[Consumer & Retail-Information vom 27. November 2019] Das deutsche BIP ist im dritten Quartal 2019 lediglich um 0,1 % zum Vorquartal gewachsen, nachdem es im zweiten Quartal um 0,2 % schrumpfte. Die deutsche Wirtschaft steckt nicht in einer Rezession, befindet sich aber in schwierigem Fahrwasser. Die IKB rechnet für das laufende Jahr mit einem realen BIP-Wachstum von 0,6 %. Für die deutschen Büromöbelproduzenten sind das schlechte Vorzeichen, da die Nachfrage nach Büroausstattung klassischerweise in hohem Maße konjunkturabhängig ist. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass bei einem BIP-Wachstum unter 1 % Impulse für Büromöbelinvestitionen fehlen und die Investitionstätigkeit bei einem beginnenden Aufschwung erst verzögert einsetzt.

Zwar blickt die Branche auf eine ungewöhnlich lange Phase von Zuwächsen im Inland zurück – der letzte Rückgang des Marktvolumens war 2013 –, aber im Verlauf dieses Jahres drehte sich die Entwicklung und war zuletzt bestimmt von rückläufigen Auftragseingängen. Erschwerend kommt hinzu, dass neben schwächelnder Nachfrage im Inland auch die Absätze auf wichtigen Auslandsmärkten nachgeben. Für 2019 rechnen wir in Summe mit einem Plus für das Inlandsmarktvolumen von maximal 1 %.

Durch die im Vergleich deutlich schlechtere Entwicklung im Export wird die Büromöbelproduktion insgesamt wohl mit einem leichten Minus gegenüber dem Vorjahr abschließen. Die Breite der konjunkturellen Abkühlung führt dazu, dass Investitionsprojekte zeitlich geschoben, im Volumen reduziert oder gänzlich gestoppt werden. Die Auswirkungen werden die Büromöbelproduzenten im Jahr 2020 spüren.

Strukturelle Veränderungen in der Büro- und Arbeitswelt wirken bedingt gegen den Abschwung

Die IKB-Volkswirte prognostizieren eine Festigung der Wachstumsdynamik und erwarten nach aktuellem Stand ein reales BIP-Wachstum von 0,8 % im Jahr 2020, allerdings bei erheblichen Unsicherheiten (Kapitalmarkt-News vom 25. November 2019). Je nach Szenario leiten wir einen Rückgang des Inlandsmarktes für Büromöbel um -2 % bis -4 % ab, wobei sich das Segment Bürostühle nach unserer Einschätzung wie auch im laufenden Jahr schlechter entwickeln könnte als der Gesamtmarkt.

Mit dem Blick über 2020 hinaus hellen sich die Perspektiven für die Büromöbelhersteller zumindest im Inland wieder auf. Die Chance besteht, dass sich der zyklische Abschwung bereits 2021 wieder umkehrt. Neben der konjunkturellen Komponente spielt eine wesentliche Rolle, wie stark die strukturellen Veränderungen in der Büro- und Arbeitswelt auch bei schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirken. Insbesondere die Anforderungen an ergonomische Arbeitsplätze (z. B. flexible Sitz- und Stehlösungen) oder Open-Space-Büros und der Ausbau von Kommunikations- bzw. Loungezonen (z. B. Akustikwände, Soft-Seating-Elemente) sollten 2020 und gegebenenfalls 2021 Rückgänge abfedern bzw. für neue Dynamik sorgen.‎

Kurs halten und Zukunftsprojekte verfolgen

Die zehn größten deutschen Büromöbelhersteller generieren einen Anteil von rund 13 % an der gesamten europäischen Büromöbelproduktion in einer noch immer sehr fragmentierten Anbieterlandschaft, bei der kein Hersteller über einen Marktanteil von mehr als 5 % verfügt. Exportquoten in den einzelnen Segmenten zwischen etwa 20 % und über 40 % und eine dominierende Stellung im Heimatmarkt unterstreichen die Stärke der deutschen Büromöbelindustrie, obwohl der Importdruck zunimmt.

Wenn auch die Kunden im aktuellen konjunkturellen Umfeld ihre Investitionen in Büromöbel nach unten korrigieren, müssen die deutschen Anbieter dennoch

  • Antworten auf die Anforderungen zukünftiger Büro- und Arbeitswelten weiterentwickeln
  • zusätzlichen Absatz in Auslandsmärkten, respektive außerhalb Europas, generieren
  • Angebote für das Zusammenwachsen von Arbeiten und Wohnen, z. B. durch eigene Antritte im Wohnmöbelmarkt, ausarbeiten

Eine massive Korrektur des Büromöbelmarktes, wie vor 2010, ist nicht zu befürchten und im günstigsten Fall stabilisiert sich der Inlandsmarkt 2021 bereits wieder. Aus diesem Grund sind die Handlungsoptionen andere als im letzten Branchenabschwung: Kurs halten und Zukunftsprojekte mit Augenmaß verfolgen.

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