[Consumer & Retail-Information vom 10. Dezember 2021]

Die Inzidenzentwicklung im Sommer und frühen Herbst 2021 war im Nachhinein trügerisch, wenn damit die Hoffnung verbunden war, der Einzelhandel könne sich auf ein gutes Jahresendgeschäft einstellen. Die Lieferkettenprobleme in vielen Warengruppen rissen nicht ab, hinzu kamen zum Teil erhebliche Preissteigerungen und dann schossen die Infektions- und Hospitalisierungszahlen in die Höhe.
Die Bund-/Länder-Konferenz am 2. Dezember beschloss zur Eindämmung der Pandemie eine bundesweite und inzidenzunabhängige 2G-Regelung für den stationären Einzelhandel mit Ausnahme der Geschäfte des täglichen Bedarfs. Mit einem Schlag waren die letzten positiven Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft begraben.

Das Weihnachtsgeschäft sollte noch einmal einen wichtigen Schub bringen

Rund 19 % seines Jahresumsatzes erzielt der Einzelhandel in den beiden letzten Kalendermonaten. Bei den typischen Geschenkesortimenten Spielwaren, Bücher, Uhren, Schmuck und Unterhaltungselektronik sind es bis zu 25 %, was die besondere Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für viele Branchen unterstreicht. Im laufenden Jahr gilt dies umso mehr, weil sich in den ersten zehn Monaten das Umsatzwachstum im Einzelhandel deutlich verlangsamt hat und der stationäre Nonfood-Einzelhandel in einzelnen Segmenten zum Teil erhebliche Umsatzrückgänge hinnehmen musste.

Umsatzentwicklung Januar bis Oktober 2020 und 2021

Drei Muster sind dabei erkennbar: Erwartungsgemäß verliert der Lebensmittelhandel ebenso nach den hohen Vorjahresvorgaben. Strukturelle Veränderungen setzen sich im stationären Fashion- und Schuhhandel sowie bei Kauf- und Warenhäusern fort. Hingegen setzt der Online-Handel sein Wachstum fort. Bemerkenswert ist, dass die Dynamik auch nicht nach Öffnung des stationären Handels abreißt.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) ging Anfang November in seiner Prognose für das Weihnachtsgeschäft 2021 – definiert über die Umsätze im November und Dezember – von einem Wachstum um 2 % auf knapp 112 Mrd. € aus, wobei für den Online-Handel ein Plus ca. 3,5 Mrd. € (+17 %) auf 23 Mrd. € erwartet wurde. Unter dem Strich stünde damit für den stationären Handel ein Minus von etwas mehr als 1 Mrd. € gegenüber 2020. Stand heute wird das Weihnachtsgeschäft insgesamt nach IKB-Einschätzung mit einem Minus abschließen, im stationären Nonfood-Handel mit deutlichen Rückgängen. Bereits im November sind mit steigenden Inzidenzen und ersten verschärften Maßnahmen zur Pandemieeindämmung die Frequenzen in den Innenstädten im Trend gesunken.

Die von der Bund-/Länder-Konferenz am 2. Dezember 2021 beschlossene bundesweite und inzidenz-unabhängige 2G-Regelung für den stationären Nonfood-Handel wird gemeinsam mit der bei geimpften und genesenen Personen abnehmenden Bereitschaft zum stationären Einkauf aus Sicht der IKB zu Umsatzausfällen von 6 bis 9 Mrd. € führen. Je nach Warengruppe und Fachhandel erwarten wir Rückgänge in einem Korridor von 35 % bis zu 50 %.
Aktuell noch schwer einzuordnen ist der Verlauf der Cyber Week Ende November, zu der bislang keine belastbaren Daten vorliegen. Erste Meldungen sind zum Teil widersprüchlich. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der im November zunehmenden Verunsicherung der Verbraucher bezüglich möglicher Sortimentslücken durch ausbleibende Warenlieferungen hat die IKB für den Black Friday und Cyber Monday in Summe ein deutliches Umsatzwachstum von mehr als 20 % prognostiziert (IKB-Blog-Beitrag „Singles Day, Black Friday, Cyber Week: Ein weiteres Ausnahmejahr“ vom 8.11.2021). Ob die Fünf-Milliarden-Euro-Marke tatsächlich in Sichtweite gerückt ist, hängt u. a. stark davon ab, in welchem Umfang Ware tatsächlich verfügbar war und welche geplanten Einkäufe im stationären Einzelhandel an den Schnäppchentagen erfolgten.

