Rohstoffpreis: Weiter Druck aus den USA

Aktuelle Tendezen: Weiter Druck aus den USA

[Rohstoffpreis-Information – Ausgabe 09/18] Die Weltrohstoffpreise sanken im Durchschnitt des August 2018 um 1,3 %. Infolge einer weiteren leichten Abwertung des Euro zum US-Dollar stagnierten sie in Inlandswährung gerechnet. Bis zum Jahresende 2018 erwarten wir weiter eine Bewegung um die Marke von 1,17 US-$/€.

Die folgenden Seiten beschreiben die Entwicklungen für einzelne Rohstoffe. Wir weisen explizit darauf hin, dass es bei metallischen Rohstoffen, abweichenden Legierungen sowie sonstigen Kunststoffsorten zu anderen Preisbewegungen kommen kann. Zudem beobachten wir bei einigen Rohstoffarten größere regionale Preisabweichungen.

Stahlpreise

Die Weltrohstahlproduktion zog bis Ende Juli 2018 um 5 % an. Das Wachstum in Europa (2 %) und Nordamerika (2,8 %) war etwas schwächer ausgeprägt. Wir erwarten für 2018 einen Anstieg um 3 %. Dies ist vor dem Hintergrund des starken Wachstums 2017 sowie des Basiseffektes in China beachtlich. In Deutschland erwarten wir eine Tonnage von 44 bis 45 Mio. t. In der Türkei hat sich der starke Zuwachs vom Jahresanfang infolge der innen-
und geopolitischen Effekte auf knapp 3 % reduziert.
Die Nachfrage im Inland wird von allen wichtigen Abnehmerbranchen getragen. Zwar stellen USamerikanische Einfuhrzölle ein Absatzrisiko dar, da aber viele Güten dort nicht oder nicht in ausreichendem Umfang hergestellt werden, erfolgt derzeit eine Weitergabe an die Endkunden.
Im Durchschnitt des August 2018 gaben die Schrottpreise um rund 5 €/t nach. Je nach Sorte sowie Region gab es kleine Abweichungen nach oben und unten. Die türkischen Abnehmer reduzierten ihre Importpreise deutlich stärker: Die verdoppelten Importzölle in die USA sowie der Verfall der Lira zeigten erste Auswirkungen. Alle Stahlunternehmen versuchen zwecks Devisenbeschaffung ihre Ausfuhren zu erhöhen. Insbesondere auf dem deutschen Markt belasten die gestiegenen Transportkosten u. a. wegen der niedrigen Wasserstände auf den Binnenschiffrouten. Die Eisenerz-Spotpreise zogen im August um gut 3 US-$/t an. Nachdem 2018 das Sommerloch im Schrottmarkt weitgehend ausfiel, könnten die Schrottpreise jedoch im September nachgeben.

Die Spotmarktpreise für Eisenerz frei China erhöhten sich im Monatsmittel des August 2018 gut 3 US-$ je t, während die Kokskohlenotierungen um rund 2 US-$/t sanken. Insgesamt erhöhten sich die europäischen Rohstahlpreise leicht: Während Warmbreitband um 3 €/t anzog, verteuerten sich Verzinkte Bleche trotz weiter gesunkenen Zinkpreise um 6 €/t. Walzdraht legte sogar um 12 €/t zu. Bei den europäischen Stahlpreisen erwarten wir einen leichten Rückgang im vierten Quartal 2018. Infolge der stark erhöhten US-Einfuhrzölle auf Stahl für türkische Lieferungen gehen wir davon, dass die Türkei versuchen wird, mehr davon in Europa abzusetzen. Gleichfalls will auch Russland seine Position in Europa stärker ausbauen. Ob die von der EU ergriffenen Schutzmaßnahmen insgesamt ausreichen, muss abgewartet fwerden. Noch hilft die global gute Stahlnachfrage.

