[Kapitalmarkt-News vom 5. September 2019]

Ausblick bleibt weiterhin unsicher, …

Die Automobilindustrie hat vor gut einem Jahr die allgemeine Abkühlung der deutschen Industriebranchen durch Sonderthemen wie die WLTP-Umstellungen beschleunigt und die Rezession der Industrie maßgeblich mitbestimmt. Was anfänglich von den Industriebranchen ausging, setzt sich nun in der Breite fort; die Probleme der Industrie scheinen sich mehr und mehr auf den Dienstleistungssektor zu übertragen. Dies schürt die Sorge vor einer anhaltenden Schwächephase der deutschen Wirtschaft. Aktuelle Stimmungsindikatoren bestätigen diese Befürchtungen. Damit steigt bei einer weiterhin Verschlechterung des ifo Geschäftsklimas das Risiko eines erneuten Rückgangs des deutschen BIP – allerdings eher im vierten als im dritten Quartal (siehe IKB-Kapitalmarkt-News 26. August 2019).

Die Hoffnung auf eine Stabilisierung der deutschen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2019 scheint sich somit nicht zu erfüllen. Das Augenmerk liegt nun auf der ersten Jahreshälfte 2020, was bereits zu deutlichen Prognoserevisionen für das Gesamtjahr 2020 geführt hat. Denn der zu erwartende Gegenwind ist bedeutend, vor allem wegen der nach wie vor unsicheren Ausgestaltung des Brexit, den Handelskrisen und dem Risiko einer Euro-Aufwertung in Folge ambitionierter Zinssenkungen der Fed. Deshalb prognostizieren die meisten Volkswirte ein BIP-Wachstum für Deutschland von nur noch ca. 1 % im nächsten Jahr. Dabei ist das Risiko weiterhin nach unten gerichtet.

Noch immer ist keine belastbare Stabilisierung der bedeutenden Industriebranchen zu erkennen. Dies überrascht insofern, da die globale Industrieproduktion ein bedeutender Treiber der deutschen Schwächephase in 2018/19 gewesen ist. Der deutsche Konjunkturverlauf hat aber inzwischen eine eigene Dynamik angenommen und entwickelt sich deutlich schlechter als der globale Zyklus. Auftragseingänge deuten aktuell auf eine kurzfristige Stabilisierung der Produktion hin, auch wenn sie im Juli zurückgegangen sind. Zwar sanken die Bestellungen im Juli deutlich um 2,7 % zum Vormonat, aber im Juni gab es ein kräftiges Orderplus von ebenfalls 2,7 %, sodass sich die Industriebestellungen aktuell eher seitwärts als abwärts bewegen. Fraglich bleibt allerdings, wie stabil sich die Auftragseingänge im Kontext der globalen Herausforderungen entwickeln werden.

… doch auf Branchenebene gibt es erste Hoffnungsschimmer

Auf Branchenebene stellt sich das Bild differenziert dar. Auch wenn die Auftragseingänge im Juli zurückgegangen sind, gab es in einigen Branchen bereits im Vorfeld deutliche Korrekturen bei der Produktion. Somit ergibt sich aus dem aktuellen Rückgang bei den Bestellungen nicht unbedingt weiteres Korrekturpotenzial. Für die meisten Branchen sind die Auftragseingänge ein guter Frühindikator für die Produktion ca. zwei Monate später. Für den Maschinenbau sind es sogar vier Monate, für die Chemieindustrie ist es nur der kommende Monat. Die Auftragseingänge bis Juli erlauben somit einen Ausblick für die Maschinenbauproduktion bis November 2019. Deren relative Stabilisierung bei den Auftragseingängen in den letzten Monaten zeigt eine erste Bodenbildung bei der Produktion an. Eine weitere Abwärtskorrektur der Produktion ist angesichts der Ordertätigkeit nicht zu erwarten: Der Maschinenbau scheint sich nach deutlichen Produktionsrückgängen zu stabilisieren.

Der Ausblick für die Automobilindustrie ist um einiges positiver als es die eigentlichen Produktionszahlen der letzten Monate signalisieren. Denn die Auftragseingänge deuten nun schon seit einigen Monaten auf eine Stabilisierung der Produktion hin. Das eigentliche Produktionsniveau liegt jedoch deutlich unter dem erwarteten Niveau, sodass positive Impulse für die Produktionszahlen kurzfristig nicht auszuschließen sind. Gleiches gilt für die Chemieindustrie. Auch hier liegt die Produktion deutlich unter dem von den Auftragseingängen signalisierten Niveau. Allerdings scheinen letztere noch keine Stabilisierung zu zeigen. Die Produktion der Elektroindustrie verläuft hingegen, wie von den Auftragseingängen angezeigt. Auch hier ist von einer stabilen Produktion im dritten Quartal auszugehen. 

Fazit:

Die Ausgestaltung des Brexit und andere globale Unsicherheiten deuten trotz bereits vorgenommener Prognoserevisionen auf anhaltende Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft hin – vor allem für das kommende Jahr. Zusammen mit nach wie vor schwachen Produktionszahlen der Industrie führt dies zu einer anhaltend schlechten Stimmung in der Wirtschaft. Ein erneuter Rückgang der Auftragseingänge im kommenden Monat würde diese Entwicklung bestätigen.

Doch auf Ebene einzelner Branchen ergibt sich ein differenzierteres Bild: Im Maschinenbau ist eine Bodenbildung der Produktion in den kommenden Monaten zu erwarten, während die der Automobilindustrie sogar leicht steigen sollte. Diese Entwicklungen werden die allgemeinen Prognosen für das Jahr 2020 nicht unbedingt aufhellen, können aber eventuell überzogenen Pessimismus verhindern.

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