[Kapitalmarkt-News vom 25. März 2022]

Fazit: Der Stimmungseinbruch bei den deutschen Unternehmen bestätigt eine sich eintrübende Konjunktur und macht Prognoserevisionen notwendig. Noch wird allgemein von einem – wenn auch geringeren – Wirtschaftswachstum im Jahr 2022 von rund 2 % ausgegangen. In Folge bleibt auch der Ausblick für die Industriebranchen grundsätzlich positiv – wenn auch nicht mehr ganz so überzeugend wie noch zu Jahresanfang, vor Ausbruch des Krieges. Dies gilt vor allem für wenig konjunktursensitive Branchen.

 Doch auch wenn die Revisionen der BIP-Prognosen bisher überschaubar sind, werden die Gewinnmargen der Unternehmen unter Druck geraten. Denn der Ukraine-Konflikt belastet nicht nur die Umsätze, sondern sorgt vor allem für steigenden Kostendruck.

Noch hält sich Stimmungseintrübung in Grenzen und bestätigt moderate Revision für den Konjunkturausblick, …

Einige Früh- bzw. Stimmungsindikatoren deuten auf einen überschaubaren Einfluss des Ukraine-Krieges hin. So sind die Einkaufsmanager-Indizes nur leicht gefallen und befinden sich weiterhin über dem kritischen Wert von 50 Punkten. Hier scheinen es konkret vor allem Rohstoffpreisanstiege zu sein, die die Stimmung der Unternehmen bestimmen und weniger die geopolitischen Risiken. Der ifo Index bestätigt dieses Bild nur teilweise. So hat sich das ifo Geschäftsklima im März deutlich eingetrübt; der Index sank um 7,7 Zähler, aber die Unternehmen beurteilten dabei ihre aktuelle Lage nur leicht schlechter als im Vormonat. Dagegen sind die Geschäftserwartungen nahezu abgestürzt: der historische Einbruch beträgt 13,3 Zähler. Insgesamt scheinen sich in den Stimmungsindikatoren Konjunktursorgen und positive Impulse durch die Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen zu mischen.

… dennoch trübt sich der Ausblick für einzelne Industriebranchen ein 

Vor dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts wurde für alle Industriebranchen ein robustes Wachstum im Jahr 2022 erwartet. Mit dem Ausbruch des Krieges hat sich der Wachstumsausblick für die deutsche Wirtschaft für 2022 allerdings eingetrübt, und die BIP-Prognosen wurden allgemein um einen Prozentpunkt reduziert – von ca. 3,5 % auf ca. 2,5 %. Diese Eintrübung trifft die Branchen unterschiedlich, je nach ihrer Abhängigkeit vom allgemeinen Konjunkturzyklus.

Während der Einfluss auf die Holz-, Papier- und Chemieindustrie überschaubar bleibt, sind andere Branchen deutlich stärker betroffen: Für Automobil- und Metallindustrie sowie den Maschinenbau muss die Wachstumsprognose aufgrund der veränderten BIP-Wachstumsannahmen kräftiger reduziert werden. Ein Produktionsplus sollte sich auch mit den aktuellen BIP-Prognosen weiterhin ergeben. Sollte sich der BIP-Ausblick allerdings weiter eintrüben, sind sogar Produktionsrückgänge in einigen Branchen nicht auszuschließen.

Auf Grundlage der Wachstumsverluste der Industriebranchen (Abb. 2) im Jahr 2022 können folgende angepasste Branchenprognosen (Tab. 1) berechnet werden. Diese neuen Prognosen beinhalten, dass es zu keinen Versorgungsengpässen kommen wird. Der Einfluss des Ukraine-Konflikts reduziert sich demnach auf temporäre Rohstoffpreisanstiege sowie den Einfluss der Sanktionen gegenüber Russland. Angesichts der enormen Unsicherheit haben die Prognosen ein hohes Abwärtsrisiko, vor allem wenn das ifo Geschäftsklima in den kommenden Monaten weiter spürbar nachgeben würde. Dann wären weder die aktuelle BIP-Prognose noch der Branchenausblick haltbar.

Gewinnwachstum zunehmend unter Druck

Eskalierende Rohstoffpreise und mögliche Versorgungsengpässe belasten die Stimmung in der Realwirtschaft – wenn auch bis dato eher überschaubar. Dennoch ist in den kommenden Monaten mit weiteren Dämpfern bei den Stimmungsindikatoren zu rechnen. Denn der anhaltend hohe und bereits vor der Ukrainekrise eskalierende Kostendruck wird die Margen der Unternehmen zunehmend belasten. Dies gilt vor allem bei weiteren Eintrübungen des Konjunkturausblicks. Während die hohe Inflation die lokale Kaufkraft erodiert, sollte der Export robuster bleiben. Die aktuelle Euro-Schwäche sorgt zwar für höhere Importpreise von Rohstoffen. Exportbranchen mit einem hohen Wertschöpfungsgrad profitieren aber gleichzeitig vom internationalen preislichen Wettbewerbsvorteil. Insgesamt sind vor allem Branchen negativ betroffen, bei denen die Rohstoffkosten einen hohen Anteil an der Wertschöpfung aufweisen. Hierzu gehören vor allem Holz- und Papierindustrie und die Metallerzeugung. Branchen mit hoher Wertschöpfung wie Elektroindustrie, Maschinenbau, Pharmaindustrie und Metallbearbeitung sind hingegen weniger betroffen.

Grundsätzlich wird der Produktionsstandort Deutschland in Anbetracht einer eskalierenden Inflation zunehmend mit steigendem Lohndruck in den Jahren 2022 und 2023 konfrontiert sein. Da Löhne vor allem durch die Inflationsentwicklung bestimmt werden und die demografische Entwicklung das Arbeitskräfteangebot zunehmend limitiert, ist trotz der bis dato moderaten Konjunktureintrübung von zunehmendem Lohndruck auszugehen – vor allem im Jahr 2023. Sollte sich der Wachstumsausblick weiter eintrüben, ist zudem das Potenzial für Produktivitätssteigerungen begrenzt, was wiederum steigende Lohnstückkosten mit sich bringt. Auch würden die Margen der Unternehmen zunehmend unter Druck geraten. Alles in allem scheint sich somit der Gewinnausblick für den Standort Deutschland trotz eines aktuell immer noch positiven Wachstumsausblicks einzutrüben. Trotz der Prognoseunsicherheiten sollte diese Aussage weiterhin belastbar sein.

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