Legierungsmetallpreise: Nickel, Chrom, Molybdän

Nachdem zu Jahresbeginn die Rostfrei-Produktion kräftig angezogen hat, dürfte 2018 bei Nickel ein Verbrauchszuwachs auf rund 2,4 Mio. t erfolgen. Gleichzeitig prognostizieren wir eine um 7 % höhere Nickelproduktion von 2,25 Mio. t. Dies korrespondiert zu einem Angebotsdefizit von bis zu 150.000 t, welches aus den derzeitigen Nickelvorräten noch darstellbar ist. Der Abbau der Nickel-Lagerbestände an der LME auf knapp 240.000 t Ende August 2018 geht allerdings weiter. Zudem befinden sich keine 18.000 t an der SHFE. Der Bedarf nimmt weiter kräftig zu. Träger sind die Produktion von rostfreiem Stahl sowie zukünftig auch vermehrt der Einsatz in Nickel-Ionen-Batterien. Noch wirken die Ausfuhren von NPIErzen (Nickel Pig Iron) aus Indonesien stabilisierend, bei einem weiteren Anstieg der dortigen Rostfrei-Produktion könnte es enger werden. Wir sehen den Nickelpreis bis Ende Dezember 2018 in einem Band von 2.500 US-$ um 14.000 US-$/t.

Der Anstieg der globalen Rostfrei-Produktion erhöht auch den Bedarf an Ferrochrom. Im ersten Halbjahr 2018 lag die weltweite Produktion von Ferrochrom um 10 % über dem Niveau von 2017. Danach kam es infolge starken Monsuns und Arbeitskämpfen zu Produktionsrückgängen in Indien. Für das dritte Quartal 2018 liegt der Benchmark-Preis zwischen europäischen Werken und südafrikanischen Ferrochromschmelzen mit 1,38 US-$/lb. um 4 ct unter dem Niveau des Vorquartals. Im Verlauf des August 2018 gaben die Spotmarktpreise frei China kräftig nach, der Markt ist aktuell gut versorgt. Wir sehen den Ferrochrompreis bis Ende 2018 in einer Bewegung um 13,00 US-$ je kg Reinchromgehalt mit einer Bandbreite von 2,50 US-$ je kg.

Nachdem 2017 einen Anstieg der globalen Molybdänproduktion von rund 4 % brachte, wird für 2018 ein weiterer Zuwachs von 3 % gesehen. Allerdings legt auch die globale Molybdännachfrage zu. Es gehen rund 80 % der Erzeugung in die Rostfrei-Produktion, Eisenguss und Super-Alloys. Das aktuelle Jahr bringt jedoch eine anziehende Investitionstätigkeit in der Öl- und Gasexploration, die ein Sechstel des Verbrauchs abnimmt. Rund die Hälfte der Minenproduktion erfolgt als Kuppelprodukt im Kupferminenbergbau. China versucht, höhere Umweltstandards im Bergbau durchzusetzen. Trotzdem dürfte es nicht zu einem größeren Angebotsdefizit kommen. Momentan ist der Markt für Ferromolybdän gut versorgt. Vorerst sehen wir bis Ende 2018 den Ferromolybdänpreis bei rund 30,00 US-$/kg mit einer Bandbreite von 4,00 US-$ je kg.

