Energiepolitische Themen und Herausforderungen, Spezial: Der RWE-/E.ON-Deal

[Energiesektor-Radar – Ausgabe 07/2018] Neben den energiepolitische Diskussionen zur Energiewende erregte im 1. Halbjahr erregte der RWE-/E.ON-Deal große Aufmerksamkeit.

1. Branchentwicklungen

  • Die Entwicklung stark rückläufiger Vergütungssätze für PV1) und Wind Onshore aus 2017 setzte sich in den Ausschreibungen im 1. Halbjahr 2018 nicht fort. Die durchschnittlichen PV-Zuschlagswerte markierten in der Ausschreibung im Februar zwar noch einen Tiefpunkt, erholten sich aber im Juni und in der technologieoffenen Ausschreibung im April. Bei Wind Onshore zeigten die Aussetzung der Bürgerenergie-Privilegien und die geringen Gebotsmengen ihre Wirkung in wieder steigenden Zuschlagswerten. Auch die zweite Ausschreibung für KWK2) führte zu im Durchschnitt steigenden Zuschlagswerten.
  • Nachdem die Regierungsbildung im März 2018 endlich geglückt ist, stehen die großen energiepolitischen Weichenstellungen in Bezug auf die Zukunft von EEG3) und KWKG4) sowie im Hinblick auf andere Aspekte der Energiewende wie Sektorenkopplung, Elektromobilität oder Einbindung von Speichertechnologien weiterhin aus.

2. Branchen-Bewertung

  • Die IKB-Peer-Gruppe, bestehend aus börsennotierten Energieversorgungsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH), wird im Durchschnitt mit 9,7x EBITDA 2018E bewertet. Die Bewertungsbandbreite erstreckt sich von 7,3x bis 14,5x EBITDA 2018E.
  • Im Zuge der allgemeinen Börsenentwicklung, aber auch vor dem Hintergrund der sich bessernden Ertragskennziffern konnten die Aktienkurse der Versorgungsunternehmen im 1. Halbjahr 2018 mit Ausnahme von EVN und Uniper zulegen. Der Aktienkurs von innogy erholte sich im Zuge des RWE-/E.ON-Deals.
  • Rückbau- und Pensionsrückstellungen bleiben von großer Bedeutung für die Bewertung, vor allem bei deutschen Versorgern mit Kernenergie, Braun- und Steinkohle im Erzeugungsportfolio.

3. Fremdkapital-Märkte

  • Die europäischen Kapitalmarktrenditen zeigten sich im 1. Halbjahr 2018 relativ volatil. Positive Auswirkungen hatten ein Nachlaufen der US-Renditen sowie die guten Konjunkturaussichten zu Beginn des Jahres, negative Auswirkungen hingegen hatten politische Unsicherheiten in Europa und erste Anzeichen einer nachlassenden Wirtschaftsleistung.
  • Der Markt für Schuldscheindarlehen bleibt eine attraktive und wichtige Finanzierungsquelle für Unternehmen insbesondere aus dem Mittelstand. Verglichen mit den Vorjahren sind die Margen auf niedrigen Niveaus und die starke Nachfrage kommt Transaktionen sowohl für etablierte Akteure wie auch für Debut-Emittenten zugute.
  • Die fortschreitende Energie- und Verkehrswende sowie politische Interessen steigern den Investitionsbedarf in die Entwicklung innovativer und digitaler Prozesse und Geschäftsfelder. Eine zunehmende Komplexität erfordert eine Neuausrichtung, verbunden mit einer teilweisen Abkehr vom klassischen Kerngeschäft.

4. M&A-Transaktion

  • Mit rd. 90 Transaktionen entweder in Deutschland oder mit involvierten deutschen Playern liegt das 1. Halbjahr 2018 deutlich hinter den jeweiligen letzten beiden Halbjahren. Neben Portfoliobereinigungen und Rekommunalisierungen nimmt das Interesse von Energieversorgungsunternehmen (EVUs) und Stadtwerken an Dienstleistungs- und Start-up-Unternehmen einen immer höheren Stellenwert ein.
  • Der M&A-Markt wurde durch vier große Transaktionen geprägt, allen voran der RWE-/E.ON-Deal. Im 1. Halbjahr veräußerte E.ON seine Uniper-Beteiligung, Macquarie seine Techem-Beteiligung und IFM halbierte seine Anteile an dem deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz.
  • M&A-Aktivitäten bei Erneuerbaren Energien werden weiterhin von On- und Offshore-Wind-Transaktionen dominiert, diese stellen auch im 1. Halbjahr 2018 die mit Abstand größte Anzahl an Projekten.

