[Healthcare, Pharma, Chemicals-Information vom 1. Februar 2019] Mit Blick auf zukünftige Geschäftsmöglichkeiten herrscht in der Chemiebranche Uneinigkeit über die Bedeutung von additiver Fertigung, auch 3D-Druck genannt. Mit dieser Technik werden digitale Baupläne schichtweise zu gewünschten Produkten zusammengesetzt. Hierbei kommen verschiedene Drucktechnologien und Materialien zum Einsatz.

Während führende Beratungsunternehmen in additiver Fertigung ein gewaltiges Potenzial sehen, hat eine Studie des Beraters CAMELOT ergeben, dass deutsche Chemieunternehmen dem Thema ein deutlich geringeres Gewicht beimessen. Viele Manager halten die Technologie nur in ausgewählten Nischensegmenten für relevant. Zwar glauben 58 % der Chemieunternehmen, dass additive Fertigungstechnologien zukünftig einen entscheidenden Einfluss auf ihre operativen Entscheidungen haben werden, in der sonstigen deutschen Wirtschaft erachten allerdings 75 % der Unternehmen das Thema für bedeutsam.

Markt für 3D-Druck-Materialien wächst stark

Die Chemieindustrie ist bisher ausschließlich Lieferant für  additive Fertigungsunternehmen und stellt die Materialien für den Druck bereit. Dieser Markt wird vom VCI auf eine Größe von rund 1 Mrd. € geschätzt. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Kline werden zwei Drittel des Umsatzes in Nordamerika und Europa erzielt, während rund ein Viertel aus Asien-Pazifik kommt. China und Japan versprechen bei Materialien für die additive Fertigung das höchste Wachstum. Global bilden bislang Fotopolymere, Polymerpulver und Filamente mit 80 % Anteil die wichtigsten Ausgangsmaterialien. Nichtsdestotrotz geht Kline davon aus, dass in Zukunft der Einsatz von Metallen stärker zunehmen wird und rechnet für die nächsten 10 Jahre mit einem Wachstum von mehr als 20 % pro Jahr. Dieses Wachstum ist getrieben von neuen Bauplänen, Trends wie „Mass Customization“ und innovativen Materialien in mittelgroßer Serienfertigung, die hochwertigere Produkte mit weniger Ausschuss entstehen lassen.

Die Vorwärtsintegration kann für einzelne Chemieunternehmen lohnenswert sein

Ob und wie deutsche Chemieunternehmen von diesem langfristigen Trend profitieren können, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Fakt ist, dass die Technologie noch nicht ausgereift ist, die Entwicklung befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium. Auf lange Sicht hat die additive Fertigung das Potenzial, Wertschöpfungsketten zu revolutionieren und Fertigungsschritte standort- und lohnkostenunabhängiger zu gestalten. Einige Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich bestimmte Materialienhersteller vorwärts integrieren werden, um die komplette Wertschöpfungskette abzudecken. Andere sehen die Rolle der Chemie auch in Zukunft eher auf der Zulieferseite, wo innovative Materialien, technisches Know-How und kundenorientierte Dienstleistungen Erfolg versprechen. Von diesen Entwicklungen wird abhängen, ob die additive Fertigung dazu beiträgt, dass sich Chemieunternehmen zum Teil strategisch neu aufstellen müssen, oder ob es genügt, Formulierungs- und Anwendungskenntnisse zur Belieferung einzusetzen und somit aktuelle Geschäftsmodelle fortzuführen.

Nach Ansicht der IKB ist die additive Fertigung eine vielversprechende Technologie, die in Branchen wie Automotive, Maschinenbau und Kunststoffverarbeitung für eine veränderte Dynamik sorgen wird. Insgesamt wird sich die bislang kostenintensive und nur auf geringe Losgrößen anwendbare Technologie jedoch nur dort durchsetzen, wo sie über die gesamte Wertschöpfungskette einen eindeutigen ökonomischen Nutzen schafft.

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