Preistrends rostfreier Stahl

Im ersten Quartal 2018 stieg die globale Produktion von rostfreiem Edelstahl um 9,5 % an. Mit Ausnahme der USA zeigten alle Regionen Zuwächse: Während Europa nur leicht zulegte, erhöhte China seinen Ausstoß um 6,5 %. Auch das übrige Asien zog kräftig an, da die neuen
Kapazitäten in Indonesien starke Impulse gaben.
Weltweit dürfte 2018 ein Zuwachs der Produktion auf rund 48,4 Mio. t erfolgen. Insgesamt sind die weltweiten Rostfrei-Produzenten mit ihren noch gut gefüllten Auftragsbüchern zufrieden. China wird seine dominierende Position mit einem Marktanteil von über 50 % weiter halten.
Allerdings wird die Erzeugung durch neue Umweltauflagen dort teurer. In Deutschland dürfte nur ein unterdurchschnittliches Produktionswachstum erfolgen. Rostfreie Edelstähle des Typs 1.4301 bestehen zu rund 10 % aus Nickel und 18 % aus Chrom. Daher bestimmt deren Preisentwicklung die Preise für diese Güten. Die leichteren Nickelnotierungen dürften gemeinsam mit einem etwas geringeren Ferrochrom-Benchmarkpreis
niedrigere Legierungsmetallzuschläge zur Folge haben. Outokumpu hält seine Graphitelektrodenzuschläge vorerst weiter stabil bei 30 € je t. Die Wettbewerber erheben diesen derzeit nicht. Die Basispreise gaben im Verlauf des August 2018 zwar noch geringfügig nach, diese dürften sich in den nächsten drei Monaten aber nicht mehr nennenswert verbilligen. Bei einer festen Nachfrage nach Edelstahl sehen wir daher für die Basispreise von Flachstahl bis Ende 2018 eine Preisbewegung um 1.075 € je t. Hinzuzurechnen sind jedoch die Legierungszuschläge, welche im September im Vergleich zum August um rd. 50 €/t niedriger ausfallen.

Edelstähle des Typs 1.4401 enthalten rund 12 % Nickel, 17 % Chrom sowie etwa 2 % Molybdän. Wiederum folgen
die Preise der Entwicklung dieser Legierungsmetalle. Aufgrund der geringeren Nickelnotierungen sowie der
weitgehend stabilen Ferrochrom- und Ferromolybdännotierungen geben auch hier die Legierungszuschläge
nach. Im September liegen diese bis zu ca. 50 €/t unter dem Vormonatswert. Die Nachfrage der Güten 1.4401
im Jahr 2018 sollte weiter von der Erholung im Maschinen-und Anlagenbau profitieren. Absatzrisiken bestehen
jedoch bei einer weiteren Eskalation des von der USA ausgelösten Handelskrieges Bei unseren Prognosen der
Basispreise sehen wir bis Ende 2018 bei Warmbreitband unverändert ein Preisniveau von bis zu 1.400 € je t zuzüglich der Legierungszuschläge und gegebenenfalls der Graphitelektrodenprämie.

Aluminiumpreise

Die globale Primäraluminiumproduktion lag Ende Juli 2018 knapp unter Vorjahresniveau. Wir erwarten für 2018 eine Erzeugung von rund 64 Mio. t sowie weitere 11 Mio. t Recyclingaluminium. China hat die etwas geringere Produktion infolge von Abschaltungen im ersten
Quartal schon zu einem Großteil aufgeholt. Im übrigen Asien erfolgte ein kräftiger Anstieg (+15,5 %). In Europa war eine weitgehend stabile Produktion zu beobachten, in Nordamerika gab sie nach. Die Produktion in den Golfstaaten zog weiter an. Unverändert sind die Aussichten in allen relevanten Abnehmerbereichen sehr gut: Neben Impulsen vom Leichtbau in der Automobilindustrie sorgen volle Auftragsbücher der Luftfahrtindustrie und die gute Konjunktur der Baubranche in Kontinentaleuropa für einen hohen Absatz.

Die Lagerbestände von Primäraluminium an der LME haben sich weiter vermindert: Diese liegen nun bei 1,07 Mio. t. An der SHFE gaben die Bestände zuletzt auf rund 882.000 t nach. In den Lagern der Comex dagegen befinden sich nur noch 8.000 t. Damit ist eine gute Versorgung gegeben. Die LME-Bestände an Recyclinglegierungen machen lediglich 13.500 t aus. Die Vorräte entsprechen dem Gesamtverbrauch (Primär- und Recyclingaluminium) von 10 Tagen. Ein weiterer Ausbau der Kapazitäten für Recyclingaluminium sichert die langfristige Versorgung. Bis Ende des Jahres 2018 erwarten wir einen weiteren Lagerabbau bei Primäraluminium. US-Zölle auf Aluminiumeinfuhren erhöhen das dortige Inlandspreisniveau nachhaltig treffen, da in amerikanischen Lagerhäusern nur sehr geringe Vorräte sind. Zudem werden die Zölle voll an die Endkunden weitergegeben.