1. Branchenentwicklungen in Deutschland

Energiepolitische Themen und Herausforderungen

Neben den energiepolitischen Diskussionen zur Energiewende erregten im 1. Halbjahr 2018 erneut die EEG-Ausschreibungen große Aufmerksamkeit.

Neue Bundesregierung: Rund sechs Monate nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 nimmt die erneute Auflage der Großen Koalition die Arbeit auf. Die neue Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Energiewende fortzusetzen. Die Koalitionspartner stellen sich hinter das Klimaschutzziel für 2030, bis dahin einen Ausbau der Erneuerbaren Energien auf 65 % festzuschreiben. Ebenfalls sieht der Koalitions-vertrag zur Schließung der Klimaschutzlücke Sonderausschreibungen von je 2.000 MW Windenergie an Land für die Jahre 2019 und 2020 vor. Mittlerweile schlagen die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern eine zeitliche Streckung und regionale Steuerung der angekündigten Sonderausschreibungen vor. Um hinreichend Wettbewerb, die Aufnahmefähig-keit der Netze und eine bessere Synchronisierung von Erneuerbaren und Netzausbau zu gewährleisten, sollen u.a. die Ausschreibungen über den Zeitraum 2018 bis 2022 verteilt werden.

100-Tage-Gesetz: Die Themen Sonderausschreibungen Erneuerbare Energien und Eigenstromproblematik für neuere KWK-Anlagen1) sollten mit dem sogenannten 100-Tage-Gesetz geregelt werden. Trotz einer grundsätzlichen Einigung mit der EU über eine reduzierte EEG-Umlage für KWK-Eigenstrom von Neuanlagen wird eine gesetzliche Regelung aufgrund von Streitigkeiten zwischen Union und SPD erst nach der parlamentarischen Sommerpause kommen. Diese Verzögerung verärgert die KWK-Branche, denn für Eigenstromverbrauch aus Anlagen, die nach dem Inkrafttreten des EEG 2014 in Betrieb gingen, muss nun die volle EEG-Umlage gezahlt werden. Ebenso rückt das deutsche Klimaschutzziel in weitere Ferne, denn die Sonderausschreibungen für Ökostromanlagen mit insgesamt 8.000 MW sollten bis 2020 den jährlichen CO2-Ausstoß in Deutschland um 10 Mio. Tonnen verringern. Allerdings ist strittig, ob und inwieweit aktuell tatsächlich ausreichend Projekte im Markt wären, um das Volumen der Sonderausschreibungen auszufüllen.

EEG-Ausschreibungen Wind/Solar: Aufgrund der Verzerrungen bei den Ausschreibungen für Windenergie an Land im Jahr 2017 durch Sonderregelungen für sogenannte Bürgerenergiegesellschaften (insbesondere Ausnahme von der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungspflicht und Verlängerung der Realisierungsfrist) hatte der Gesetzgeber die Privilegien für die ersten beiden Ausschreibungsrunden im Jahr 2018 bereits vorläufig ausgesetzt. Im Juni haben Bundestag und Bundesrat beschlossen, die Sonderregelungen dauerhaft bis einschließlich des Gebotstermins 1. Juni 2020 auszusetzen. Die insgesamt fünfte Bieterrunde im Mai 2018 brachte mit 5,73 Cent/kWh im Mittelwert das Zuschlagsniveau auf das der ersten Runde von April 2017 zurück.

Erstmalig wurden zum 1. April 2018 in einer technologieübergreifenden Ausschreibung 200 MW für Windenergie- und Photovoltaik-Projekte auktioniert. Alle 32 Zuschläge gingen an Photovoltaik-Projekte. Der durchschnittliche mengengewichtete Zuschlagswert lag bei 4,67 Cent/kWh und damit über dem Niveau der spezifischen Photovoltaik-Ausschreibungen im Februar und Juni 2018 (4,33 bzw. 4,59 Cent/kWh). Der zweite Gebotstermin ist der 1. November 2018.

