[Kapitalmarkt-News vom 24. September 2019]

Unsicherheit belastet Stimmung und Wirtschaft, ….

Allgemeine Konjunkturdaten deuten immer noch auf keine Bodenbildung für die deutsche Industrie hin. Und auch für das nächste Jahr muss angesichts von Brexit und globalen Handelsstreitigkeiten von anhaltenden Risiken ausgegangen werden. Damit sollte die Erwartung einer dynamischen Erholung im kommenden Jahr weiterhin oder immer noch als gewagt betrachtet werden. Mehr und mehr wird davon ausgegangen, dass die deutsche Industrie nicht nur in eine kurze Rezession rutscht, sondern sogar mittelfristig stagniert. Das aktuelle Risiko für das deutsche BIP-Wachstum im Jahr 2020 ist deshalb und trotz deutlicher Revisionen in den letzten Monaten auch weiterhin nach unten gerichtet. Denn die meisten Prognosen, auch wenn sie die Risiken betonen, unterstellen weiterhin einen geordneten Brexit bzw. keine bedeutenden wirtschaftlichen Verwerfungen bei den Handelsbeziehungen. Dies ist zwar sicher eine wünschenswerte Entwicklung, ob sie realistisch ist, bleibt abzuwarten. Die Auswirkungen eines unkoordinierten Brexits sind allerdings nicht zu unterschätzen. Dies zeigt sich schon länger beim Verlauf der Automobilexporte nach Großbritannien.

… doch der kurzfristige Ausblick ist durchaus heterogen, …

Gleichwohl scheint es kurzfristig auch Raum für positive Überraschungen zu geben. Gerade die Automobilindustrie ist hierfür ein Beispiel. Denn im Gegensatz zur allgemeinen Stimmung in der Wirtschaft verbessert sich die Gemütslage der Automobilindustrie bereits seit einigen Monaten. So ist das entsprechende ifo Geschäftsklima gegen den allgemeinen Trend in den letzten vier Monaten angestiegen. Dies mag jedoch weniger mit einer sich erholenden Kfz-Produktion zu tun haben als mit einem womöglich überzogenen Pessimismus im Frühjahr dieses Jahres. Allerdings signalisieren auch die Auftragseingänge eine kurzfristige Bodenbildung – und dies nicht nur bei der Automobilindustrie, sondern auch bei anderen Branchen (siehe IKB-Kapitalmarkt-News 5. September 2019).

Die Einschätzung einer allgemeinen Bodenbildung bestätigen auch die jüngsten Zahlen des ifo Geschäftsklimas: Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich deutlich verbessert. Wie nachhaltig diese Entwicklung sein wird, bleibt abzuwarten – Skepsis dokumentiert sich im Rückgang der Erwartungskomponente. So ist dieser Teil-Index des ifo Geschäftsklimas erneut von 91,3 Punkte auf 90,8 Zähler gesunken.

Auf Branchenebene hat sich die Stimmung des Dienstleistungssektors klar verbessert. Eine breite Stimmungseintrübung in der deutschen Wirtschaft bestätigen die aktuellen ifo-Zahlen also nicht.

… auch wenn der Ausblick für 2020 nebulös ist  

Das ifo Geschäftsklima ist ein Frühindikator mit einem Quartal Vorlauf. Damit geben die aktuellen Zahlen eine Indikation über die mögliche BIP-Wachstumsentwicklung im vierten Quartal 2019. Die aktuelle Seitwärtsbewegung stabilisiert den Durchschnittswert des ifo Index für das dritte Quartal. Allerdings wurde dies bereits in früheren Prognosen erwartet.

Die sich aktuell weiter eintrübenden Erwartungen sind nicht überraschend und sollten hinsichtlich ihrer Bedeutung für Prognosen für 2020 nicht überbetont werden. Denn der Ausblick gleicht einem Blick auf die Glaskugel: Gibt es einen koordinierten und baldigen Brexit und legen sich die Handelsstreitigkeiten, sollte sich die Stimmung in der Wirtschaft relativ schnell und deutlich aufhellen. Bei einem unkoordinierten bzw. sich lange hinziehenden Brexit dürften realwirtschaftliche Entwicklungen die Stimmung weiter eintrüben. In beiden Fällen wären die aktuellen Wachstumsprognose für 2020 zu revidieren.

Fazit: Die Seitwärtsbewegung des ifo Geschäftsklimas im September verdeckt das eigentlich Entscheidende: Die bessere Beurteilung der aktuellen Lage deutet auf eine kurzfristige Bodenbildung hin, nicht nur beim relativ stabilen Dienstleistungssektor, sondern auch bei der konjunktursensitiven Automobilindustrie. Die sich weiter eintrübenden Geschäftserwartungen dokumentieren hingegen eine starke Unsicherheit.

Insgesamt bestätigt das ifo Geschäftsklima ein weiterhin herausforderndes konjunkturelles Umfeld für das Restjahr 2019, während der Konjunkturverlauf im nächsten Jahr stark von politischen Entscheidungen abhängt, die noch nicht final gefallen sind. Diese betreffen etwa den Brexit und die internationalen Handelsbeziehungen. 

 

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