Die Primäraluminiumpreise verzeichneten im bisherigen Jahresverlauf ein Wechselbad: Die angekündigten USSanktionen gegenüber dem russischen Produzenten Rusal führten zu einem Preissprung. Allerdings hielt dieser
Trend nicht lange. Nachdem ein Aufschub für eine Neuzusammensetzung des Gesellschafterkreises bis Oktober
d. J. gegeben wurde, beruhigte sich der Markt wieder. Die investive Nachfrage zog ebenfalls an: Die Zahl der Handelskontrakte stieg im Verlauf des August um gut 10 %. Bis Ende 2018 erwarten wir eine Preisbewegung
für Primäraluminium um die Marke von 2.200 US-$ je t in einem Band von +300 US-$ je t. Sollten jedoch Ende Oktober die Sanktionen gegen Rusal greifen, dürften die Preise um 200 bis 300 US-$/t anziehen. Die Notierung
von Recyclingaluminium an der LME dürfte sich dagegen um rund 500 US-$ je t unter diesen Werten bewegen.

Zink- und Bleipreise

Die Zink-Lagerbestände an der LME betrugen Ende August 2018 0,24 Mio. t. Damit gingen diese in den letzten drei Monaten seitwärts. Der Lagerbestand an der SHFE gab auf 30.000 t nach, derjenige an der Comex liegt bei 3.300 t – somit sind letztere vernachlässigbar. Die Bestände entsprechen dem Verbrauch von 9 Tagen. Insgesamt hat sich die Versorgung weiter entspannt. Im Jahr 2017 hatte sich ein Angebotsdefizit von fast 460.000 t ergeben. Die Bleivorräte an der LME liegen bei 126.000 t, die Bestände an der SHFE machen nur noch knapp 18.000 t aus. Die Vorräte an der Comex sind weiter unbedeutend (<1.000 t). Das absolute Niveau der Bleivorräte entspricht weiter nur dem Verbrauch von 4,5 Tagen. Damit ist die Versorgungssituation bei Blei sehr eng. Der Markt hatte 2017 mit einem Defizit von 143.000 t abgeschlossen.

Nachdem die Zinkminenproduktion 2017 nur um gut 1 % zulegte, wurde für 2018 ein Anstieg von 5 % erwartet. Nach einem Rückgang im ersten Halbjahr sind jedoch trotz Hochlaufphase neuer Minen jetzt nur noch 2 % realistisch. Die Raffinadeproduktion dürfte um rund 3,5 % zulegen. Der Verbrauch erhöht sich voraussichtlich um gut 2 %, was von allen wichtigen Verbrauchsregionen getragen wird. Allerdings wird dies zu einem weiteren Angebotsdefizit von maximal 100.000 t führen. Dieser Nachfragezuwachs stammt trotz Einfuhrzöllen der USA auch auf verzinkte Güten primär aus einer anziehenden Produktion
verzinkter Stahlsorten. Wir prognostizieren für den Zinkpreis bis Ende 2018 eine Bewegung um eine Marke von 2.700 US-$/t mit einer Schwankungsbreite von
500 US-$.

Die Bleiminenproduktion lag im ersten Halbjahr 2018 um 4 % unter Vorjahr, diese dürften jedoch bis zum Jahresende aufgeholt werden. Heute stammen fast 60 % der gesamten Bleiproduktion aus Recyclingmaterial. Der Anstieg der Raffinadeproduktion wird um gut 2 % höher ausfallen: Es dürften gut 11,7 Mio. t werden. Der Verbrauch
wird ebenfalls um 2 % auf 11,8 Mio. t zulegen, wobei China und die USA stärker, Europa etwas geringer expandieren
sollten. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Markt 2018 mit einem kleinen Angebotsdefizit von unter 100.000 t abschließen wird. Daher sehen wir für den Bleipreis bis Ende 2018 eine Bewegung um 2.200 US-$/t mit einer Bandbreite von 300 US-$ je Tonne.