KWK-Anlagen: Im Juni 2018 wurde in der zweiten KWK-Ausschreibungsrunde entgegen der allgemeinen Erwartungen das Ausschreibungsvolumen knapp verfehlt. Infolge der ausgebliebenen Überzeichnung stieg der mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert von 4,05 Cent/kWh im Dezember 2017 auf 4,31 Cent/kWh. Bei der zeitgleich durchgeführten ersten Ausschreibung zu innovativen KWK-Anlagen wurde das Ausschreibungsvolumen ebenfalls nicht ausgeschöpft. Knapp 21 der ausgeschriebenen 25 MW wurden bezuschlagt und der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 10,27 Cent/kWh.

Kohle-Kommission: Die Kohle-Kommission, offiziell „Kommission für Strukturwandel, Wachstum und Beschäftigung“, wird von den vier Ministerien Wirtschaft, Umwelt, Arbeit und Inneres/Heimat geführt. Insgesamt 31 Personen aus Umweltverbänden, Gewerkschaften, Wirtschaft und Politik, davon vier Vorsitzende und drei Bundestagsabgeordnete, gehören dem Gremium an. Die Kommission soll bis Ende 2018 einen Fahrplan für den Kohleausstieg samt Enddatum vorlegen. Kritiker halten den Zeitplan für unrealistisch. Das Gremium will sich gleichwertig um Klimaschutz und neue Arbeitsplätze in den Regionen kümmern. Die Kommission tagte erstmals am 26. Juni 2018.

Fazit: Die großen energiepolitischen Weichenstellungen stehen noch aus, die Gesetzgebung des 1. Halbjahres spiegelt eher den kleinsten gemeinsamen Nenner der regierenden Parteien wider.

1) KWK-Anlagen = Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen Quellen: energate; Bundesnetzagentur; BWE; IKB-Research

Spezial: der RWE-/E.ON-Deal

Gerüchte über einen möglichen Verkauf der von RWE AG gehaltenen Anteile an der innogy SE kursierten bereits seit Längerem im Markt. Dennoch dürfte die gesamte Energiebranche über die Publikation des RWE-/E.ON-Deals überrascht gewesen sein. Die Schritte im Einzelnen:

  • RWE veräußert innogy-Beteiligung (76,8 %) an E.ON,
  • RWE erhält im Gegenzug eine Beteiligung an E.ON von 16,67 % im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung,
  • E.ON unterbreitet den Minderheitsaktionären der innogy ein freiwilliges Übernahmeangebot in Höhe von 40,00 € pro Aktie (inkl. Dividenden aus 2017/2018) in bar,
  • E.ON erhält die Geschäftsbereiche Netze und Vertrieb der innogy,
  • RWE erhält die Geschäftsbereiche Erneuerbare Energien und Gasspeicher der innogy, Erneuerbare Energien der E.ON sowie deren Beteiligungen am österreichischen Energieversorger Kelag und an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen,
  • Zudem beinhaltet die Vereinbarung eine Ausgleichs-zahlung von 1,5 Mrd. € durch RWE an E.ON.

Mit diesem Deal, verbunden mit der Zerschlagung der erst vor zwei Jahren gegründeten RWE-Beteiligung innogy, wird RWE der größte Einzelaktionär beim ehemaligen Konkurrenten E.ON und konzentriert sich zukünftig auf die Erzeugungsaktivitäten. E.ON fokussiert sich hingegen auf Netz-, Vertriebs- und Dienstleistungsaktivitäten.

Auswirkungen der Transaktion auf die Erzeugung: RWE wird durch die Übernahme des Erneuerbaren-Energien-Portfolios von innogy und E.ON seine Position im europäischen Erzeugungsmarkt vergrößern.

Mit der Konzentration auf die Erzeugung begibt sich RWE jedoch auch in eine stärkere Abhängigkeit von Markt-preisentwicklungen und erhöht somit das wirtschaftliche Risikoprofil. Darüber hinaus brechen stabile Cashflows mit der Abgabe des Netzgeschäftes weg. Aktuell ist der RWE-Konzern noch stark durch konventionelle Erzeugungs-einheiten geprägt, der zukünftige Fokus wird jedoch teilweise im Umbau fossiler Erzeugungseinheiten, aber insbesondere im Ausbau der Erneuerbaren Energien liegen.

