[Healthcare, Pharma, Chemicals-Information vom 18. Juni 2020] 62 % der deutschen Chemieunternehmen verschieben im Zuge der Coronakrise Investitionen in Sachanlagen in die Zukunft, dennoch führen 53 % ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte derzeit wie geplant durch. Dies berichtet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf Basis einer Mitgliederbefragung. Die aktuellen Maßnahmen sollen einem Liquiditätsengpass zuvorkommen, den 26 % der Unternehmen erwarten, vor allem aus dem Mittelstand.

Ausgeprägte Wirtschaftskrisen wie die derzeitige bedrohen sowohl mittelständische Unternehmen als auch solche, deren Geschäftsmodelle negativ von globalen Megatrends beeinflusst werden. Laut VCI sind 72 % der Firmen in der Branche derzeit von Nachfrageeinbußen betroffen, obwohl Kapazitäten und Mitarbeiter einsatzbereit sind. Besonders stark ist der Rückgang im Exportgeschäft mit anderen europäischen Ländern. Auf der Kostenseite profitieren einige Hersteller vom niedrigen Rohölpreis, andererseits sorgen steigende Preise für knappe Rohstoffe, Hygienemaßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern, hohe Transport- und Fixkosten bei knapp 60 % der Unternehmen für insgesamt steigende Produktionskosten. Die derzeitigen Lagerbestände sind im Mittel vergleichbar zu Vorkrisenzeiten, unterscheiden sich jedoch je nach Produktgruppe stark. 68 % der Kunden fragen nach längeren Zahlungszielen, was die Liquiditätssituation bei einer Ausfallquote von aktuell 14 % weiter verschärft.

Zukunftstechnologien nutzen – Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, Wasserstoff

Insbesondere in Krisenzeiten heben sich Unternehmen ab, die in der Lage sind, verstärkt in Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu investieren. Wachsendes Konsumentenbewusstsein und die mediale Präsenz von Klimawandel, Meeresverschmutzung und begrenzten Ressourcen übt Druck auf die Angebotsseite aus. Deshalb positioniert sich die deutsche Chemieindustrie verstärkt entlang der Themenfelder Kreislaufwirtschaft, nachwachsende Rohstoffe und alternative Antriebstechnologien. Laut Mitgliederbefragung des VCI liegt der Fokus in erster Linie auf der Digitalisierung, die als Schlüsseltechnologie für weitere nachhaltige Investitionen gesehen wird. 61 % der befragten Unternehmen wollen hier in der Krise einen Investitionsschwerpunkt legen. Wasserstoff ist DER für Deutschland ausgewählte Energiespeicher / -träger und soll laut Nationaler Wasserstoffstrategie bis 2030 auf mindestens 3 GW oder idealerweise 5 GW ausgebaut werden. Hier bieten sich Industriegaseherstellern und PVC-Produzenten interessante Investitionsmöglichkeiten. Sonstige Chemikalienhersteller können ihre Produktionsanlagen wegen mittelfristig zusätzlich verfügbarer Wasserstoffmengen modernisieren. Weitere 27 % der befragten Unternehmen geben an, dass die Supply Chain in Zukunft wieder verstärkt nach Europa verlagert werden soll, um krisenfester zu werden. So möchten die Unternehmen insgesamt ihren europäischen Fußabdruck stärken, insofern die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen stimmen.

Konjunkturpakete auf Bundes- und EU-Ebene verstärken eingeschlagenen Kurs

Ob Recovery Plan der EU oder Konjunkturpaket der Bundesregierung, ein großes Augenmerk liegt auf der ökologischen Gestaltung der ökonomischen Erholung nach der Krise. Viele Technologien erfordern ein Mitwirken der Chemischen Industrie, die somit direkt von möglichen Förderungen profitieren kann. So erwarten laut VCI 32 % der befragten Unternehmen eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der EU, aber 56 % fürchten auch staatliche Interventionen und Regulierungen zum Leidwesen der technologieoffenen Forschung und Entwicklung. Wichtig wird eine sinnvolle Zusammenarbeit von Behörden, Unternehmen und Industrien sein, um Investitionen in die europäische Industrie ökologisch und ökonomisch sinnvoll zu gestalten.

Nach einem starken Einbruch der Chemiekonjunktur im zweiten Quartal geht die IKB von einer leichten Erholung in der zweiten Jahreshälfte aus. Das Vorkrisenniveau dürfte aber erst mittelfristig in zwei bis drei Jahren erreicht werden.

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