Kupferpreise

Die weitweite Kupferminenproduktion erhöhte sich bis Ende Mai 2018 um 5,7 %. Die Kapazitätsauslastung der Kupferminen legte trotz der Erweiterung der globalen Kapazitäten um 3 % zu. Dies ist primär auf die Erzeugung in Chile, Indonesien sowie dem Kongo zurückzuführen.
Die Raffinadeproduktion wuchs geringer (+2 %) bei einer weitgehend stabilen Kapazitätsauslastung. Der weltweite Verbrauch zog um gut 1 % an. Ein Nachfrageanstieg von 4 % in China wurde teilweise durch geringere Verbräuche in anderen Staaten (USA, Japan) kompensiert.
Insgesamt dürfte der Markt 2018 maximal einen geringen Angebotsüberschuss aufweisen, bevor er 2019 wieder in ein kräftiges Defizit von rd. 0,25 Mio. t mündet.

Die Kupfervorräte an der LME gaben zuletzt weiter nach: Insgesamt betrugen diese Ende August 2018 rund 265.000 t. Die Lagerbestände an der SHFE reduzierten sich kräftig: Sie betragen nun 138.000 t. Die Bestände der COMEX betrugen Ende August 2018 190.000 t. Ein Großteil der Volumina dient der Absicherung von Finanztransaktionen. Die weltweiten Vorräte reichen für den Bedarf von knapp 9 Tagen. Ohne erneute streikbedingte Produktionsausfälle sollte sich die Versorgung auch dank der Kapazitätserweiterungen nochmals verbessern. Dies begrenzt den möglichen Preisanstieg. Immer noch eine offene Flanke für deutsche Schrottverarbeiter ist der Import aus UK nach dem Brexit. Wir rechnen bis zum Jahresende nicht mit einer Klärung.

Der Kupferpreis zeigte im Verlauf des August 2018 größere Ausschläge: Insgesamt lag das Preisband bei gut 400 US-$/t. Die physische Nachfrage dürfte weiter zulegen. So erhöht sich der Kupferverbrauch in einem batteriebetriebenen Pkw mit autonomem Fahren von derzeit 25 kg (bei einem klassischen Verbrennungsmotor) auf
rund 65 kg. Auch die Elektronik, die ITK-Branche und die Energieerzeugung weisen steigende Bedarfe auf. Zudem
erhielt der Markt Impulse von einer anziehenden investiven Nachfrage: Die Zahl der Handelskontrakte erhöhte
sich im August um gut 27 %. Vor dem Hintergrund, dass 2018 jedoch im Gesamtjahr einen kleinen Angebotsüberschuss aufweisen könnte, sehen wir keinen größeren Preisdruck. Bis Ende 2018 erwarten wir daher ein Preisniveau von 6.100 US-$/t mit einer Bewegung in einem Band von 500 US-$ je t um diese Marke.

Edelmetallpreise: Gold, Silber, Platin, Palladium

Die globale Goldnachfrage sank im ersten Halbjahr 2018 auf das niedrigste Niveau seit 2009. Die Schmucknachfrage ging zurück, während jedoch die industrielle Nachfrage um 3 % wuchs. Impulse kamen hier aus der Elektronikindustrie, während sich bei Zahngold der rückläufige Trend fortsetzte. Negative Impulse kamen von der investiven Nachfrage: der Nettozufluss der ETF’s (Exchange Traded Funds) lag im ersten Halbjahr um die Hälfte unter Vorjahresniveau. Zudem war die Nachfrage nach Barren und Münzen geringer. Angebotsseitig ist ein Anstieg in der Minenproduktion um 2 % erfolgt. Das Goldrecycling legte ebenfalls zu. Anziehende Zinsen in den USA und ein guter Konjunkturverlauf begrenzen das Anstiegspotenzial. Trotz anhaltender geopolitischer Turbulenzen sehen wir den Goldpreis bis Ende 2018 um die Marke von 1.200 US-$/oz. mit einer Bandbreite von 150 US-$.

