[Industrials & Automotive-Information vom 30. November 2021]

Auch das Jahr 2021 war und ist geprägt von der Corona-Pandemie. Während im letzten Jahr Kontaktbeschränkungen und Lockdowns die deutsche Wirtschaft belasteten, sind es in diesem Jahr Rohstoffknappheit, Logistikprobleme und die damit verbundenen Preissteigerungen.

Bauleistung stagniert

Nachdem im Jahr 2020 die Bauindustrie der einzige Wirtschaftsbereich war, der einen positiven Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt geleistet hat, wird die Bauleitung in Deutschland in diesem Jahr auf dem Wert des Vorjahres stagnieren. Laut Zentralverband des Deutsche Baugewerbes (ZDB) erwirtschafteten die Unternehmen, die dem Bauhauptgewerbe zugeordnet sind, im letzten Jahr einen Umsatz von ca. 140 Mrd. €. Für das Jahr 2021 wird mit einem Umsatz in derselben Größenordnung gerechnet, was bei nominalem Nullwachstum einem realen Rückgang von ca. 2 % entspricht. Für den europäischen Markt sieht Euroconstruct ein Wachstum der Bauleistung von 5,6 %. Dies ist größtenteils auf Aufholeffekte aus dem letzten Jahr zurückzuführen. Da sich die deutsche Bauwirtschaft im letzten Jahr vergleichsweise stabil entwickelt hatte, gibt es hier keinen starken Aufholeffekt, wie er in anderen europäischen Ländern zu beobachten ist.

Steigende Baupreise sorgen für Unruhe

Die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt nach Wohnraum ist ungebrochen hoch. Von Januar bis September 2021 wurden 5,4 % mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Vor allem die Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum ist knapp. Laut einer europäischen Studie lebten 2020 8,5 Millionen Deutsche in überbelegten Wohnungen. Vor allem Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern verfügten sehr viel öfter über Wohnungen mit zu wenigen Zimmern. Auch vor diesem Hintergrund ist eine Ausweitung des Bestands an bezahlbarem Wohnraum erforderlich.

Aktuell trifft jedoch der Bedarf von bezahlbarem Wohnraum auf steigende Baupreise: Ihr Anstieg um 12,6 % im dritten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die größte Zunahme seit 50 Jahren. Getrieben von praktisch explodierenden Rohstoffpreisen für diverse Baumaterialien wie Beton, Stahl, Dämmmaterialien und Kunststoffen, sind die Baukosten in die Höhe geschossen. Die Engpässe in der Versorgung, welche die Preissteigerungen mit ausgelöst haben, hatten außerdem Baustopps und die Absage oder Verschiebung von Projekten zur Folge. Die deutschen Bauunternehmen rechnen mit Lieferengpässen für bestimmte Materialien noch bis mindestens Ende des ersten Quartals 2022.

Baupreisindex für den Neubau von Wohngebäuden (2015=100)

Klimaschutz als bestimmender Faktor

Das Klimaschutzziel der Bundesregierung bis 2045 stellt sämtliche Wirtschaftssektoren vor große Herausforderungen. Gebäude waren in 2020 für knapp 15 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich; diese sollen bis 2030 um gut die Hälfte reduziert werden. Dies muss vor allem durch energetische Sanierung bestehender Gebäude sowie den Neubau von energieeffizienten Gebäuden geschehen. Dieser Trend sorgt für Aufträge bei den Bauunternehmen und stützt die Nachfrage nach Bauleistungen.

Emissionen von Treibhausgasen in Deutschland 2020

Zusätzlich müssten dem Gebäudesektor weitere 15 % der Treibhausgasemissionen zugeschrieben werden, die bei der Herstellung von Strom, Fernwärme oder Baustoffen anfallen. Die Herstellung vieler Baustoffe ist extrem energie- und ressourcenintensiv: allein die Zementindustrie in Deutschland emittierte 2019 ca. 20 Millionen Tonnen CO2. Der Bedarf an Beton und Zement wird aber weiter steigen, was eine klimafreundliche Produktion dieses Baustoffs erfordert. Die Entwicklung neuer Zementsorten, bei denen weniger Zementklinker zum Einsatz kommt, dessen Herstellung im Brennofen sehr energieintensiv ist, und das Betreiben der Brennöfen mit grünem Wasserstoff, sind wesentliche Maßnahmen auf dem Weg zu klimafreundlichem Zement.

So ist die Bauwirtschaft zum einen Profiteuer und Treiber klimafreundlichen Bauens, auf der anderen Seite aber Verursacher großer Mengen an Treibhausgasemissionen durch die Produktionsprozesse von Baustoffen. Investitionen in klimafreundliche Produktionsprozesse und die energetische Sanierung/Neubau von Gebäuden sind unumgänglich und dürften auch weiter gefördert werden.

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