Lieferprobleme belasten zusätzlich und werden sich nur langsam auflösen

Nach Befragungsergebnissen des ifo Institut waren im November ca. 78 % der Einzelhändler von Lieferproblemen betroffen. Im Oktober lag der Wert „nur“ bei 60 %. Bei Spielwaren waren es ausnahmslos alle befragten Händler (Okt. 76 %). Die gesamte Breite des Nonfood-Sortiments ist betroffen und sogar die Hälfte der Lebensmitteleinzelhändler beklagt Lieferschwierigkeiten (Okt. 18 %). Wenig optimistisch zeigt sich der Einzelhandel hinsichtlich eines schnellen Endes der Lieferprobleme. Die Erwartung ist, dass diese zumindest noch das Geschäft im ersten Halbjahr 2022 belasten werden.

 

Das Dringliche umsetzen, aber das Wichtige nicht aus den Augen verlieren

In Summe rechnet die IKB für das Gesamtjahr 2021 mit einem maximal stagnierenden Einzelhandelsumsatz, wobei sich der Handel mit Lebensmitteln durch wieder sinkende Gastronomieumsätze stabilisieren sollte, während der stationäre Nonfood-Einzelhandel deutlich ins Negative drehen wird. Der Online-Handel wird in einer Größenordnung von ca. 20 % zulegen. Für die von Umsatzrückgängen betroffenen Händler stehen aktuell wieder Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung im Vordergrund. Die Lehre aus den vorhergehenden (Teil)Lockdowns und Zugangsbegrenzungen im Einzelhandel ist gleichzeitig, dass der betroffene Nonfood-Handel eine schnelle, pragmatische und ausreichende finanzielle Unterstützung benötigt, um die Umsatz- und Ertragseinbußen abzufedern.

Der mögliche Instrumentenkasten ist bekannt, der HDE hat den Bedarf klar artikuliert. Die Branche braucht Substanz und ausreichende Mittel, um den Restart zu stemmen und die notwendige digitale Transformation umzusetzen.

Der Ausblick für 2022 ist verhalten positiv, der Strukturwandel läuft weiter

Das Ende des Jahres 2021 ist leider wenig versöhnlich für den stationären Einzelhandel. Das Konsumklima trübt sich am aktuellen Rand ein und der Start in das kommende Jahr droht ebenfalls holprig zu werden. Es bleibt zu hoffen, dass 7-Tage-Inzidenz und Hospitalisierungsrate sinken und die Impfquoten, respektive auch bei den Drittimpfungen, schnell steigen, damit ein wiederholter Lockdown vermieden werden kann. Wenn dies gelingt, erwartet die IKB für das Jahr 2022 ein deutliches Umsatzplus für den Einzelhandel bei merklich anziehender Dynamik zum Ende des ersten Quartals. Der Ausblick für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung – BIP, real +4 % – und den privaten Konsum – +7 % – im nächsten Jahr bleibt nach aktueller Einschätzung der IKB-Volkswirte (IKB Barometer November 2021) positiv. Die Aufwärtsbewegung am Arbeitsmarkt dürfte sich zwar etwas abkühlen, ein größerer Rückschlag in der vierten Corona-Welle ist aber nicht zu erwarten.

Bedeutet dies eine Rückkehr zu Strukturen und Prozessen wie vor der Pandemie? Diese Frage beantworten wir mit einem klaren Nein. Die Verzahnung von Offline- und Online-Welt wird sich fortsetzen, der Anteil des Umsatzes im stationären Handel, der online generiert bzw. initiiert wird, steigt in Form von Direktbelieferung, Click&Collect und Click&Meet. Die weitere Digitalisierung der Geschäftsprozesse wird für den gesamten Einzelhandel von zentraler Bedeutung. Das IFH Köln prognostiziert in seiner aktuellen Studie „Branchenreport Onlinehandel 2021“ einen Onlineumsatz mit Waren im B2C-Geschäft im Jahr 2025 von 139 Mrd. € (Szenario „Trend“) bis 161 Mrd. € (Szenario „Zunehmende Dynamik“) inkl. Mwst. Gegenüber 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Coronapandemie, entspräche dies einem Zuwachs von 79 bis 91 Mrd. € innerhalb von sechs Jahren. Laut IFH Köln könnte 2025 jeder fünfte Handelseuro online realisiert werden; in einzelnen Branchen könnte es sogar jeder zweite Euro sein.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass über alle Warengruppen hinweg und unter Einbeziehung von Lebensmitteln auch in fünf Jahren 80 % der Umsätze weiterhin stationär erzielt werden. Was sich zudem bei aller Veränderung nicht ändert, ist das Rezept für erfolgreichen Handel: Sortiments- und Beratungskompetenz, Kundenzentrierung, Warenverfügbarkeit, ein vom Kunden nachvollziehbares Preis-/Leistungsverhältnis und Veränderungsfähigkeit – online und offline.            

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