Chemiedistribution: Vom Logistik- zum Systemanbieter

Von |2018-12-11T12:14:49+00:004. Dezember 2018|Kategorien: Branchen & Rohstoffe|Tags: , , |

[Healthcare, Pharma, Chemicals-Information vom 4. Dezember 2018] Das Segment der Chemiedistribution steht vor grundlegenden Veränderungen und Herausforderungen. In der Vergangenheit haben Chemieproduzenten Logistikanbieter und bei Nachfragespitzen Auftragsfertiger benötigt. Heute wollen Spezialchemikalienhersteller und integrierte Konzerne strategische Lösungsanbieter, die in die eigene Supply Chain integriert werden und ausgeprägtes technisches sowie regulatorisches Know-how mitbringen.

Chemiedistribution heute

Der klassische Logistikanbieter mit Gesamtportfolio existiert bereits heute kaum noch. Der Prozess der Spezialisierung hat verschiedene Geschäftsmodelle hervorgebracht, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Dennoch gibt es zwischen diesen vielfältigen Unternehmen einige Gemeinsamkeiten: Produzenten sowie Kunden verlangen eine schnelle und zuverlässige Lieferung, die richtige Produktqualität, technischen Kundendienst, ein passendes Portfolio und regulatorische Expertise. Im Zuge der weiteren Spezialisierung und Digitalisierung werden sich Potenziale für die Branche ergeben, aber auch Risiken.

Markttrends verändern die Anforderungen

Die Digitalisierung wird dazu führen, dass Distributoren ihre eigenen Daten schneller und effizienter nutzen können, um ihre Prozesse und Abläufe sowie ihr Produktangebot zu optimieren. Konkurrenz droht von Chemieproduzenten, die ihr eigenes Vertriebsnetz online ausbauen, um Kundenpotenziale selbst zu heben. Weiterhin drängen digitale Warenhäuser in den Markt, die ihr bestehendes Angebot um Chemikalien erweitern möchten. Weitere Trends innerhalb des Markts sind die Konsolidierung auf der Hersteller-, Distributoren- und Kundenseite, eine steigende Individualisierung der Kundenbasis und zunehmende regulatorische Anforderungen. Kunden und Produzenten werden ihre Nachfrage nach werthaltigen Services steigern müssen. Chemiedistribution morgen Des Weiteren wird eine integrierte Vertriebs- und Marktstrategie erwartet, die auf dem jeweiligen Portfolio und geografischen Fokus der Produzenten basiert  Im Zuge dessen werden sich auch in Schwellenländern Transaktionen stärker standardisieren. Neben digitaler Sendungsverfolgung und der Nutzung historischer Kaufdaten werden auch ein individuell zugeschnittener Webshop sowie ein intelligentes Preissetzungssystem für Chemiedistributoren wichtig werden. Daten werden sowohl zur internen Optimierung als auch zur Verbesserung des externen Gesamtangebots genutzt. Um weiterhin erfolgreich zu sein, werden Chemiedistributoren in Zukunft anhand von bestimmten Kennzahlen und Messgrößen nachweisen müssen, dass sie dem strategischen Partner einen relevanten Mehrwert bieten. Obwohl einige Änderungen und Entwicklungen große Herausforderungen für die Branche darstellen, ist der Know-how-Vorsprung und die Vernetzung der Distributoren ihr entscheidender Vorteil, um Potenziale zu heben und in Zukunft ein noch essenziellerer Teil der chemischen Wertschöpfungskette zu sein.

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Sven Anders ist Associate in der Industriegruppe Healthcare, Pharma & Chemicals der IKB. Er betreut Unternehmen aus den Branchen Chemie und Pharma und ist involviert in Finanzierungs- und Corporate Finance-Transaktionen der Bank. Nach dem Master of Science in Finance an der Norwegian School of Economics (NHH) hat er seine ersten beiden Berufsjahre bei einer Unternehmensberatung absolviert, bevor er 2018 zur IKB stieß. Er schreibt zu aktuellen Themen aus dem genannten Branchenspektrum.

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