Obwohl sich nach dem Angebotsdefizit im globalen Silbermarkt des Jahres 2017 ein solches auch für 2018 abzeichnet, wurde der Silberpreis besonders stark von dem durch politische Querschüsse ausgelösten Preisverfall auf den Rohstoffmärkten getroffen. Sowohl im laufenden Jahr wie auch langfristig ist dagegen ein Anstieg der gesamten physischen Silbernachfrage zu erwarten. Kurzfristig entscheidend dürfte sein, ob die investive Nachfrage einen kräftigen Aufbau bei den ETF’s durchführen wird. Angebotsseitig wird nach zwei Jahren mit Rückgang in der Minenproduktion eine leichte Belebung sowie bestenfalls ein stabiles Silberrecycling erwartet. Wir sehen für Silber bis Ende 2018 eine Preisbewegung um rund 16,00 US-$/oz. mit einem Band von 2,50 US-$.

Im bisherigen Jahresverlauf ist die physische Platinnachfrage nach einem guten ersten Quartal 2018 durch einen
sinkenden Bedarf der Automobilindustrie infolge geringerer Dieselverkäufe unter Druck geraten. Zudem hat sich
die investive Nachfrage zurückgebildet. Es ergab sich im ersten Quartal 2018 trotz eines höheren Angebots ein
kleines Angebotsdefizit. Für das Gesamtjahr sehen wir jedoch einen Angebotsüberschuss. Der Platinpreis bewegt
sich bis Ende 2018 um 850 US-$/oz. in einem Band von +200 US-$. Bei Palladium wird 2018 ein kräftiges
Angebotsdefizit erwartet. Zwar geriet auch Palladium ab Juli zunächst kräftig unter Druck, der Erholungsprozess
setzte jedoch Mitte August ein. Ein Großteil der Verluste wurde bereits ausgeglichen. Daher erwarten wir bei Palladium bis Ende des Jahres 2018 eine Bewegung um 1.000 US-$/oz. in einem Band von +200 US-$.

Preistrends Öl/Gas

2018 dürfte ein Anstieg der Weltrohölnachfrage um 1,64 mbd (Million Barrel per Day) auf 98,9,mbd erfolgen und dann 2019 erstmals die Schwelle von 100 mbd überschritten werden. Neben der Förderausweitung außerhalb der OPEC ergibt sich 2018 ein Bedarf für eine OPEC-Produktion von 39,2 mbd (davon 6,4 mbd s.g. NGL-Sorten) und gut 32 mbd für 2019. Bis Juli 2018 zeigen sich noch keine größeren Bremsspuren in der Förderung des Iran. Zwar dürften China und Indien weiter iranisches Rohöl beziehen, es ist jedoch ab November von einem Absinken der Förderung des Iran auszugehen.
Daher sehen wir den Rohölpreis bis Ende 2018 um 76 US-$ je Barrel Brent schwanken (+10 US-$). Die amerikanische Referenzsorte WTI liegt um rund 8 USDollar je Barrel darunter.

Die Rohölvorräte in den USA haben sich im Verlauf des August 2018 deutlich zurückgebildet. Diese unterschritten zum Monatsende den Vorjahreswert um gut 13 % und betrugen rund 401,5 Mio. Barrel. Die übrigen Destillate liegen mit 133 Mio. Barrel 10 % unter, Benzin dagegen mit 235 Mio. Barrel weitgehend auf Vorjahresniveau. Vor Beginn der Heizsaison fallen die Propanbestände im Vorjahresvergleich leicht geringer aus. Somit hat sich der Lagerabbau in den USA fortgesetzt, obwohl mittlerweile die US-amerikanische Tagesproduktion von Rohöl auf einem Höchststand von 11 mbd liegt. Insgesamt reichen die amerikanischen Bestände für den Verbrauch von knapp 23 Tagen, was immer noch eine zufriedenstellende Versorgung ist.

