch ökonomische Effekte. Wenn produzierende Unternehmen benötigte Rohstoffe in Zukunft durch Recycling von entsorgtem Material als Sekundärrohstoffe gewinnen können, reduziert dies auch die Abhängigkeit der Unternehmen von globalen Rohstoffmärkten. Sie sind damit weniger anfällig gegenüber mitunter starken Preisschwankungen, wodurch die Produktion planbarer wird, was letztlich wiederum zu signifikanten Kosteneinsparungen führen kann.

Dies alles erfordert zunächst erhebliche Investitionen, um auch in Zukunft unternehmerisch erfolgreich zu sein. Die deutsche Industrie bringt jedoch das nötige Rüstzeug mit, um diese Herausforderungen zu stemmen.

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