Auswirkungen der Transaktion auf Netze und Vertrieb: Durch die Übernahme der innogy wird E.ON zum größten europäischen Betreiber von Verteilnetzen und ist in Deutschland in nahezu allen Bundesländern über seine Netzgesellschaften präsent. E.ON baut somit seine Position im Endkundenvertrieb Deutschland deutlich aus und erreicht insbesondere im Stromsektor eine dominante Stellung.

E.ON sieht erhebliches Synergiepotenzial bei den Verteilnetzen und im Stromvertrieb. Ein wesentlicher Vorteil beim Netzbetrieb ergibt sich aus den stabilen und gut planbaren Cashflows. Allerdings begibt sich E.ON auch in eine stärkere Abhängigkeit von Regulierung und Konzessionsvergaben.

Rückwirkungen auf die Energiewirtschaft: Der Deal wird die Energiebranche in Deutschland massiv beeinflussen und Handlungsdruck bei den EVUs und Stadtwerken in allen Bereichen der Wertschöpfung verursachen. Die innogy- Beteiligungen an EVUs/Stadtwerken werden im Rahmen der Übertragung auf E.ON auf den Prüfstand gestellt werden.

IKB-Einschätzung: Anhaltender Margendruck sowie der Wettbewerb um neue Geschäftsmodelle wird dazu führen, dass Kooperationen und Partnerschaften wieder stärker in den Fokus geraten werden und damit auch strategische und institutionelle Investoren. Dies ermöglicht den Kommunen, eine vereinbarte CoC-Klausel1) mit Closing des Deals frühestens Q2 2019 zu ziehen. Es gibt drei Optionen:

  • Keine Ziehung der CoC-Klausel,
  • Ziehung der CoC-Klausel und Aufstockung bestehender Anteile,
  • Ziehung der CoC-Klausel und Weiterveräußerung der erworbenen Anteile an einen neuen Partner.

Sowohl Kommunen als auch Investoren haben sich bereits positiv zu den letzten beiden Optionen geäußert. Die IKB steht hier gerne beratend und/oder als Finanzierungspartner zur Verfügung.

2. Branchen-Bewertung in DACH

Kommentar

  • Die IKB-Peer-Gruppe besteht aus börsennotierten Versorgungsunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) und wird aktuell im Durchschnitt mit 9,7x EBITDA 2018E bewertet.
  • Damit ist die Bewertung gegenüber dem 2. Halbjahr 2017 (8,7x EBITDA 2018E) sowohl im Durchschnitt als auch in den Extremwerten gestiegen. Die Bandbreite der EBITDA-Multiplikatoren 2018E erstreckt sich von 7,3x bis 14,5x gegenüber 6,7x bis 13,5x im 2. Halbjahr 2017.
  • Wesentlicher Treiber sind die marktbreite, gute Entwicklung der Aktienkurse der Versorgungsunternehmen (mit Ausnahme von EVN und Uniper). Neben der starken Performance der VERBUND-Aktie ist hierbei die Erholung der innogy-Aktie in Reaktion auf die im Rahmen des RWE-/E.ON-Deals erfolgte Bewertung hervorzuheben.
  • Die Unternehmenswerte der großen deutschen Versorgungsunternehmen – insbesondere derer mit Kernenergie im Erzeugungsportfolio sowie altem Kraftwerksbestand – bestehen nach wie vor zu großen Teilen aus Rückbau- und Pensionsverpflichtungen.1)

1) Keine Kernenergie und geringe konventionelle Kraftwerkskapazitäten bei Verbund, EVN und MVV. Alpiq hält zwei Minderheitsbeteiligungen an AKWs mit noch langer Laufzeit; hohe Rückbauverpflichtungen auch bei BKW aufgrund Stilllegung des AKW Mühleberg in 2019; damit mangelhafte Vergleichbarkeit von Multiplikatoren schon im deutschsprachigen Raum.