Die Gasvorräte in den USA unterschreiten deutlich den langjährigen Durchschnittswert. Die Inlandsproduktion
von Erdgas liegt um 15 % über dem Niveau des Vorjahres, es wurden allerdings erhebliche Transportverluste
verzeichnet. Ende August 2018 oszillierten die Notierungen im amerikanischen Spotmarkt um den Wert von
3 US-$ je mm btu. Das deutsche Inlandspreisniveau wird damit weiter unterschritten. In Deutschland reduzierte
sich bis Ende Juni 2018 die Inlandsgewinnung von Erdgas um 17,5 %. Die Importe stiegen dagegen um knapp 13 % an. Ab Jahresmitte 2017 zogen die Grenzübergangspreise an und überschritten den Vorjahresstand zuletzt um 20 %. Bei festeren Rohölpreisnotierungen dürfte der Grenzübergangspreis bis Ende 2018 um weitere 5 % zulegen.

Preistrends Polymer-Vorprodukten und Kunststoffen

Der zwischenzeitliche Druck auf die Rohölpreise ließ entsprechend auch die Notierungen für Naphtha absinken.
Derzeit bewegen sich die Weltmarktpreise um 640 US-$/t. Aus dem asiatischen Markt wird aktuell ein Angebotsüberhang gemeldet. Im Zuge stabilerer Rohölnotierungen dürfte sich der Naphthapreis in Europa im vierten Quartal 2018 dann um 570 €/t (bei leichter Abwertung des Euro zum US-Dollar) bewegen. Zuletzt zog der Kontraktpreis für das Folgeprodukt Ethylen (C2) kräftig an: Es werden für September 2018 30 €/t mehr verlangt. Die Spotmarktpreise in Asien gaben aber bereits nach. Auch für Propylen (C3) werden nun leicht höhere Preise verlangt: Hier soll der Aufschlag aber nur 10 €/t betragen, womit sich der Preisanstieg seit April fortsetzt. Dies dürfte in den nächsten Wochen auch kleine Aufschläge auf die Spotmarktpreise zur Folge haben.

Bei Benzol fällt der Kontraktpreis im September 2018 dagegen um rund 10 US-$. Dies könnte die Styrolpreise
entspannen, welche jedoch im Verlauf des August infolge von Produktionsstörungen in den Niederlanden angezogen hatten. Jedoch gilt im asiatischen Markt die Versorgung mit Styrol als knapp. Zudem haben zuletzt die Spotmarktpreise bei Styrol wieder angezogen. Allerdings sind zurzeit keine neuen Force majeure oder wartungsbedingte Ausfälle bekannt. Bis zum Jahresende 2018 sollten die Preise sich jedoch etwas ermäßigen.

Trotz geringfügig niedrigerer Rohölpreise blieben die Polymerpreise stabil. Bei HDPE erwarten wir infolge der stabilen Nachfrage und knapperer Importe bis zum Jahresende 2018 eine Bewegung um das Niveau von 1.200 €/t. Bei Polypropylen hat – wie von uns erwartet – eine Force majeure zu Preisanhebungen geführt. Nach Beendigung könnten sich die Preise wieder in Richtung von 1.200 US-$/t absinken. Bei Polystyrol wurden die Vormaterialpreiserhöhungen
voll weitergegeben. Es sind Erhöhungen von bis zu 50 US-$/t möglich. Bei PVC ist der Markt unverändert gut versorgt. Die Preise haben Potenzial nach unten (925 bis 950 €/t). Bei PET ist der Markt weiter sehr knapp versorgt, was sich nicht zuletzt in stark volatilen Spotmarktpreisen zeigt. Wartungsarbeiten bei einem Vormaterialproduzenten im Verlauf des September halten das Preisniveau hoch.

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Dr. Heinz-Jürgen Büchner

Dr. Heinz-Jürgen Büchner ist als Managing Director Industrials & Automotive zuständig für die Metallbranche und verantwortlich für die Rohstoffanalysen der Bank. Der promovierte Volkswirt hat nach seinem Studium Lehr- und Assistententätigkeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität ausgeübt und war vor der IKB bei einer anderen Bank tätig. Er schreibt zu aktuellen Metall- und Rohstoffthemen und hält Vorträge auf internationalen Branchenveranstaltungen.

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