[Consumer & Retail-Information vom 5. März 2021] Nach der Ministerpräsidentenkonferenz vom 3. März ist klar: eine schnelle und weitreichende Öffnung des stationären Nonfood-Einzelhandels wird es vorerst nicht geben. Stattdessen herrscht weiterhin große Unsicherheit, trotz oder gerade wegen des vereinbarten Fünf-Stufen-Plans. Dieser bietet zwar eine kleine Perspektive, sorgt aber mit weiterhin vielen Einschränkungen und Unwägbarkeiten für Enttäuschung im Einzelhandel. Dabei wären weitreichendere Öffnungspläne für den Einzelhandel so wichtig gewesen, gehört dieser doch zu den Branchen, die die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie am deutlichsten zu spüren bekommen. Inzwischen liegen insgesamt circa vier Monate harter Lockdown hinter weiten Teilen des deutschen Einzelhandels, mit geschlossenen Ladentüren und entsprechenden Umsatzverlusten. In diese Zeit fiel auch das umsatzstarke und immens wichtige Vorweihnachtsgeschäft. Selbst die Monate zwischen den beiden Lockdowns sorgten zwar für etwas Erholung, haben jedoch aufgrund von Zutrittsbeschränkungen, notwendigen Hygienemaßnahmen und einer allgemeinen Vorsicht der Konsumenten in den meisten Segmenten nicht zu den sonst üblichen Frequenzen geführt. Umso verständlicher ist der Wunsch der Händler nach einem klaren Fahrplan und nach einer verlässlichen Antwort auf die Frage, wann der stationäre Nonfood-Einzelhandel wieder öffnen kann.

Viele Händler befinden sich in einer prekären Situation

Die Bundesregierung hat eine Reihe von Hilfsmaßnahmen auf den Weg gebracht, welche die betroffenen Unternehmen unterstützen, negative Folgen der Umsatzverluste reduzieren und im Extremfall eine drohende Insolvenzwelle verhindern sollen. Nach Angaben der zuständigen Ministerien sind über diverse Programme bisher rund 25,6 Mrd. € bewilligt bzw. ausgezahlt worden. Zusätzlich bestehen u. a. über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds oder die „Corona-Hilfe für Unternehmen“ der KfW weitere umfangreiche Unterstützungsangebote. Darüber hinaus können Unternehmen Kurzarbeitergeld beantragen und auf diese Weise ihre Personalkosten reduzieren.

Dennoch klagen viele Händler über zu viel Bürokratie, lange Bearbeitungszeiten und Unausgewogenheiten bei der Bewilligung von Hilfen. Entsprechend angespannt ist die Lage. Der Handelsverband Deutschland (HDE) beziffert den täglichen Umsatzverlust für die rund 200.000 vom aktuellen Lockdown betroffenen Unternehmen auf ca. 700 Mio. €. Allein von Jahresanfang bis März 2021 ergibt sich so eine Summe von circa 35 Mrd. €, zu der durch die Verlängerung des Lockdowns bis Anfang April noch einmal 10 Mrd. € hinzukommen dürften. Wenig überraschend ist demnach auch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen laut einer Umfrage des HDE um ihre Existenz fürchten, sollte es nicht zeitnah zu einer weitreichenden und nachhaltigen Öffnung des Einzelhandels kommen. Nonfood-Filialisten, insbesondere aus dem Fashion-Segment, kündigen bereits eine Ausdünnung ihres Standortportfolios an. Bei vielen Händlern schwindet schlicht die notwendige Liquidität. Online-Angebote wie „Click & Collect“ oder „Click & Meet“ können in Einzelfällen Sinn ergeben, werden in der breiten Masse jedoch nicht annähernd die dramatischen Ertragseinbrüche vieler Händler kompensieren können. Im Gegenteil, insbesondere bei größeren Unternehmen dürften die Kosten wohl die Erträge übersteigen.

Liquiditätsmanagement und „Fahren auf Sicht“

In der aktuellen Situation gilt es daher Kosten zu senken, um so viel Liquidität wie möglich im Unternehmen zu halten. Während dies bei den Personalkosten durch das Kurzarbeitergeld noch vergleichsweise unkompliziert und flexibel gelingen kann, sieht es bei anfallenden Fixkosten wie Miete und Strom oder bei den Verbindlichkeiten für bereits bestellte Ware, die mitunter nur in der jeweiligen Saison verkauft werden kann, ganz anders aus. Zur temporären Liquiditätssicherung sind Händler auf das Entgegenkommen von Vermietern und Lieferanten angewiesen. Doch auch bei Mietstundungen oder Zahlungsfristverlängerungen ist zu beachten, dass es sich nur um vorübergehende Maßnahmen handelt: aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Es gilt daher auf Sicht zu fahren und das weitere Vorgehen anhand von verschiedenen Szenarien strategisch zu planen. Klar ist, dass ein weiterhin über mehrere Wochen andauernder Lockdown viele Händler an ihre Grenzen bringen wird.

Unsicherer Ausblick

Noch ist nicht abzusehen, wann der stationäre Nonfood-Einzelhandel wieder mit umfangreichen Hygienekonzepten öffnen kann. Zu wenig vorhersehbar sind entscheidende Faktoren wie der Fortschritt der Impfkampagne und der Einfluss von Selbst- und Schnelltests, die aktuell die größte Hoffnung für eine zeitnahe Öffnung sind. Tatsache ist, jeder weitere Tag, an dem die Geschäfte geschlossen bleiben müssen, verschärft die Lage und verändert die Zukunft des stationären Handels nachhaltig. Im konkreten Fall bedeutet das mitunter, dass es zu zahlreichen Filialschließungen und Personalbbau und zu einer zunehmenden Verlagerung in den Online-Kanal kommen wird. Wie sehr die Pandemie die Dynamik des Online-Handels beschleunigt hat, ist hinlänglich bekannt. Die Umsatzzahlen des Nonfood-Einzelhandels (-15,7 %) sowie des Internet- und Versandhandels (+32,6 %, beide im Vergleich zum Vorjahr) vom Januar, die das statistisches Bundesamt in dieser Woche veröffentlichte, unterstreichen diese Entwicklung.

Intelligente stationäre und auf das Einkaufserlebnis ausgerichtete Konzepte, die online und offline verzahnen, wird es auch in Zukunft geben. Die Krise wird hier für einige Marktteilnehmer auch Chancen bieten. Diese zu nutzen, erfordert jedoch Planungssicherheit. Sollte der Lockdown noch über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, wird dies zwangsläufig zu mehr Leerständen und damit zu einem entsprechenden Attraktivitätsverlust der Innenstädte führen.

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