3. Fremdkapitalmärkte

Kommentar

Die europäischen Kapitalmarktrenditen zeigten sich im 1. Halbjahr 2018 relativ volatil. Der schon Mitte Dezember begonnene Anstieg der Renditen hatte im Verlauf des Januar an Dynamik gewonnen, die bis Mitte Februar anhielt und bei knapp 0,8 % einen Höchstwert erreichte. Innerhalb von nur acht Wochen haben sich die Renditen mehr als verdoppelt. Gründe dafür waren ein Nachlaufen der US-Renditen, die ihrerseits die straffere Geldpolitik der Fed einpreisten sowie die guten Konjunkturaussichten. Während die US-Renditen ihr Niveau in einer Seitwärtsbewegung halten konnten, gaben die Renditen der Euro-Zone bis Anfang April wieder kräftig nach. Die schwierige Regierungsbildung in Italien und die zwischenzeitliche Möglichkeit einer Neuwahl haben den Renditen im Euro-Raum schwer zugesetzt und sie wieder auf das Ausgangsniveau von 0,3 % von Mitte Dezember abstürzen lassen. In Anbetracht der strafferen Geldpolitik der EZB und des sich verbessernden globalen konjunkturellen Umfelds sollten die Renditen in den kommenden Monaten auf höhere Niveaus steigen.

Nach den beiden äußerst starken Jahren 2016 und 2017 im Markt für Corporate Schuldscheindarlehen begann das Jahr 2018 mit einem vergleichsweise schwachen 1. Quartal. 27 Transaktionen mit einem Zielvolumen von 2,99 Mrd. € kamen an den Markt, wobei in vielen Platzierungen die Zielvolumina tatsächlich deutlich überschritten wurden. Im 2. Quartal war mit 37 Transaktionen deutlich mehr Aktivität zu verzeichnen; das Zielvolumen dieses Quartals lag bei mehr als 3,7 Mrd.€, wobei sich eine Reihe von Transaktionen noch in der Vermarktung befindet. Der Energiesektor hat 2018 mit fünf Transaktionen und einem Zielvolumen von 400 Mio. € bisher einen großen Anteil am SSD-Markt.

Die fortschreitende Energie- und Verkehrswende sowie politische Interessen steigern den Investitionsbedarf in die Entwicklung innovativer und digitaler Prozesse und Geschäftsfelder. Die zunehmende Komplexität in der Energieversorgung erfordert eine dahingehende Neuausrichtung und damit eine teilweise Abkehr vom klassischen Kerngeschäft. Bei einem kurzen Blick durch die Fördermittelbrille fällt jedoch auf, dass für den privatwirtschaftlichen Sektor, dies gilt nicht nur für die Energiebranche, bislang eine wesentlich größere und attraktivere Auswahl an Fördermitteloptionen zur Verfügung steht. Bestehende, für kommunale Adressaten zugängliche Programme, wie der IKU-Investitionskredit oder das BMU-Umweltinnovationsprogramm, gehen nicht ausreichend auf die Finanzierungsbedürfnisse von Innovations- oder Digitalisierungsvorhaben kommunal geprägter Unternehmen ein. Inwieweit künftig mit einer konkreten Weiterentwicklung des aktuellen Fördermittelangebots zu rechnen ist, bleibt abzuwarten.

4. M&A-Transaktionen

Energieversorgungsunternehmen

Kommentar

  • Mit rund 90 M&A-Transaktionen (inkl. Erneuerbare Energien) liegt das 1. Halbjahr 2018 deutlich hinter den jeweiligen letzten beiden Halbjahren. Der M&A-Markt wird weiterhin von Portfoliobereinigungen, Rekommunalisierungen sowie einem immer stärker spürbaren Interesse von Energieversorgungsunternehmen (EVU) und Stadtwerken an Dienstleistungs- und Start-up-Unternehmen geprägt.1)
  • Geprägt wurde der M&A-Markt insbesondere durch vier große Transaktionen. Im Januar erwarb der finnische Energieversorger Fortum die von E.ON gehaltenen Anteile an Uniper in Höhe von 46,65 % für 22 € je Aktie. Der Deal wurde im Juni 2018 von der EU-Kommission ohne Auflagen genehmigt. Im März wurde der Deal zwischen RWE und E.ON bekannt (s. S. 4 Spezial), das Closing ist für Q2 2019 vorgesehen. Ebenfalls im März machte der belgische Übertragungsnetz-betreiber Elia von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch und stockt seine Anteile an dem deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz um 20 % auf 80 % auf. Damit sollte der Einstieg des chinesischen Staatskonzerns State Grid Corporation of China (SGCC) verhindert werden. Verkäufer war der australische Finanzinvestor IFM, der noch die verbleibenden 20 % hält. SGCC ist daran interessiert, die letzten 20 % zu erwerben. Im Mai verkündete Macquarie den Verkauf der Techem GmbH an eine Investorengruppe aus der Schweiz und Kanada, Closing ist für Q3 2018 geplant.
  • Im Rahmen der Rekommunalisierung erfolgten in der ersten Jahreshälfte weitere Konzessionsübernahmen3) durch lokale, kommunal geprägte Versorger.2)
  • Über den eigenen Innovation Hub hat sich die innogy SE an den beiden in Österreich sitzenden Start-up-Unternehmen Insider Navigation und Holo-Light beteiligt. Beide Unternehmen beschäftigen sich mit Augmented-Reality-Anwendungen.

1) Aufgrund der Vielzahl und/oder der Kleinteiligkeit werden ausschließlich ausgewählte Transaktionen aufgeführt oder im Kommentar benannt

2) So hat beispielsweise die Stromnetz Neckargemünd GmbH das Stromverteilnetz (Süwag Energie AG) in Neckargemünd, die Dorstener Netzgesellschaft das Gasverteilnetz (innogy SE) in Dorsten, die Hennef (Sieg) Netz GmbH & Co. KG das Strom- (innogy SE) und Gasverteilnetz (Rhein-Sieg Netz GmbH) in Hennef oder die Wärmegesellschaft Bad Lobenstein mbH das Fernwärmenetz (Danpower GmbH) in Bad Lobenstein erworben.

Erneuerbare Energien

Kommentar

  • Der deutsche M&A-Markt im Erneuerbaren-Sektor wurde im 1. Halbjahr sehr stark von On- und Offshore-Wind-Transaktionen dominiert. Weitere Transaktionen erfolgten im Photovoltaik-Sektor, abgeschlagen hingegen Bioenergie und PSKW1).
  • Durch die Übernahme von 100 % am Onshore-Windpark Deliceto (23 MW) in Apulien konnte die innogy SE ihre Expansionsstrategie auf dem italienischen Markt ausbauen. Darüber hinaus erwarb innogy vom Projektentwickler Saorgus Energy 50 % der Projektrechte an dem 600 MW Offshore-Windpark „Dublin Array“ vor der irischen Ostküste. Dies ist nach dem Erwerb des 10 MW Onshore-Windparks „Dromadda Beg“ das zweite Windkraft-Engagment in Irland.
  • Die Stadtwerk am See GmbH & Co. KG hat mit ihrer Beteiligung am Onshore-Windpark „Amtenhauser Berg“ (16,5 MW) im Landkreis Tuttlingen bereits ihren zweiten Windpark erworben. Weitere Projekte sind geplant, da das Unternehmen der Versorgung mit Ökostrom aus der Eigenerzeugung für die Region einen hohen Stellenwert beimisst.
  • Mit der 100 %-Übernahme der Amatec GmbH baut die 7C Solarparken AG ihre Projektpipeline um weitere 55 MWp deutlich aus, 15 MWp sind nahezu baureif.3) Zudem übernimmt der Solarkraftwerksbetreiber ein Portfolio von drei neu errichten PV-Dachanlagen (2 MWp) durch den Erwerb der Pinta Solarparks GmbH & Co. KG. Weitere Akquisitionen von PV-Dachanlagen (10,8 MWp) und einem Freiflächen-PV-Park (6,2 MWp) in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Hessen steigern das IPP-Portfolio auf 145 MWp.
    Die Daldrup-Gruppe hat das Geschäftsfeld Geothermie erfolgreich ausbauen können. Neben der Aufstockung bestehender Anteile am Geothermiekraftwerk Taufkirchen um 35 % auf nun 73,61 %, Verkäufer war die Schweizer Axpo, wurden 90 % am Geothermiekraftwerk Landau erworben. Die Einigung mit der Pfalzwerke AG zum Erwerb des Kraftwerks wurde bereits Ende 2013 erzielt, aufgrund eines langwierigen Rechtsstreits erfolgte die Übernahme der Anteile jedoch erst im Februar 2018.

1)PSKW = Pumpspeicherkraftwerk
2)Der Deal beinhaltet des weiteren: eine Bestandsanlage (750 kWp), eine Kaufoption für drei Bestandsanlagen, 3 ha PV-Grundstücke

Übersicht ausgewählter Transaktionen im Segment Energie

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